Magnus Heier wohnt im Haus Henrichenburg. Ein etwa 100 Jahre altes Foto zeigt, wie es früher aussah. © Ronny von Wangenheim
Gartenserie „Querbeet“

Magnus Heier (57) lebt im Haus Henrichenburg mit Hühnern und Geistern

Hühner, Gemüse und Bienen – der Garten von Christiane Schröder und Magnus Heier hat, was schon wichtig war, als 1787 Haus Henrichenburg gebaut wurde. Zum Rundgang gibt es deshalb Anekdoten.

Natürlich blüht es im Garten an der Freiheitstraße. Aber das ist nicht das Besondere. Magnus Heier (57) sagt es gleich am Anfang: „Das ist hier kein hübscher Ziergarten.“ Er zeigt einmal herum: „In unserem Garten gibt es einen Gemüsegarten und Hühner – so wie vor über 200 Jahren.“

Ob es damals auch Bienen gegeben habe, das weiß er nicht, kann es sich aber gut vorstellen. Magnus Heier hat auf jeden Fall einen Bienenstock in dem Garten von Haus Henrichenburg stehen. Und das wurde 1787 erbaut. Darauf weist ein Holzschild an einem der alten Bäume vor dem Haus hin.

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Im Garten von Haus Henrichenburg

Seit rund 20 Jahren leben er und seine Frau in dem geschichtsträchtigen Bau. Große Bäume stehen vor dem Haus, zu erahnen ist noch, wo früher die Auffahrt lang führte. Dort, wo heute in der Nachbarschaft Häuser stehen, waren früher die Gärten und Stallungen des Gutshauses. Aber auch heute noch ist viel Platz rund ums Haus.

Lieblingshuhn Rosa lässt sich auch auf die Hand nehmen

Als erstes führt Magnus Heier in den Hühnerstall. Geschützt von Bäumen und einem Netz laufen hier sechs Hühner herum und picken Körner. Mittendrin sitzt ein Spatz, der sich durch das Netz gemogelt hat. Rosa ist Magnus Heiers Lieblingshuhn, es lässt sich auch mal auf die Hand nehmen. Noch relativ neu im Team sind die beiden Altsteirischen Hühner Berta und Hermine.

Über eine kleine Leiter können die Hühner in eine kleine Box laufen. „Omlet“ steht passenderweise darauf. Nur jetzt gerade, da sind die Hühner in der Mauser. Ein einsames Ei nur fischt Magnus Heier aus der Box. Er ist begeistert von dem Kunststoff-Stall: „Links legen sie die Eier, rechts schlafen sie. Das haben sie ganz automatisch gemacht.“ Warum die Hühner das so tun, darüber könnte er gut fachsimpeln. Als Facharzt für Neurologie und Wissenschaftsjournalist, der sich mit „Hirnwelten“ beschäftigt, hat er allerdings eher den Menschen im Blick.

Auch sechs Hühner leben im Garten und lassen sich gerne anlocken.
Auch sechs Hühner leben im Garten und lassen sich gerne anlocken. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

Besuch führt der Castrop-Rauxeler gerne in den Hühnerstall. Auf einer Holzbank lädt er dann schon mal zu einer Tasse Tee ein. Da lässt es sich entspannt plaudern. Und nicht nur Kinder hätten Spaß daran, sagt er.

Glocke auf dem Dach wird zu besonderen Anlässen geläutet

Magnus Heier führt weiter um das Haus herum. Hier gibt es Obstbäume und einen kleinen Gemüsegarten. Tomatenpflanzen stehen in einem kleinen Unterstand. Ganz bewusst haben sie Wein an der Hausmauer gepflanzt, wollen auch hier Traditionen bewahren. „Man muss nicht viel machen und hat riesige Mengen gut schmeckende Weintrauben“, sagt Magnus Heier.

Es geht weiter, vorbei an einer Grotte, die sich hinter Efeu versteckt. Dann zeigt er zum Dach hoch, auf dem ein kleiner Glockenturm zu sehen ist. Als Magnus Heier einzog, fehlte die Glocke. Heier recherchierte erfolgreich. „Unter bizarren Umständen tauchte sie unter einem Komposthaufen in der Nachbarschaft auf.“ Jetzt hängt sie wieder im Türmchen. Und mit einem neuen Klöppel und zu besonderen Anlässen wird sie auch schon mal geläutet.

Magnus Heier hat auch ein Bienenvolk in seinem Garten.
Magnus Heier hat auch ein Bienenvolk in seinem Garten. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

Durch einen kleinen Durchgang kommt man in Nachbars Garten. Denn Magnus Heier und seine Frau bewohnen nicht das ganze Gebäude. Erstaunlich: Hier müssen sich offensichtlich BVB- und Schalke-Fans gut verstehen. Die Fahnen beider Revierrivalen hängen im Garten an einer Stange.

Gespenst der Henrichenburg spukt auch heute noch

Ein kurzer, aber heftiger Regenschauer beendet den Gartenrundgang. Macht aber nichts. Denn über Magnus Heiers Garten zu reden, heißt auch, über Haus Henrichenburg reden. Für das Gutsgebäude, so erzählt er, wurden einst Steine der Henrichenburg verwendet, die im 18. Jahrhundert abgerissen wurde.

Ein Holzschild an einem Baum vor dem Haus weist auf Namen und Baujahr von Haus Henrichenburg hin.
Ein Holzschild an einem Baum vor dem Haus weist auf Namen und Baujahr von Haus Henrichenburg hin. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

Mit sehr ernster Miene erzählt er von dem Gespenst der Henrichenburg, das mit dem Abriss heimatlos geworden sei: „Es spricht viel dafür, dass es umgezogen ist“, sagt er. Vor allem auf die Dimmer im Haus habe er es abgesehen.

Ein Foto, das um 1905 entstand, zeigt, wie es damals aussah. Und auch wenn offenbar Bäume gewichen und neue gepflanzt wurden und die Auffahrt heute an der Treppe endet – sehr verändert hat sich das alles seit damals vom Charakter her nicht.

Am Tag des Denkmals für Besucher geöffnet

Das gilt nicht für das Innere. Stahlträger verweisen darauf, dass hier allerhand passieren musste. Schimmel, Ameisen, zerfressene Holzbalken – das Paar hat so manche unliebsame Überraschung erlebt, bevor es hier leben konnte. Das ist lange her. „Es ist ein Traum, hier zu wohnen“, sagt er. Davon erzählt er gerne. 2019 haben sie die Türen zu Haus und Garten beim Tag des Denkmals geöffnet und waren erstaunt, wie viele Menschen kamen.

Ihnen hat er viele Anekdoten erzählt. Zum Beispiel von Hedwig Kiesekamp, die in dem Haus im Jahr 1844 geboren wurde und sich als Schriftstellerin und Sängerin einen Namen machte. „Sie war mit Johannes Brahms befreundet“, erzählt Magnus Heier und schaut höchst zufrieden: „Es ist sehr originell in einem Haus zu wohnen, das solch eine Geschichte hat.“

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