Veranstalter im Interview: „Was ist die Alternative? Es sein zu lassen?“

mlzFest-Wochenende

Es war der Versuch, in der Corona-Krise ein Zeichen zu setzen, dass es doch geht: unter den Bedingungen des Virus‘ in Castrop-Rauxel ein öffentliches Fest zu feiern. Marc Frese fand, es ist gelungen.

Ickern

, 06.09.2020, 17:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unter den Auflagen der Coronakrise fand in Ickern ein Fest statt, das mit den Stadtteilfesten der vergangenen Jahre nicht so viel gemeinsam hatte. Es war geteilt in vier Veranstaltungen mit je maximal 300 Besuchern, von denen eine am Samstagmittag wegen miesen Wetters spontan abgesagt wurde. Nach unserem Kommentar, dass die Zeit für Fest wohl noch nicht reif gewesen sei, widerspricht nun einer der Organisations-Chefs, Marc Frese vom umtriebigen Stadtteilverein Mein Ickern.

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Herr Frese, finden Sie auch, dass die Zeit nicht reif ist für eine solche Feier, wie Sie sie zusammen mit der Stadt auf die Beine gestellt haben?

Ehrlich: Dem stimme ich nur bedingt zu. Ja, feiern, das geht nicht so, wie vor Corona. Aber: Wir müssen wohl alle lernen, mit dem Virus zu leben. Corona wird nicht 2021 vorbei sein, das ist wohl zu befürchten.

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Stadtfest leidet unter Corona-Bedingungen

Ickern 800 Jahre, Pöppinghausen 800 Jahre - und 70 Jahre alt ist nun das eindeutige Ja von Castrop-Rauxel zu Europa. Doch das Stadtfest, das die Stadtverwaltung gemeinsam mit WLT und Mein Ickern auf die Beine stellte, konnte nie ein richtiges Fest sein.
06.09.2020
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Eine riesige Bühne - und darauf vor allem eines: Redner. © Volker Engel
Festprogramm Tag der Jubiläen© Volker Engel
Festprogramm Tag der Jubiläen Moderation Henrike Tönnes© Volker Engel
Festprogramm Tag der Jubiläen© Volker Engel
Festprogramm Tag der Jubiläen© Volker Engel
Festakt Tag der Jubiläen auf dem Ickerner Marktplatz Vormittags abgesagt wegen Regen© Volker Engel
Festprogramm Tag der Jubiläen Gesprächsrunde mit Rajko Kravanja, Thomas Jasper, Dr Josef Huerkamp, Clemens Huerkamp und Marc Frese© Volker Engel
Festprogramm Tag der Jubiläen Fleißige Helfer© Volker Engel
Festprogramm Tag der Jubiläen© Volker Engel
Festprogramm Tag der Jubiläen Einige der fleißigen Helfer© Volker Engel
Festprogramm Tag der Jubiläen Brot wird gereicht© Volker Engel
Festprogramm Tag der Jubiläen© Volker Engel
Festprogramm Tag der Jubiläen Gesprächsrunde mit Rajko Kravanja, Thomas Jasper, Dr Josef Huerkamp, Clemens Huerkamp und Marc Frese© Volker Engel
Festprogramm Tag der Jubiläen Klaus Tovenrath - Ickerner Platt© Volker Engel
Festprogramm Tag der Jubiläen Singender Steiger Schorsch© Volker Engel
Festprogramm Tag der Jubiläen Dr Josef Huerkamp Vortrag zur Historie der Stadtteile© Volker Engel
Festprogramm Tag der Jubiläen Moderatorin Henrike Tönnes© Volker Engel
Festprogramm Tag der Jubiläen© Volker Engel
Festprogramm Tag der Jubiläen© Volker Engel
So kann man doch nicht feiern: Corona-Auflagen sorgten für einen unwürdigen Rahmen, in dem sich keine Feierstimmung verbreiten konnte.© Volker Engel
Festprogramm Tag der Jubiläen© Volker Engel
Festprogramm Tag der Jubiläen© Volker Engel
Festprogramm Tag der Jubiläen© Volker Engel
Der Steiger mit FFP2-Maske: ein bezeichnendes Bild in der Corona-Zeit.© Volker Engel
Festprogramm Tag der Jubiläen© Volker Engel
Festprogramm Tag der Jubiläen© Volker Engel
Festprogramm Tag der Jubiläen© Volker Engel
Tag der Jubiläen Offizieller Festakt© Volker Engel
Tag der Jubiläen Offizieller Festakt© Volker Engel
Tag der Jubiläen Offizieller Festakt© Volker Engel
Tag der Jubiläen Offizieller Festakt© Volker Engel
Tag der Jubiläen Offizieller Festakt© Volker Engel
Tag der Jubiläen Offizieller Festakt - Prof Dr Christoph Zöpel Staatsminister a.D.© Volker Engel
Tag der Jubiläen Offizieller Festakt© Volker Engel
Tag der Jubiläen Offizieller Festakt© Volker Engel
Tag der Jubiläen Offizieller Festakt© Volker Engel
Tag der Jubiläen Offizieller Festakt© Volker Engel

Aber die Stimmung war ja nun nicht allzu ausgelassen.

Da frage ich Sie: Was ist die Alternative? Es sein zu lassen? Nichts zu organisieren? Bald kommt die Advents- und Weihnachtszeit, vorher Sankt Martin und Nikolaus. Ist die Alternative, auf Umzüge, Advents- und Weihnachtsmärkte konsequent zu verzichten, weil keine Fest- und Feierstimmung aufkommt?

Naja, viele Veranstalter trauen sich zurzeit nicht ran an das Thema. Casconcept in der Castroper Altstadt hat für dieses Jahr alle Planungen gestoppt und alle Veranstaltungen abgesagt.

Ich meine aber, dass das nicht die richtige Lösung ist. Und ich halte das auch für gefährlich.

Inwiefern?

Der 16. März mit dem „Lockdown“ in Deutschland ist nun fast sechs Monate her. Die Menschen brauchen wieder soziale Kontakte und Nähe zu ihren Nachbarn, Freunden und Mitbewohnern im Stadtteil. Bieten wir hier keine Möglichkeiten, verlagern sich Feiern ins Private und werden in Bezug auf die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln unkontrollierbar.

Interessanter Gedanke.
Etwas anderes ist sogar meine größere Sorge: Die Bereitschaft, Abstands- und Hygieneregeln zu akzeptieren, wird weiter sinken. Denken Sie bitte an die Demonstrationen in Berlin am letzten Augustwochenende. Da waren es rund 60.000 Menschen, die ihren Unmut gegen die Corona-Maßnahmen zum Ausdruck brachten und fast das Parlament stürmen wollten. Ein paar Wochen davor waren es „nur“ 20.000.

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Sie setzen Veranstaltungen dagegen. Hilft das denn?

Wie geht es denn weiter, wenn wir nicht Wege finden, mit dem Virus zu leben? Ein Stück weit Normalität zu schaffen? Zur Normalität gehört es, öffentliche Feste und Veranstaltungen besuchen zu können – auch wenn Singen und Tanzen oder eine ausgelassene Stimmung nicht zu erwarten sind.

Aber ist es dann nicht einfach zu früh dafür? Die Veranstalter von Radio Ruhrpott sagen, dieses Vertrauen ins Wir sei gestört.

Ich glaube, alleine die von Ihnen beschriebene Hoffnung auf 2021 wird nicht reichen, um die Menschen zu motivieren, sich im Sinne einer solidarischen Gemeinschaft langfristig auf die Einhaltung geltender Abstands- und Hygienebestimmungen einzulassen.

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Also halten Sie das Wochenende für geglückt?

Das mag natürlich subjektiv sein – aber so mies, wie von Ihnen beschrieben, war die Stimmung am Tag der Jubiläen nicht. Es hat Spaß gemacht, viele Gesichter endlich mal wieder zu sehen. Zwar mit Maske, aber mit Zuversicht und Freude, mal wieder raus zu kommen.

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