Wer nach dem Abitur auf eigenen Beinen steht, braucht den richtigen Versicherungsschutz. Aber: Nicht alle Versicherungen, die angeboten werden, sind auch notwendig und sinnvoll.

Castrop-Rauxel

, 29.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Leonie Singer beginnt im Oktober ihr Studium in Duisburg. Dafür will sie mit einer Freundin in eine Wohnung nach Duisburg ziehen. Versicherungsberaterin Astrid Schenk von der Verbraucherzentrale macht mit ihr den Check: Welche Versicherungen hat die 19-Jährige, welche sollte sie noch abschließen?

„Unterschreiben Sie nicht sofort alles, was Versicherungsagenten Ihnen vorlegen“, lautet die erste Botschaft von Astrid Schenk. Dränge ein Vertreter vor allem junge Leute, schnell einen Vertrag zu unterschreiben, solle man vorsichtig sein. Besser sei es, die Unterlagen zu Hause sorgfältig zu lesen und zu prüfen, auch mit Verwandten oder Bekannten.

Diese Versicherungen sind wichtig:

Sozialversicherungen

Gesetzliche Krankenversicherung: Jeder ist verpflichtet, eine Krankenversicherung abzuschließen, egal ob gesetzlich oder privat. „Meine Eltern sind gesetzlich versichert“, sagt Leonie Singer. Als Studentin kann sie wählen, ob sie sich gesetzlich oder privat versichern lässt. Die Wahl gilt für die Dauer des Studiums, danach kann Leonie Singer von der privaten in die gesetzliche wechseln (Statuswechsel) und umgekehrt. Bei Auszubildenden ist das anders: Sie können nur gesetzlich krankenversichert sein, weil ihr Einkommen unter der Einkommensgrenze der Privatversicherer liegt.
Rentenversicherung: Wer arbeitet, zahlt in die Rentenversicherung ein, damit hat er mit Eintritt des Rentenalters Anspruch auf die Altersrente. Studenten zahlen dort (noch) nicht ein.
Arbeitslosenversicherung: Wer arbeitet, leistet seinen Teil zur Arbeitslosenversicherung. Im Falle einer Arbeitslosigkeit gibt es dann Arbeitslosengeld.
Unfallversicherung über die Berufsgenossenschaften: Die gilt für die Zeit, in der man studiert oder arbeitet, auch auf dem Weg zur Uni oder Arbeitsstelle und zurück.

Die Beiträge zu den Sozialversicherungen teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Private Versicherungen

„Es gibt verschiedene Arten von Versicherern“, sagt Astrid Schenk. Sie alle bekommen Geld dafür, dass sie Verträge abschließen. „Neben den klassischen Vermittlern gibt es auch Berater“, sagt Schenk. Die sind unabhängiger und arbeiten nicht für eine Versicherung. Etwa 300 dieser Berater gibt es in Deutschland.

Die erste Frage, die man sich bei privaten Versicherungen stellen sollte, ist: Welchen Bedarf habe ich? „Das ist immer stark abhängig vom Sicherheitsbedürfnis des Einzelnen“, sagt Astrid Schenk - egal ob Student oder Azubi.

Private Haftpflichtversicherung

„Die ist wirklich wichtig“, sagt Astrid Schenk. „Es kann existenzbedrohend sein, wenn man keine hat.“ Denn bei einem Schaden hafte man für den Rest seines Lebens.

Die gute Nachricht: Als Student kann man bei seinen Eltern mitversichert sein. „Und bis wann gilt das?“, fragt Astrid Schenk. „Bis man 25 ist“, sagt Leonie Singer. Das ist falsch! Das gilt bis zum Ende eines Studiums oder einer Ausbildung, die unmittelbar nach der Schulzeit begonnen haben. Wer also nach dem Abitur ein Jahr ins Ausland geht oder ein Freiwilliges Soziales Jahr macht, muss sich direkt selbst versichern.

Tipp für die Haftpflicht

Bestehende Verträge am besten überprüfen

In den neuen Verträgen ist meist eine Klausel zur Forderungsausfalldeckung enthalten. In dem Fall zahlt meine Versicherung, wenn mir jemand anderes einen Schaden zufügt, er diesen aber nicht begleichen kann.

Gleiches gilt für ein direkt angeschlossenes Masterstudium. Schließt sich an eine Ausbildung direkt ein Studium an (Aufbaustudium), gilt die Regel ebenfalls. Leonie Singer kann also bis zum Ende des Masterstudiums bei ihren Eltern mitversichert sein. Das Alter spielt dabei keine Rolle. Etwa 90 Euro im Jahr kostet die Haftpflichtversicherung.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Wer durch einen Unfall oder eine Krankheit seinen erlernten Beruf nicht mehr ausüben kann, bekommt Geld aus dieser Versicherung. „Da muss man schauen, ob es sich lohnt, bereits als Schüler eine abzuschließen, oder ob man bis nach dem Bachelor-Abschluss damit wartet“, sagt Astrid Schenk. Denn der Beruf bzw. der Studiengang wird auf sein Risiko getestet. Je höher das Risiko einer Berufsgruppe, desto teurer die Versicherung. Bei riskanten Berufen gilt also: besser schon als Schüler die Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen.

Tipp für die Berufsunfähigkeitsversicherung

Darauf sollte man achten

Wichtig ist es, dass die Beiträge zur Versicherung bis zum 67. Lebensjahr gezahlt werden. damit bis zur Rente keine Lücke entsteht. Wenn Beiträge nur bis zum 63. Lebensjahr bezahlt werden und die Berufsunfähigkeit mit 64 Jahren auftritt, gibt es keine Leistung des Versicherers.

Astrid Schenk macht den Test im Vergleichsprogramm der Verbraucherzentrale. Dabei muss Leonie Singer auch angeben, ob sie raucht (Nein!), zudem ihr Gewicht und ihr Alter. „Damit kann die Versicherung Ihr Risiko einschätzen“, sagt Schenk. Der Betrag, der versichert wird, sollte über der Grundsicherungsleistung sein. „Ich empfehle mindestens 1000 Euro“, sagt Schenk. Im Laufe des Vertrags könne diese Summe steigen.

Die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit sind neuesten Studien zufolge Nervenleiden (etwa 40 Prozent). Will Leonie Singer sich noch bis Oktober als Schülerin versichern lassen, zeigt der Tarifrechner acht Optionen zwischen 41,61 Euro und 65,36 Euro monatlich an. Bei Studenten sind es unter Angabe ihres Studiengangs Politikwissenschaften und Soziale Arbeit 18 Tarife zwischen 31,01 Euro und 57,34 Euro monatlich.

„Ich mache seit 13 Jahren Judo, auch im Wettkampfbereich“, sagt Leonie Singer. Das hatte Astrid Schenk beim Vergleich im Tarifrechner nicht angegeben. „Es kann sein, dass Sie dafür einen Risikozuschlag zahlen müssen oder sogar von der Versicherung abgelehnt werden.“ Solche Faktoren sollte man der Versicherung unbedingt mitteilen. Denn verschweigt man es, kann es sein, dass die Versicherung nicht zahlen muss.

In Leonie Singers Fall macht es keinen großen Unterschied, wann sie die Versicherung abschließt. „Das bespreche ich zu Hause in Ruhe mit meinen Eltern“, sagt die 18-Jährige. Den Tarifvergleich gibt Astrid Schenk ihr dafür mit.

Leonie Singer und ihre Suche nach den richtigen Versicherungen fürs Studium

Leonie Singer macht im Sommer 2019 ihr Abitur. Danach will sie in Duisburg studieren. © Ann-Kathrin Gumpert

Das ist Leonie Singer

Leonie Singer ist 19 Jahre alt und hat im Sommer ihr Abitur am Ernst-Barlach-Gymnasium gemacht. Ab Oktober will sie in Duisburg Soziale Arbeit und Politikwissenschaften studieren. Dafür zieht sie mit einer Freundin zusammen in eine WG, die erste eigene Wohnung. Sie weiß, dass sie kein BaföG bekommt und muss deshalb nebenbei jobben.

Neuer Ratgeber der Verbraucherzentrale

Die Verbraucherzentrale bietet den Ratgeber „Ausbildung und Studium. Geld, Recht, Versicherungen in einer spannenden Zeit“ an. Er kostet 16,90 Euro und ist in der VZ, Mühlengasse 4, erhältlich.
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