Der später verurteilte Briefzusteller beim Prozessauftakt neben seinem Verteidiger Jens Tuschhoff. © Werner von Braunschweig
Kindesmissbrauch

Mädchen aus Castrop-Rauxel missbraucht: Kinderschänder endgültig verurteilt

Ein Mädchen aus Habinghorst und weitere Opfer werden betäubt, missbraucht und gefilmt. Der Sextäter kassiert Haft und Sicherungsverwahrung. Jetzt hat die letzte Instanz, der BGH, geurteilt.

Mehr als zwei Jahre nach einem sexuellen Übergriff auf ein schlafendes Mädchen (damals 11) aus Habinghorst hat nun der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entschieden. Der wegen Missbrauchs verurteilte Briefzusteller aus Datteln hatte dort Revision eingelegt.

Der letztinstanzliche Entscheid fiel gegen ihn aus: Der 56-Jährige hat nun keine Chance mehr auf eine mildere Strafe – ein empfindliches Urteil des Bochumer Landgerichts ist endgültig rechtskräftig.

Sieben Mädchen und zwei Frauen als Opfer

Die Richter der 8. Strafkammer hatten am 3. April 2020 elfeinhalb Jahre Haft verhängt und zusätzlich daran anschließend eine unbefristete Sicherungsverwahrung angeordnet.

Im Verlaufe der Jahre bis Dezember 2018 hatte der alleinerziehende Vater mindestens sieben Mädchen und zwei Frauen, überwiegend Internetbekanntschaften, in seiner Dattelner Wohnung missbraucht und dabei auch noch gefilmt. Darunter war auch das Mädchen aus Habinghorst.

„Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist“

Die damals Elfjährige war Mitschülerin des Sohnes des Briefzustellers. Sie hatte sich Ende 2018 nach einem Übernachtungsbesuch im Haushalt des Sex-Täters plötzlich extrem auffällig verhalten.

Die Mutter des Mädchens erinnerte sich im Prozess als Zeugin daran, dass ihre Tochter immer wieder seltsam die Augen verdreht und gerufen habe: „Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist.“ Bei einem anschließenden Einkaufsbummel in einem Geschäft sei die Elfjährige regelrecht getaumelt und „dreimal in ein Regal gekippt“, berichtete die Mutter im ersten Prozess am Landgericht.

Milchshake schmeckte „ganz bitter“

Die Eltern waren damals daraufhin sofort in die Kinderklinik gefahren. Dort fanden die Ärzte im Blut der Schülerin aus Habinghorst massiv erhöhte Werte eines starken Beruhigungsmittels.

Später erinnerte sich die Elfjährige dann auch daran, dass sie vom Vater ihres Mitschülers einen Milchshake bekommen hatte, der „ganz bitter geschmeckt“ habe, so ihre Aussage.

Kurz danach schalteten die Eltern die Polizei ein. Der 56-jährige Dattelner wurde festgenommen. Die Polizisten durchsuchten seine Wohnung und stellten zahlreiche abscheuliche Beweisvideos sicher.

Verstümmelungen mit Nadeln angedeutet

Wie sich später herausstellte, betäubte der Täter auch die weiteren Opfer vor seinen Übergriffen überwiegend durch in Cola oder Milchshakes gemischte Schlafmittel.

Während der gefilmten Missbrauchstaten hantierte der 56-Jährige dann häufig mit Messern oder Nadeln und deutete bei den bewusstlosen Opfern Verstümmelungen im Brust- und im Intimbereich an.

Der Strafprozess wurde seit dem Sommer 2019 nahezu ausnahmslos nicht-öffentlich verhandelt. Der Briefzusteller legte gleich zu Beginn ein weitgehendes Geständnis ab.

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt