Lesen: mangelhaft! Wie der Verein Mentor Kinder zu besseren Lesern machen will

Lesepatenschaften

Der Verein Mentor sucht Freiwillige in Castrop-Rauxel, um benachteiligten Kindern zu helfen. Sie treffen sich ein Jahr lang einmal in der Woche, um zu lesen – und ein Problem zu beseitigen.

Castrop-Rauxel

von Nico Dreier

, 03.07.2019, 14:42 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lesen: mangelhaft! Wie der Verein Mentor Kinder zu besseren Lesern machen will

Ein Mentor-Mentee-Team aus Dortmund: So kann es aussehen, wenn sich Ehrenamtliche mit Grundschülern zur Lesestunde einmal in der Woche treffen. © Oliver Schaper

Etwa 19 Prozent der Grundschüler sind nicht in der Lage, richtig zu lesen. Das sagen Studien zur Lesefähigkeit. Schlechter als heute war es seit dem 19. Jahrhundert nicht. In Dortmund, Bochum und anderen Städten gibt es einen Verein namens „Mentor“, der mithilfe zahlreicher Ehrenamtlicher dieses Problem eindämmen möchte. Jetzt geht er in Castrop-Rauxel an den Start.

Der Verein „Mentor – Die Leselernhelfer“ sucht Mentoren. Das sind Ehrenamtliche, die nach dem 1:1-Prinzip arbeiten: Ein Mentor trifft sich ein Jahr lang einmal in der Woche mit einem Kind in dessen Schule. Es geht vor allem ums Lesen, aber die Stunde kann auch spielerisch genutzt werden.

Lensing Media Hilfswerk ist Projekt-Partner

Gerade im jungen Alter sei es wichtig, Kinder zu fördern und die Defizite zu schließen, um späteren Problemen im Berufsleben vorzubeugen, heißt es in einer Infobroschüre. „Lesen öffnet neue Welten und wertvolles Wissen“, sagt Stephanie Süper, Geschäftsführerin des Lensing Media Hilfswerk. In Dortmund arbeiten das Lensing Media Hilfswerk und die Lesementoren erfolgreich zusammen.

Lesen: mangelhaft! Wie der Verein Mentor Kinder zu besseren Lesern machen will

Der Verein Mentor startet mit seiner Lesepaten-Idee nun auch in Castrop-Rauxel (sitzend v.l.): Schatzmeisterin Notburga Tielke-Hosemann (59), der stellvertretende Vorsitzende Bernd Hosemann (63) und der Vorsitzende Helmut Jüngst (65), hier mit VHS-Leiterin Melanie Heine und Sozialdezernentin Regina Kleff. © Tobias Weckenbrock

Das Hilfswerk spendierte Grundschulen Leseecken, in denen Schüler und Mentor gemütlich gemeinsam lesen können. „Schön, dass wir dieses tolle Engagement auch nach Castrop-Rauxel holen“, so Süper. „Ich bin sicher, dass wir schnell Ehrenamtliche finden. Nicht jedes Kind hat Großeltern, Eltern oder große Geschwister, die diese Welten öffnen können. Die investierte Zeit wird königlich mit einem Kinderlachen belohnt“, sagt die Merklinderin.

Nach Castrop-Rauxel kam der Verein aber auf Initiative von Angela Goldbach: Die Leiterin der Wilhelmschule wollte das Projekt unbedingt in der Europastadt haben. Denn die Erfahrungen sind sehr gut: Schnell baut sich ein Vertrauensverhältnis auf. „Und es macht Spaß, das ist das wichtige daran“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Bernd Hosemann. „Es ist für beide Seiten toll, nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Mentoren.“ Die Mehrzahl sei im Ruhestand auf der Suche nach sinnvollen Tätigkeiten. „Wir schenken Zeit, Vertrauen und Aufmerksamkeit.“

So kann man ehrenamtlich mitarbeiten

Aber wie wird man Mentor? Der Freiwillige nimmt am Anfang an einer eintägigen Schulung teil. Die Volkshochschule stellt diese auf die Beine. Danach kümmert sich die Person einmal wöchentlich zwischen 12 bis 15 Uhr mindestens ein Jahr lang um ein Kind. Bei Problemen gibt es Unterstützung durch erfahrene Koordinatoren aus dem Vereinsvorstand, die telefonisch helfen. Zudem bietet der Verein immer mal wieder Fortbildungen an.

Zur Sache

So kann man mitmachen

  • Der bisher geplante Schulungstermin in Castrop-Rauxel ist am Samstag, 24. August.
  • Wer mitmachen möchte, erhält weitere Informationen unter Tel. (0162) 8794895 oder im Internet auf der Webseite des Vereins.

Mentoren verdienen kein Geld. Genauso wenig wie der geschäftsführende Vorstand, der aus Schatzmeisterin Notburga Tielke-Hosemann (59), ihrem Ehemann Bernd Hosemann (63, zwei Kinder) und dem Rentner Helmut Jüngst (65) besteht. Jeder Mentor bekommt einen Ausweis für die Stadtbibliothek, mit dem er sich jederzeit kostenlos mit Büchern für „sein“ Kind versorgen kann.

Ehrgeizige Ziele und gute Zahlen aus Nachbarstädten

Der Verein möchte in den kommenden Jahren 20 Mentoren finden. In Dortmund gibt es 170 mit dem Fernziel 1000, in Bochum sind es jetzt schon 500. 81 aktive Mentor-Vereine gibt es in Deutschland, 11.500 Mentoren sind aktiv. Sie betreuen 15.000 Kinder. Voraussetzungen? Der Spaß am Lesen und die Freude an der Arbeit mit Kindern. Ein pädagogischer Hintergrund ist nicht nötig.

Lesen: mangelhaft! Wie der Verein Mentor Kinder zu besseren Lesern machen will

Helmut und Karin Jüngst vom Verein Mentor. Comics wie „Lucky Luke“ gehen beim Vorlesen auch ganz wunderbar - ganz so, wie es das Kind möchte. © Stephan Schuetze

Eine Botschaft ist den Machern wichtig: „Wir sind kein Nachhilfeverein, sondern wollen Freude am Lesen vermitteln.“ Um Schulstoff geht es auch überhaupt nicht: Interessiert sich das Kind für Fußball, kann man die Tageszeitung oder den „kicker“ lesen - je nach Interesse. Comics, Rezeptbücher: alles ist möglich.

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