Langes Warten auf Corona-Testergebnis zermürbt Familie Meiertokrax

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Mia bekommt Schnupfen und Husten. Ihre Eltern machen bei der Achtjährigen freiwillig einen Coronatest. „Wir wollten alles richtig machen“, sagt Maria Meiertokrax. Jetzt ist sie desillusioniert.

Castrop-Rauxel

, 09.09.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Donnerstag, 27. August 2020. Dieses Datum wird die Castrop-Rauxeler Familie Meiertokrax so schnell nicht vergessen. An jenem Donnerstag beginnen für die Familie Tage, die sie so nicht mehr erleben will.

Alles fängt damit an, dass Tochter Mia fiebert, Husten und Schnupfen bekommt und die Eltern die Ärztin anrufen. Die Sorge wegen des Coronavirus bestimmt ab da ihr Leben. Knapp zwei Wochen später sagt Maria Meiertokrax (38): „So etwas muss man erst einmal verarbeiten.“ Dazu gehört für sie auch, dass sie ihre Geschichte erzählt. Sie weiß, dass sie mit ihren Erlebnissen nicht allein ist.

Die Ärztin empfiehlt an diesem Donnerstag, die Achtjährige bis zum Wochenende zu Hause zu lassen. In die Praxis solle sie nicht kommen. Die Familie könne freiwillig einen Coronatest abholen und einen Abstrich machen. Bis Montag sei das Ergebnis da. So erzählt es Maria Meiertokrax.

Die Familie folgt der Empfehlung. Auch das Gesundheitsamt ruft an, empfiehlt, sich zurückzuhalten. „‘Und Montag haben Sie dann ja das Ergebnis‘, so haben sie mir gesagt. Für uns war das eine vernünftige Lösung.“

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Zu diesem Zeitpunkt sind Maria und André Meiertokrax noch entspannt. André Meiertokrax arbeitet nach Absprache mit seinem Vorgesetzten am Freitag von zu Hause. Er ist beruflich viel unterwegs. In dieser Situation will er nichts riskieren. Das Wochenende bleiben alle im Haus. Sie gehen nicht zu einer Kommunionfeier zu Freunden. Am Montag will er wieder los.

Dem Labor fehlten Reagenzien für Coronatests

Doch am Montagmorgen ist das Ergebnis des Coronatests nicht da, auch nicht am Mittag. „Rufen Sie morgen wieder an“, heißt es. Diesen Satz hat Maria Meiertokrax in dieser Woche noch oft gehört. Mittwoch dann erreicht das Ehepaar das Labor. „Sie sagten uns, sie hätten noch Tests vom Mittwoch der Vorwoche nicht durch. Es würden Reagenzien fehlen“, berichtet die Castrop-Rauxelerin.

Die Stimmung sinkt. Tag für Tag wird die Familie wieder vertröstet. Immer wieder hoffen Maria, André und Mia. An einem Tag ist André Meiertokrax fest entschlossen, wieder in seinem Büro in Wuppertal zu arbeiten. Unterwegs ruft er noch vom Parkplatz wieder in der Arztpraxis an. Und fährt, nach einer weiteren Absage, wieder nach Hause.

Familie Meiertokrax hofft weiter. Am Samstag (5.9.) möchte Mia zu einer Geburtstagsfeier. Mit der Arztpraxis ist vereinbart, dass ausnahmsweise auch an diesem Tag ein Testergebnis telefonisch durchgegeben wird. Das Geschenk liegt schön verpackt auf dem Tisch, Mia hat sich hübsch angezogen und freut sich. „Wir haben alle auf das Telefon gestarrt“, so die Mutter. Der Anruf kommt nicht. Die Mutter muss ihrer Tochter beibringen, dass sie nicht mitfeiern darf.

Vater erklärt, er bleibe in der Arztpraxis, bis er ein Ergebnis habe

So geht es bis zum Montag, 7. September. Da geht der Vater wieder in die Praxis und erklärt unmissverständlich, er werde nicht ohne ein Testergebnis gehen. Das wirkt, so Maria Meiertokrax. Wenig später ist das Ergebnis da. Der Coronatest ist negativ. Mia geht noch am gleichen Tag wieder in die Schule.

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Die Bilanz: „Unsere Tochter hat sieben Schultage verpasst. Dazu kommt eine verpasste Kommunionfeier und der versäumte Kindergeburtstag“, sagt Maria Meiertokrax. Und sie fühlten sich zurückgeworfen in die Zeiten des Social Distancing im Frühjahr. „Der Kampf mit dem Homeschooling begann wieder.“

Ob sie noch einmal einen Corona-Test machen werden? Freiwillig nicht mehr, so sagt sie. Sie habe nie überlegt, Mia einfach wieder in die Schule oder zu Freunden zu schicken. „Die Verantwortung hätte ich nicht tragen wollen“, sagt sie und denkt kurz nach: „Ich weiß nicht mehr, was richtig ist.“

Maria Meiertokrax kritisiert, dass es keine Informationen gab

Maria Meiertokrax erzählt, dass sie nicht die einzigen sind. In der Arztpraxis hätten sie erlebt, wie viele Menschen verärgert nach Testergebnissen fragten und ebenfalls vertröstet worden seien. Dass den Laboren Material fehlt, hat sie auf ihrer Suche nach Informationen auf einer Seite des Robert-Koch-Instituts gelesen.

Aber für sie bleiben Fragen: Setzen die Labore Prioritäten? Warum informieren Gesundheitsamt und Ärzte nicht, dass die Ergebnisse viel Zeit brauchen? Dann hätte ihr Mann sich eine andere Möglichkeit gesucht, sich selbst testen zu lassen, um arbeiten gehen zu können.

Mia ist gesund. Aber die Sorge bleibt. Die nassen, kalten Monate, in denen Kinder sich häufig erkälten, kommen erst noch. „Das kann alles wieder passieren.“

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