Castrop-Rauxeler Landwirt befürchtet Konsequenzen für Fleischkonsumenten

mlzCorona auf Schlachthöfen

Wegen der Corona-Ausbrüche und der temporären Schließungen großer Schlachthöfe kommen andere Höfe mit der Arbeit kaum noch hinterher. Auch ein Castrop-Rauxeler Landwirt bekommt das zu spüren.

Schwerin

, 25.06.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehr als 1500 Angestellte des Fleischbetriebs Tönnies sind nach dem Corona-Ausbruch im Betrieb positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das führte im Kreis Gütersloh nicht nur dazu, dass vorerst der Betrieb auf dem Schlachthof eingestellt wurde, sondern auch zum sogenannten Lockdown. Ein Lockdown gilt auch im benachbarten Kreis Warendorf.

Auch in Hamm gab es vor wenigen Tagen wieder zahlreiche Corona-Tests, nachdem Anfang Mai zahlreiche Mitarbeiter von Westfleisch im Kreis Coesfeld positiv getestet worden waren.

Immer wieder gibt es im Umfeld von Schlachtbetrieben Probleme wegen des Coronavirus. Als Ursache dafür sieht NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) die „schlechten Arbeitsbedingungen“ in den Schlachtbetrieben und fordert schärfere Gesetze.

Arbeitssituation schon seit Jahren bekannt

Schlechte Arbeitsbedingungen werden beispielsweise in langen Arbeitszeiten, Akkordarbeiten auf engem Raum und dem Unterkommen in Sammelunterkünften gesehen. Jan Kremerskothen, Landwirt aus Castrop-Rauxel, hat dazu eine klare Meinung: „Das wird momentan alles sehr hochgebauscht“.

Der 31-jährige Schweriner fügt hinzu: „Diese Bedingungen sind schon seit Jahren bekannt.“ Er sieht aber nicht nur Betriebe und deren Wunsch auf „Weltmarktniveau produzieren zu können“ als Zusammenhang, sondern auch die Werkarbeiter, die hauptsächlich „ihr Geld nach Hause bringen wollen“.

Als Lösung dafür hat sich die Bundesregierung dazu entschlossen, ab 2021 Werkverträge in der Fleischindustrie weitgehend zu verbieten. Folgen wird das nach Kremerskothens Prognose „vor allem für Landwirte und Konsumenten“ haben.

„Schlachtschweinpreise sind erheblich gefallen“

Kremerskothen, der mit seiner Familie einen Schweine-Masthof an der Bodelschwingher Straße betreibt, spürte die Folgen der temporären Schließungen von großen Schlachthöfen bereits am eigenen Leib. „Die Schlachtschweinpreise sind erheblich gefallen“, sagt er.

Er erläutert: „Das Angebot an zu schlachtenden Schweinen ist zu hoch, aber die Nachfrage der Konsumenten bleibt gleich. Die Schlachthöfe kommen nicht hinterher.“ Unmittelbar betroffen ist der studierte Agrarwissenschaftler von der Betreibseinstellung bei Tönnies nicht.

Die jährlich knapp 3500 gemästeten Schweine werden zu einem Schlachthof in Recklinghausen gebracht. Laut Kremerskothen wurde dort zwar getestet, „es gibt aber keinen Corona-Fall“.

„Nicht jeder will ein Riesen- oder Minikotlett“

Trotzdem sieht der Landwirt, der vor etwa einem Jahr auf besondere Weise geheiratet hat, Probleme. „Man muss zusehen, dass man die Schweine noch los wird, weil die Schweine eine bestimmte Maske haben. Das heißt, sie dürfen nicht zu schwer oder zu leicht sein“, erklärt der Schweriner.

Wenn wegen der Auslastung der Schlachthöfe zu lange gewartet oder zu früh geschlachtet werde, könne das zu „Abzügen von der Notierung vom Schlachtpreis führen“, erläutert Kremerskothen und sagt: „Nicht jeder will ein Riesen- oder Mini-Kotelett“.

Zudem bräuchten Höfe, „wenn es hart auf hart kommt mehr Platz, weil die Jungtiere nachrücken“. Er betont: „Bisher habe ich diese Probleme nicht, weil ich ein oder zwei Tage schieben kann, aber wer zu Tönnies liefert, muss mehrere Wochen einplanen“.

Großrazzien bei Betrieben im Umfeld

Die von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) angekündigten Schwerpunktrazzien wegen der Corona-Ausbrüche in den Fleischbetrieben hat Kremerskothen auch schon zur Kenntnis genommen: „Ja die finden schon statt. Die Großunternehmen im Umfeld werden bereits kontrolliert.“

Konsequenzen wie zum Beispiel Preiserhöhungen befürchtet er, „gehen zulasten der Verbraucher, Erzeuger oder der osteuropäischen Angestellten, da versucht wird, alles mit Maschinen zu ersetzen und so Arbeitsplätze wegfallen“.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt