Literaturkritiker Scheck lästert in Castrop: „Dessen Gehirn ist für immer verdorben“

Denis Scheck

Denis Scheck war in Castrop-Rauxel. Auf Einladung von Leselust und Stadtbibliothek katapultierte einer der profiliertesten Literaturkritiker 160 Leser in die Welt der Literatur - und lästerte.

Castrop-Rauxel

, 30.01.2020, 07:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
Denis Scheck, einer der bekanntesten und anerkanntesten Literaturkritiker, referierte vor 160 Gästen in der Stadtbibliothek über die wichtigsten Werke der Weltliteratur.

Denis Scheck, einer der bekanntesten und anerkanntesten Literaturkritiker, referierte vor 160 Gästen in der Stadtbibliothek über die wichtigsten Werke der Weltliteratur. © Uschi Bläss

Zu Beginn warnte Denis Scheck am Dienstagabend in der Stadtbibliothek eindrücklich vor Spiegel-Bestsellerlisten. Er bezeichnete sie als „Vereinigung des Massengeschmacks“. Bei seiner Empfehlungs-Vorlesung in Castrop musste er allerdings eingestehen, dass sein eigenes Buch „Schecks Kanon“ nun auf eben dieser Bestsellerliste stehe. „Wie komme ich aus dieser Nummer wieder raus?“, fragte er.

Er las aus diesem Buch vor, in dem er die 100 wichtigsten Werke der Weltliteratur vorstellt. ln seiner persönlichen Bestenliste nimmt Scheck keine Rücksicht auf Genre- oder Sprachgrenzen. Astrid Lindgren, Tagebücher von Kafka, Comics wie Tim und Struppi, Donald Duck, Werke von Shakespeare, Hemingway und J. K. Rowling finden alle Platz in seinem Kanon.

Fitzeks Werke: „Ground Zero“ der Literatur

Einen Autor sucht der Leser allerdings vergeblich: Sebastian Fitzek. „Es ist für mich schwer verständlich, warum so ein guter und sympathischer Kopf so grauenhafte Geschichten schreibt“, sagte er. Er bezeichnete die Werke des Autors als „Ground Zero“ der Literatur. „Wer nur ein einziges Fitzek-Buch gelesen hat, dessen Gehirn ist für immer verdorben“, setzte er noch einen drauf.

Warum aber das Lesen von Literatur überhaupt wichtig sei, schilderte er eindrücklich. „Wir alle müssen irgendwann sterben. Wer ein Buch aufschlägt, der verwandelt sich. Es befreit den Leser aus dem eigenen Gefängnis. Du kannst 1000 Leben führen, ohne 1000 Tode sterben zu müssen.“

Scheck wählte bei seinem Vortrag wohlgeformte Sätze. Viele Fremdwörter und eine akademisch-literarische Ausdrucksweise machten das Zuhören zuweilen anstrengend. Sehr interessant aber waren die Antworten auf die Fragen seiner Zuhörer, zu der der Kritiker nach eigenem Bekunden auf abgehobene Art und Weise aufforderte.

Für seine Verrisse fürstlich bezahlt

Er erzählte, dass er sein Hobby zum Beruf gemacht habe. Gab Preis, dass er für seine Verriss-Kritiken fürstlich bezahlt werde. Er verriet, dass er den vernichtenden Blick des Autoren genieße, dessen Buch bei seiner Kritik schlecht wegkam. „Aber glauben Sie mir, ein Verriss ist verkaufsförderlicher als eine Nichtbewertung“, stellte er klar.

Ob er manchmal spicke, um zu sehen, wie die Geschichte am Ende ausgehe, wollte eine Zuhörerin wissen. „Ja klar mache ich das“, gab er zu. „Das ist so wie bei einem Schneider, der ein Stück Futter auftrennt um zu schauen, wie das Modell genäht wurde.“

„Von einer Eitelkeit besessen“

Auf eine weitere Frage räumte er ein, dass nicht nur die Autoren als Künstler, sondern auch er selbst als Kritiker von einer Eitelkeit besessen sei. „Sonst könnte ich nicht hier auf der Bühne sitzen und mich der Öffentlichkeit präsentieren.“

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