Gewonnen! Diese Ickerner jubeln dank Ohrenkneifer-Hotels über den Klimaschutzpreis 2019

mlzLebenshilfe

Es ist ein außergewöhnliches Wohnprojekt der Lebenshilfe in Ickern: Sieben behinderte Menschen wohnen in einer Hausgemeinschaft in einem Neubau. Jetzt haben sie den Klimaschutzpreis gewonnen.

Ickern

, 01.12.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie sind mächtig stolz beim Wohnprojekt der Lebenshilfe in Ickern, dass sie beim Klimaschutzpreis der Stadt Castrop-Rauxel und des Versorgungsunternehmens Innogy den ersten Preis gewonnen haben. Christel Brandt aus dem Betreuungsteam sagt, als unsere Zeitung vor Ort zu Gast ist und die gute Nachricht überbringt: „Das erfüllt uns auch ein bisschen mit Dankbarkeit.“

Gewonnen! Diese Ickerner jubeln dank Ohrenkneifer-Hotels über den Klimaschutzpreis 2019

Ein Ohrenkneiferhotel der Lebenshilfe in ihrem Garten „In der Mark“ in Ickern. © Schlehenkamp

Dafür, für die gelebte gute Nachbarschaft In der Mark und die Akzeptanz im Stadtteil Ickern möchten sie gerne etwas zurückgeben. „Das Miteinander klappt sehr gut, wir fühlen uns total gut angenommen. Unsere Klienten stehen nicht am Rand, sondern mittendrin. So stellen wir uns Integration vor“, erklärt Christel Brandt. Sie ist eine von fünf hauptamtlichen und Teilzeitkräften im Team – plus Azubi und FJS-Kraft.

Lebensmut trotz der Bindung an den Rollstuhl

Das Kümmern des Teams besteht in der Begleitung von sieben jungen Frauen und Männern, die seit November 2017 in einer Hausgemeinschaft leben. Alle sieben haben eine geistige und teilweise schwere körperliche Behinderung. Sie sind zum Teil auf den Rolli angewiesen, aber verströmen so viel Lebensmut, dass auch Außenstehende sich gerne anstecken lassen, wie diese jungen Menschen versuchen, ihren Weg in mehr Selbstständigkeit trotz Handicaps mutig und fröhlich zu gehen.

Gewonnen! Diese Ickerner jubeln dank Ohrenkneifer-Hotels über den Klimaschutzpreis 2019

Das Wohngebäude der Lebenshilfe in Ickern ist jetzt seit zwei Jahren bewohnt. In dem Neubau In der Mark gibt es 14 Wohnungen, zum Teil auch privat vermietet. Zur Hausgemeinschaft der Lebenshilfe gehören sieben junge Menschen, die eine geistige und teilweise schwere körperliche Behinderung haben. © Schlehenkamp

Ihr Projekt war und ist, in kleinen Schritten möglichst viel für den Klimaschutz zu erreichen. Das Insektensterben, erzählen sie, habe sie umgetrieben. Was sie tun können für die Umwelt, hätten sie gemeinsam mit dem Betreuerteam überlegt. Im eigenen Garten anzufangen, das war ihr Credo.

Aus Tontöpfen bauten sie Ohrenkneifer-Hotels, die sie in den Garten hängten - und zwar mit der Beschreibung, warum sie wichtig sind, auch als Botschaft an die anderen Hausbewohner, deren Gäste und Passanten.

Erst für Ohrenkneifer, dann Bienen, dann Vögel

Der nächste Schritt war der Bau von transportablen Bienen-Hotels. Jetzt sollen Vogelhäuschen folgen. Die im Garten eingesäten Sonnenblumenkerne sollen sich entwickeln, die Ernte zum Füttern der Vögel dienen.

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Im Garten der Lebenshilfe gibt es Ohrenkneifer- und auch Bienenhotels. © Schlehenkamp

Und es geht aufs Rad, in Zusammenarbeit mit dem ADFC und über einen Radfahrkurs. „Auch dafür sind wir dankbar“, sagt Christel Brandt.

Bei den Aktionen des Stadtteilvereins Mein Ickern mischt die Hausgemeinschaft ebenso mit wie bei der Müllsammelaktion Stadtverweis dem Dreck.

2500 Euro: Das plant die Gruppe mit dem Geld

Und was soll mit dem Preisgeld von 2500 Euro passieren? „Das stecken wir ins Material“, sagt Christel Brandt, denn die Ohrenkneifer- und Bienenhotels würden sie gerne bei entsprechender Nachfrage auch auf andere Gärten ausweiten.

Gewonnen! Diese Ickerner jubeln dank Ohrenkneifer-Hotels über den Klimaschutzpreis 2019

Das ist das Team der Lebenshilfe am Standort Ickern mit Bewohnerinnen und Bewohnern und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, das sich riesig über den ersten Platz beim Klimaschutzpreis freut. © Schlehenkamp

Wer sind die jungen Bewohner der Hausgemeinschaft? Sie kommen aus Castrop-Rauxel und der Nachbarschaft. Till und Justin etwa. 28 der eine, 19 Jahre der andere. Best friends. Obwohl der eine BVB-Fan ist und der andere Schalker.

Till sucht noch einen Helfer, der ihn zum Training fährt

Till kann sich sprachlich nicht äußern. Die Worte, die er formuliert, kommen trotzdem an. Er kommuniziert über das Handy. Und ist der absolute Kenner der Tele-Kommunikation. Er spielt in der 2. Bundesliga Rollhockey für Behinderte.

Tills großer Wunsch: Er sucht jemanden, der ihn zum Training nach Bochum fährt. Gegen eine kleine Entschädigung. Und er sucht einen Praktikumsplatz, am liebsten in einer Computerfirma. „Unsere Leute haben so viele Fähigkeiten und geben so viel zurück“, sagt Christel Brandt.

Da ist auch Lisa, die nach getaner Arbeit dazu stößt zur Besprechung im Team. Sie hat emsig mitgewerkelt beim Bau der Insektenhotels. Sie arbeitet im neuen Laden der Wewole-Stiftung am Hauptbahnhof in Rauxel. Und siehat eine künstlerische Seite.

„Wir freuen uns über jede Kontaktaufnahme mit uns“, sagt Christel Brandt. Möglich ist das über die Homepage der Lebenshilfe Waltrop.

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