Der Samstag nach dem Black Friday: An den Kassen bilden sich lange Schlangen. Aufkleber auf dem Boden empfehlen Abstand. © Ruhr-Nachrichten
Corona-Abstände

Lange Schlangen an den Kassen: „Wahnsinn“ – aber nicht wegen Black Friday

Der Samstag am Black-Friday-Wochenende: An den Kassen im Media-Markt in Castrop-Rauxel bilden sich Schlangen. Es gibt Gründe für den Einkauf – aber es ist oft gar nicht die Schnäppchenjagd.

Samstag (28.11.), am frühen Nachmittag: Rot-weiße Ketten versperren den direkten Zugang zum Media-Markt an der Siemensstraße in Habinghorst. Sie lenken die Besucher zunächst nach links, um Gedränge am Eingang zu verhindern. Das gibt es zunächst auch gar nicht. Schlange steht vor dem Eingang niemand.

Direkt nach dem Windfang der Glasschiebetüren ändert sich das: Stau. Eine Menschentraube. Der Mann vom Sicherheitsdienst hat alles im Blick. Links im Seitengang hat sich eine Schlange gebildet. Sie reicht gut zwei Regalreihen in die Abteilung für Haushaltskleingeräte zurück.

Einige Kunden wollen offenbar zur Kasse und müssen sich in die Reihe der erst gerade ankommenden Einkäufer einreihen. So ähnlich muss es auch am Freitagabend gewesen sein. Am Black-Friday-Abend.

Display zählt die Kunden

„So einen Haufen Menschen habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Kein Abstand, und die lassen Leute rein wie die Irren“, schrieb eine Leserin an die Redaktion. „Ich bin entsetzt. Wo ist das Ordnungsamt?“ Dessen Präsenz aber ist gar nicht nötig.

Denn wenige Meter weiter leuchtet ein menschenhohes Display mit einem grünen Pfeil und einer Zahl: 141 Kunden dürfen noch rein. Nach dem kurzen Gedränge geht es zügig weiter – solange keine Kunden aus den seitlichen Gängen kommen.

Der Hauptgang führt vom Eingang geradeaus in den hinteren Teil des Marktes. Hier herrscht quasi Ein-Richtungs-Verkehr – aber wie in England links. In Gegenrichtung hat sich eine lange Schlange gebildet. Sie reicht bis zum breiteren Quergang an der Fernsehabteilung.

Lange Schlange an den Kassen

47 Kunden stehen in der Schlange vor den Kassen. Geschätzte Abstände: mal ein Meter, mal vielleicht 1,50 Meter. Aufkleber auf dem Boden empfehlen zwei Meter Abstand. Hier ginge es. Die wenigsten halten sich daran. Alle Kassen sind geöffnet – mehr geht nicht.

Ein voller Parkplatz, aber keine Schlange vor dem Eingang: In den Media-Markt an der Siemensstraße hätten zu diesem Zeitpunkt noch rund 150 Kunden hineingedurft. © Ruhr-Nachrichten © Ruhr-Nachrichten

Drubbelig wird es an den „Hot-Spots“ – vor den großen Fernsehgeräten oder bei den Smartphones. Wenige Meter weiter ist es regelrecht leer. Hinten links bei der „Weißen Ware“, den Haushalts-Großgeräten, stehen drei Verkäuferinnen beieinander und plaudern.

Eine von ihnen streckt die Arme weit und reckt sich – Entspannung im Vorweihnachts-Geschäft. Auch am anderen Ende des Marktes, beim Computer-Zubehör, herrscht kein Gedränge.

Gegen den Strom zum Ausgang

Der Weg zum Ausgang ist jedoch nur in Etappen zu bewältigen: von Quergang zu Quergang, an der Schlange vor den Kassen vorbei – gegen den Strom neuer Kunden. Geschafft. Ein Blick zurück: Jetzt dürften noch 148 Kunden hinein.

Ein junges Paar tritt vor die Tür. Er trägt einen Karton mit einer Kaffeemaschine. „Dass wir hier sind, hat nix mit Black Friday zu tun“, erklärt er. „Ich habe vor zwei Wochen angefangen, Kaffee zu trinken und hatte noch keine Maschine.“ Sie hätten im lokalen Handel und nicht im Internet kaufen wollen, ergänzt seine Partnerin. „Dass wir an diesem Tag hier sind, war ein Versehen.“ Sie lacht.

Kopfschüttelnd verlässt ein Mann den Markt. „Eine Katastrophe“, schimpft er. „Da muss man in Corona-Zeiten schon sehr aufpassen. Abstand hält doch keiner.“ Er hat eine Bestellung abgeholt. „Gestern hat ein Kollege mich angerufen und gewarnt, dass es voll ist“, sagt er. „Aber heute ist es ja nicht besser.“

Homeoffice erfordert Drucker

Ein Ehepaar überquert den Parkplatz. Sie eilt voraus, öffnet den Kofferraum. Er schleppt einen Laserdrucker und Zubehör. „Alles gut, in zehn Minuten war das erledigt“, sagt der Endfünfziger. „Wir mussten heute hier her“, erklärt seine Frau. „Mein Mann arbeitet nun im Homeoffice und braucht den Drucker.“

Kurios: Keiner von zehn befragten Kunden ist auf Schnäppchenjagd. Auffallend viele Kunden verlassen mit leeren Händen den Markt. „Ja, ich habe nichts gekauft“, sagt eine Frau im Vorbeilaufen. „Ich habe nicht gefunden, was ich wollte.“

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Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp

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