Massentests bei Westfleisch - Was droht Menschen im Kreis Recklinghausen?

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Seit Samstag laufen Tests: Alle 1400 Mitarbeiter des Unternehmens Westfleisch in Oer-Erkenschwick werden auf das Corona-Virus untersucht. Das wird Auswirkungen auf die Zahlen haben. Und dann?

Oer-Erkenschwick, Castrop-Rauxel, Dorsten, Haltern

, 11.05.2020, 09:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Werk des Fleischunternehmens „Westfleisch“ in Coesfeld wurde bereits geschlossen, nachdem dort über 200 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Ob das gleiche Schicksal dem Werk in Oer-Erkenschwick bevorsteht, ist noch unklar. Klar ist aber eines: Es kommen mit Sicherheit neue Infizierte hinzu.

Denn seit Samstag (9.5.) werden dort alle 1400 Mitarbeiter vom Deutschen Roten Kreuz getestet. 33 Infizierte hatte es bereits gegeben, was die Infizierten-Zahlen der kleinen Kommune Oer-Erkenschwick nach oben trieb.

Für die Tests wurden eigens fünf Abstrich-Räume auf dem Werksgelände eingerichtet, zu denen die Mitarbeiter einzeln hingeführt werden. „Es entstehen keine Schlangen und es läuft alles sehr koordiniert ab“, erklärt Christoph Behrenspöhler, Kreisverbandsvorstand des DRK, der bereits die Massentests in den Castrop-Rauxeler Wohnkomplexen Wittener Straße und Lange Straße geleitet hatte.

Fünf Test-Teams in Oer-Erkenschwick

Fünf Teams seien in Oer-Erkenschwick im Einsatz, die Tests sollen am Montag abgeschlossen werden. Die Ergebnisse werden in den nächsten Tagen erwartet, wenn das Labor in Bad Salzuflen die Proben ausgewertet hat. Die Arbeit in dem Werk läuft derweil zunächst normal weiter.

Gibt es im gesamten Kreis Recklinghausen mehr als 310 Neuinfektionen binnen sieben Tagen, ist die magische Obergrenze erreicht. Dann müssen eventuell Lockerungen zurückgenommen werden. Der Kreis Coesfeld hatte als einer von dreien im ganzen Bundesgebiet damit übers Wochenende Schlagzeilen gemacht - auch wegen der Westfleisch-Welle in Coesfeld. Laut Kreissprecher Jochem Manz waren es Stand Montagmorgen 82 Neuinfektionen binnen sieben Tagen - es ist also Luft nach oben.

Keine Infos aus dem Ministerium

Und dann? Manz: „Wir haben keine Informationen aus dem Ministerium was genau im Fall der Fälle passiert“, erklärt der Sprecher. Der Kreis Coesfeld hatte kurzerhand die geplanten Lockerungen zum Beispiel bei Restaurants und Fitnessstudios um eine Woche aufgeschoben.

Und das betrifft den gesamten Kreis: Die Stadt Olfen und die Gemeinde Nordkirchen am Südrand des großen Flächenkreises liegen 30 Kilometer vom Infektionsherd in Coesfeld entfernt. In Nordkirchen (ca. 11.000 Einwohner) gab es in den vergangenen Wochen so gut wie keine Neuinfektionen.

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Castrop-Rauxel, Haltern oder Dorsten könnten von den Problemen in Oer-Erkenschwick betroffen sein. Castrop-Rauxel sind 11 Kilometer entfernt, Dorsten und Haltern über 20 Kilometer. Kurios: Olfen ist von Oer-Erkenschwick auch „nur“ 11 Kilometer entfernt, aber liegt jenseits der Kreis-Grenze...

Schwierige Wohnsituation

Einige Westfleisch-Mitarbeiter arbeiten zwar in Oer-Erkenschwick, sind aber nicht im Kreis Recklinghausen gemeldet. Sie haben ihren Wohnsitz woanders. Das sind laut Jochem Manz jedoch „verschwindend wenige“.

Landrat Cay Süberkrüb hatte in der vergangenen Woche auf einer Pressekonferenz gesagt, dass die Firma keinen Einfluss auf den Wohnbereich der Mitarbeiter habe, da es sich nicht um Betriebswohnungen handelt. Dennoch wohnen viele Mitarbeiter im selben Haus auf engstem Raum, auch mit Mitarbeitern aus Bochum, zusammen.

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Nach Angaben des Kreises seien bei Westfleisch in Oer-Erkenschwick schon verschiedene Maßnahmen umgesetzt worden. Dazu zählten das Tragen einer Gesichtsmaske, die Arbeit in Kleingruppen, die Verhinderung weiterer Kontaktstellen in Pausenräumen und zusätzliche Hygienestationen. Neben dem Krisenstab des Kreises sei zudem eine Arbeitsgruppe mit den Verantwortlichen des Unternehmens und der Stadt Oer-Erkenschwick einberufen worden, die regelmäßig per Videokonferenz zusammenkommt.

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