Ein Tritt: Mann soll seiner Lebensgefährtin drei Wirbel gebrochen haben

mlzSchwerer Vorwurf

Nur geschubst oder brutal getreten? Ein 38-jähriger Mann soll seiner Lebensgefährtin mit einem massiven Fußtritt drei Brustwirbel gebrochen haben. Und das gemeinsame Kind sah zu.

Castrop-Rauxel

, 04.10.2020, 12:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Gutachten eines medizinischen Sachverständigen sollte Klarheit schaffen. Zu kontrovers waren in der Strafverhandlung im Mai die Aussagen, zu schwer die Folgen der zur Verurteilung stehenden Vorwürfe: Misshandlung mit einem gefährlichen Werkzeug.

Ein 38-Jähriger war am Castrop-Rauxeler Amtsgericht angeklagt, seine Lebensgefährtin und Mutter seines kleinen Kindes so massiv getreten zu haben, dass dadurch drei Brustwirbel brachen.

Der Mann behauptete, die 32-Jährige nur geschubst zu haben und meinte, sie „müsse auf etwas drauf gefallen sein.“ Dagegen will die Geschädigte „eine Kraft von oben“ gespürt haben, als sie ihrem Kind gerade die Schuhe schnürte. Das sah bei dem Vorfall zu.

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Beim Schleife binden habe sie vor der Stufe im Treppenhaus gekniet, auf der der Kind saß. Sie sei zur Seite gekippt, aber auf keinen Fall auf etwas gefallen. Dennoch brachen drei Wirbel, die einen zweiwöchigen Krankenhausaufenthalt erforderten.

Viele Fragen bleiben offen

Um zu einem Urteil zu gelangen, sollte ein Gutachten noch offene Fragen klären. Trug der Mann Schuhe oder war er barfuß? Kann ein Treppensturz eine solche Folge haben? Die Antwort in Kürze: Kann sein, muss aber nicht.

Was zunächst nicht bekannt war: Es handelte sich gar nicht um eine Treppe, sondern lediglich um eine Stufe. Ein Foto belegt das. Zudem sagte die Geschädigte in der zweiten Verhandlung jetzt aus, dass der Angeklagte zur fraglichen Zeit keine Schuhe an den Füßen hatte. Diese hätten das besagte „gefährliche Werkzeug“ dargestellt.

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Auch das Gutachten brachte folglich keine Klarheit, zu einem Urteil fand der Richter dennoch. Die Staatsanwältin sah die Tat als erwiesen an, ob nun ein Tritt oder Schubs die schwerwiegenden Verletzungen ausgelöst haben.

Auch unbeschuht blieb der Vorwurf der vorsätzlichen Körperverletzung. Negativ wirkte sich auch das lange Vorstrafenregister des Mannes aus, 15 Eintragungen, darunter mehrere einschlägige Verurteilungen.

Schmerzensgeld in 30-Euro-Raten

Deshalb forderte sie ein Jahr Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, sowie ein Schmerzensgeld für die Frau über 1000 Euro. Eine Forderung, der sich die Nebenklage anschloss.

Während der Verteidiger versuchte, die Strafdauer zu reduzieren, schloss sich der Strafrichter dem Antrag der Staatsanwaltschaft an. 12 Monate Freiheitsstrafe mit einer Bewährungszeit von 3 Jahren, dazu die Zahlung von 1000 Euro wegen der erlittenen Schmerzen.

Eine finanzielle Auflage, die dem Angeklagten sicher zu schaffen macht. Deshalb wurde eine Ratenzahlung von jeweils 30 Euro pro Monat angeboten. Das soll dem Kind zugute kommen, so die Mutter.

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