Nicht nachgewiesen: Ich trage das Coronavirus Sars-CoV-2 aktuell nicht mit mir herum. 11 Tage nach der Ratssitzung, 6 Tage nach dem Abstrich, kam dieser Bescheid bei mir an. © Tobias Weckenbrock
Nach dem Stadtrat

Mein erster Corona-Abstrich, die Gedanken und das Warten aufs Ergebnis

Seit Monaten schreibe ich übers Coronavirus. Nun erlebte selbst ich meinen ersten Abstrich und wartete lange auf das Testergebnis. Meine Gedanken und die Geschehnisse habe ich protokolliert.

Dieser Bericht ist über die Tage und Wochen gewachsen. Ich wollte Sie dabei mitnehmen auf meine Reise von einer Ratssitzung mit Corona-Infiziertem über meinen ersten Abstrich für einen PCR-Test, das Warten auf den Befund und die vielen Gedanken und Fragen, die darum kreisen. Folgen Sie mir in meine eigene Corona-Episode, die fast 14 Tage dauerte.

Zuletzt aktualisiert: 15.12., 11.30 Uhr (siehe ganz unten)

Donnerstag, 3.12., 15.58 Uhr: Ich betrete die Europahalle durch den Haupteingang. Maske auf. Hände desinfizieren. Unten im Saal sind schon viele der 50 Politiker und 15 Verwaltungs-Mitarbeiter, die gleich bei der Ratssitzung zusammen tagen und debattieren. Es ist eine der wenigen „Veranstaltungen“, die es noch im Corona-Lockdown light gibt: systemrelevant, darum erlaubt. Ein Stadtrat muss Entscheidungen treffen. Auch (oder gerade) in der Krise.

Ich bin der von der Redaktion auserkorene Reporter, der die Sitzung aufmerksam begleiten soll. Eigentlich war Kollege Thomas diesmal dafür vorgesehen, aber er musste kurzfristig passen. Da springe ich ein, kein Problem. Die Kommunalpolitik ist schließlich eines meiner Themenspektren, die ich auch sonst durchaus beackere.

Ich sitze ganz hinten, mein Tisch mit dem Schild „Presse“ drauf steht neben dem Einzeltisch von Uta Stevens, Mitarbeiterin der Pressestelle. Vor uns sind zwei Stuhlreihen mit großen Abständen für am Ende gut ein Dutzend Besucher, die sich anmelden mussten. Dann mehrere Reihen, allesamt Einzeltische, für die 52 Ratsmitglieder. Vorne auf der Bühne ist die Tischreihe für den Rats-Vorsitzenden, den Bürgermeister, und die Mitarbeiter des Verwaltungsvorstands und der Ratsangelegenheiten aus dem Rathaus.

Wer hätte gedacht, dass wir alle uns schon am Dienstag, wenige Tage später, wieder beim Corona-Test sehen?

16.10 Uhr: Die Sitzung, die eigentlich um 16 Uhr beginnen sollte, läuft noch nicht. Ich nutze die Zeit, gehe durch die Reihen und mache Fotos von den Maskenträgern vor uns, vor allem denen, die neu im Stadtrat sind. Alle tragen hier selbst genähte Alltags-, Einweg-, Baumarkt- oder sogar FFP2-Masken.

Ein weibliches Ratsmitglied hat nur den Schal um Mund und Nase gelegt, sagt, sie halte von Masken nichts und lässt den Schal auch schon mal runtersinken. Mir egal: Ich halte Abstand und mache Fotos von den Neulingen, fertig. Jeweils ein bisschen Small-Talk, man kennt sich ja.

16.15 Uhr: Vorne stehen die Fraktionsvorsitzenden der „kleinen Fraktionen“ mit Bürgermeister Kravanja zusammen im Kreis. Sie losen gerade aus, wie es bei der Ausschussbesetzung gleich laufen wird. Sie stehen relativ eng zusammen, aber der Abstand passt, die Masken sitzen. In dieser Halle ist sonst Platz für 4000 und mehr Menschen. Jetzt sind rund 80 da. Wenn alle Masken tragen: Was soll schon passieren?

Der Stadtrat in Castrop-Rauxel wird auch an diesem Donnerstag wieder an ungewohnter Stelle in der Europahalle tagen.
Der Stadtrat in Castrop-Rauxel wird auch an diesem Donnerstag wieder an ungewohnter Stelle in der Europahalle tagen. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

17 Uhr: Mir wird klar: Das dauert heute länger. Denn es gibt mehrfach die Situation, da ziehen sich SPD- und CDU-Fraktion zu Beratungen zurück. Nicht in andere Räume, aber hinten in die Halle. Sie stehen zusammen, mit Masken, beraten ihre Taktik für die Posten-Besetzungen, und kehren dann an ihre Plätze zurück. Später beraten sie weiter in diesem Setting. Kompliziertes Verfahren. Abwarten.

Fotostrecke

Der neue Stadtrat von Castrop-Rauxel

18.20 Uhr: Endlich, die Personalfragen sind geklärt. Es wird inhaltlich. Manchmal erheben nun die Politiker im Plenum das Wort. Die Fraktionsvorsitzenden zumeist. Sie sprechen durch Masken in Mikros. Nur einmal nimmt einer von ihnen kurz die Maske ab, als er spricht, denn er ist nicht gut zu verstehen.

19.14 Uhr: Gerade hat Bürgermeister Kravanja den öffentlichen Teil der Sitzung beendet. Ich fahre mit dem Fahrrad nach Hause, vollkommen frei von Corona-Sorgen. Nichtöffentlich geht es noch kurz weiter. Eine abschließende Bierchen-Runde gibt es heute aber natürlich nicht.

Freitagvormittag: Das Ratsmitglied der SPD, das am Sonntag über die App ein Positiv-Ergebnis bekommen wird, macht einen Abstrich an seinem Arbeitsplatz außerhalb Castrop-Rauxels.

Sonntag: Die Corona-App teilt dem Ratsmitglied sein positives Testergebnis direkt aus dem Labor mit. Ihm geht es gut, die Person ist frei von jeglichen Symptomen. Da ist sie wieder, diese Heimtücke des Sars-CoV-2-Erregers. Ich habe gestern und heute Dienst. Ich schreibe einen weiteren meiner am Ende sechs Artikel aus dem Rat. Mir geht es gut.

Montag, 8.33 Uhr: Der Morgen beginnt mit einer E-Mail, die gerade die Vorsitzenden der acht Ratsfraktionen und den Bürgermeister erreicht. „Ich muss euch / Sie leider darüber informieren, dass ich am Wochenende die Nachricht bekommen habe, dass ich positiv auf das Coronavirus getestet wurde“, heißt es darin.

10.07 Uhr: Ich habe frei nach einem anstrengenden Wochenend-Dienst. Doch mein Handy klingelt. Bürgermeister Kravanja berichtet mir von dem Test. Er selbst sei mit dem Verwaltungsvorstand nun in Isolation, eine Quarantäne bestehe aber nicht. Er fragt mich nach der Enge meines Kontaktes zur infizierten Person. Ich denke kurz nach. Ein Einzelgespräch haben wir nicht geführt, nur auf dem Weg zur Toilette einmal kurz Small Talk mit Masken auf dem Flur. Kein Thema. Wir hatten Abstand.

Kravanja sagt, man sei mit dem Kreis im Gespräch und berate, was zu tun sei. Nach drei Minuten ist das Gespräch beendet. Ich denke: Kann ich mich angesteckt haben? Kann so eine Ratssitzung ein Superspreading-Event sein? Nur dann eigentlich könnte es mich erwischt haben. Aber es gab eigentlich nichts, kein gezapftes Bier aus schlecht gespülten Gläsern, schon gar kein Körperkontakt, kein Handshake, kein Gesang oder Gegröle. Und Masken. Die ganze Zeit Masken. Aerosole in dieser riesigen, fast zugigen Halle? Kaum vorstellbar. Ich gebe meiner Frau Bescheid. Ist hier jemand in Gefahr? Nein, ich bin relaxt. Es kann einfach nicht sein! Und ja: Leicht erkältet mit Schnupfen und etwas Heiserkeit bin ich schon seit zehn Tagen…

16.29 Uhr: Die Pressestelle der Stadt schickt eine Pressemitteilung, in der es heißt, dass alle Anwesenden über das weitere Vorgehen informiert werden und man am Dienstag testen werde. Das Abstrich-Team des DRK komme nach Castrop-Rauxel. Es ist nicht die Rede von Muss, aber es wird davon ausgegangen, dass sich jeder testen lässt. Wir berichten auf unserer Website nun in unserem weitgehend vorbereiteten Text von dem Corona-Fall und den Folgen. Wir erreichen noch einmal die infizierte Person am Telefon, die sagt, sie sei weiterhin symptomfrei.

19.07 Uhr: Im vierten Versuch binnen weniger Minuten erreicht mich Dhana Stannek von der Stadtverwaltung auf meinem Handy. Morgen, Dienstag, sei der Test-Zeitslot für mich um 15.15 Uhr zusammen mit 15 Mitarbeitern der Verwaltung. Es dauere eine Minute, ich solle meine Krankenversicherungskarte zur Europahalle mitbringen. Ich sage zu. Ich denke wieder: Was kann dabei heraus kommen? Bin ich nun selbst infektiös für andere? Es kann nicht sein.

Ich denke kurz an Weihnachten: Was, wenn ich jetzt positiv getestet werden sollte? Ist das Fest dann für mich nur allein zu feiern? Oder bin ich gerade dann sehr sicher, dass ich nicht infiziert bin, so kurz nach dem Test? Mir fällt ein, was Experte Alexander Kekulé im MDR-Corona-Podcast „Corona-Kompass“ kürzlich sagte: Mit einem Antigen-Schnelltest sei man etwa 24 Stunden ziemlich sicher nicht infektiös. Mit einer PCR könne man noch etwas sicherer sein, und zwar für 48 Stunden.

Es ist der 7. Dezember – das mit dem „safe sein“ reicht nicht bis Weihnachten! Ich kann in dieser Nacht nicht so gut schlafen. Aber das liegt eher an meiner kleinen Tochter als an meinen Corona-Gedanken.

Dienstag, 14.45 Uhr: Ich habe diesen Text geschrieben. Jetzt muss ich los, noch mal aufs Rad, noch mal zur Europahalle. Ich nehme diesmal nicht die einfache Alltagsmaske, wie noch Donnerstag, sondern die FFP2-Maske, die ich kürzlich im Rochus-Hospital bekam, wo ich Foto- und Videoaufnahmen von einer Operation machen konnte für eine Geschichte „Geheime Orte: Wir öffnen Türen“. Da wurde ich mit der Maske ausgestattet. Sie schützt auch meine Atemluft. Könnte sicherer sein.

Das mobile Abstrich-Team des DRK machte in der Europahalle Station, um die Anwesenden der Ratssitzung von Donnerstag auf Corona zu testen.
Das mobile Abstrich-Team des DRK machte in der Europahalle Station, um die Anwesenden der Ratssitzung von Donnerstag auf Corona zu testen. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

Dienstag, 15.20 Uhr: Mit dem Fahrrad an der Europahalle angekommen. Ich gehe durch den Haupteingang rein. Es ist dunkel. Ich setze die FFP2-Maske auf. Niemand außer mir hier? Ich desinfiziere am Spender die Hände. Dann gehe ich links herum und sehe am Ende des Gangs zwei weißbekittelte Menschen. Der eine trägt Schutzbrille, blaue Handschuhe, ist komplett „versiegelt“. Seine Kollegin, „nur“ mit Mund-Nase-Schutz und Schutzanzug, bittet mich um die Krankenversicherungskarte, scannt sie. Dann sagt der Mann, ich möge zu ihm kommen, die Maske abnehmen. Er führt mir dieses Wattestäbchen, das niemals zuvor in der Weltgeschichte so wichtig war, in den Rachen.

Nach dem Besuch der Ratssitzung vergangene Woche Donnerstag musste Redakteur Tobias Weckenbrock am Dienstag noch einmal zur Europahalle: Dort machte das DRK einen Abstrich. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

Ich muss einmal leicht würgen. Dann dreht er es und schiebt es mir erst ins linke, dann ins rechte Nasenloch. Tut alles nicht weh und nach Sekunden ist es vorbei. Das Stäbchen kommt in die Röhre mit der zweistelligen Nummer, die handschriftlich drauf steht. Ich vergesse, zu fragen, wann ich wie übers Ergebnis informiert werde und ob ich die App dazu nutzen könne. Aber sie bieten mir dazu auch nichts an. Nach 90 Sekunden gehe ich. Ein Mann kommt mir entgegen. Er ist der nächste.

17.35 Uhr: Ein Ratsmitglied schickt mir gerade bei Facebook ein Foto von einem Handzettel, den er heute in der Europahalle überreicht bekam. Er hat wohl gerade diesen Livebericht gelesen. DANKE! Auf der DIN A4-Seite steht, dass mir das Testergebnis schriftlich vom Labor mitgeteilt werde und ich davon absehen solle, telefonisch Nachfragen absehen. Es könne jedenfalls, abhängig von der Auslastung des Labors, mehrere Tage dauern. Der Ratsherr schreibt mir: „Ich hab um 14.30 Uhr noch diesen Zettel mitbekommen. Vielleicht waren die aus, als Sie dran waren?!“ Ich frage mich: Warum funktioniert das nicht über diese App, die mir seit Monaten „grün“ anzeigt und die ich schon fast vergessen habe?

Diesen Handzettel haben viele Ratsmitglieder beim Abstrich erhalten. Ich irgendwie nicht.
Diesen Handzettel haben viele Ratsmitglieder beim Abstrich erhalten. Ich irgendwie nicht. © privat © privat

Mittwoch, 12 Uhr: Tag 1 nach dem Abstrich. Ich habe viele Nachrichten bekommen zu diesem Selbstbericht, viel „Anteilnahme“ erfahren, wenn man das zu diesem Anlass so sagen kann. Mir geht es gut, danke, aber ich gebe zu: Ich habe gestern Abend vorm Einschlafen noch mal in meine Corona-Warn-App geschaut.

Meine Corona-Warn-App ist seit Monaten grün. Sich kontaktscheu zu verhalten, bringt offensichtlich etwas.
Meine Corona-Warn-App ist seit Monaten grün. Sich kontaktscheu zu verhalten, bringt offensichtlich etwas. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

Warum eigentlich? Naja, ich wollte schon wissen, ob sie mir möglicherweise einen Kontakt anzeigt, schließlich war ich ja stundenlang mit einer (am Tag danach) positiv getesteten Person in einem Raum, auch wenn Raum hier Halle ist. Die App ist immer on bei mir, aber ich habe die vergangenen Wochen nicht mehr oft reingeschaut, wenn ich ehrlich bin. Ich fahre aber auch nicht Bus oder Bahn, arbeite viel zu Hause, treffe kaum andere Menschen außerhalb meiner Familie. Das nervt mich sehr, aber ich finde, es ist sinnvoll – das sieht man an diesem „Fall“ von Donnerstag.

Das sind die Röhrchen mit den Abstrichen aus dem Stadtrat von Donnerstag. Sie liegen jetzt vermutlich längt alle in einem Labor.
Das sind die Röhrchen mit den Abstrichen aus dem Stadtrat von Donnerstag. Sie liegen jetzt vermutlich längt alle in einem Labor. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

Die Abstrich-Tupfer in den Kunststoff-Röllchen sind nun in jedem Fall in irgendeinem Labor. Die eben angekommene SMS eines Bekannten, der wissen wollte, ob ich schon von Ergebnissen gehört hätte, beantwortete ich gerade mit Nein. Wie auch, nicht einmal 24 Stunden nach dem Abstrich? Warten.

Donnerstag, 9.45 Uhr: Was für ein Morgen! Was für ein herrlicher Sonnenaufgang! Klar. Kalt. Traumhaft. Traumhaft wäre eigentlich auch eine Info über mein Testergebnis. Nicht für mich so richtig, eher für die Leute, die mich fragen: Hast du dein Ergebnis schon? Schon was bekannt? „Ich hatte meines nach 14 Stunden.“ „Ich eines nach 10, das andere nach 40 Stunden.“ Diese Nachrichten erreichen mich gestern vielfach. Ich denke nur: Wenn ich positiv wäre, hätte ich es sicher längst bekommen. Oder nicht?

Ich werde gefragt, ob denn der Bürgermeister sein Ergebnis schon hätte. Ich frage bei der Stadtverwaltung nach, ob es für Krisenstäbe eine Schnellstraße gebe. „Die Röllchen haben zweistellige Nummern“, sagt Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi. „Auch die vom Verwaltungsvorstand.“ Also eher nein. Ich frage als Journalist an, ob schon Testergebnisse bekannt seien. Ich erhalte bis zum Abend noch keine Antwort.

Donnerstag, 12.30 Uhr: Eine Woche ist die Ratssitzung nun her, mit der diese Geschichte für mich begann. Eine Kurz-Begegnung zu Anfang der Sitzung hatte ich weiter oben schon angedeutet, aber sie gewinnt vor dem Hintergrund des Positiv-Falls neue Bedeutung: Eine Ratsfrau sprach mich offen auf ihre Haltung zum Virus und zum Masketragen an. Dabei hielt sie sich ein Seidentuch vor Mund und Nase, das aber immer wieder herabsank und nicht besonders viel Schutzwirkung ausstrahlte. Ich konnte sie während der Sitzung von weit hinten nicht beobachten. Das haben aber andere Ratsmitglieder getan. Ergebnis: Sie hat als offenbar einzige Anwesende zwischenzeitlich auf das Verdecken von Mund und Nase verzichtet. Das ist erst einmal ein grundsätzliches Zeichen allgemein hoher Masken-Disziplin. Aber dieser eine Fall verstört doch: Ich habe sie gestern per E-Mail gefragt, ob sie sich bewusst sei, dass das unsoziales / unkollegiales Verhalten sei, denn es gehe bei Alltagsmasken nicht um den Selbstschutz, sondern um den Schutz der anderen, die durch ihre Maske wiederum auch dich schützen. Das hat sie darauf geantwortet.

Samstag, 22.30 Uhr: Die meisten Ratsmitglieder haben offenbar heute Post im Briefkasten gehabt. Erst heute. Das ist eigentlich ein gutes Zeichen. Denn wenn es lange dauert, heißt das meist: Test-Ergebnis negativ. Dennoch sagt es bei vielen für Unwillen. Wie kann das so lange dauern? Schließlich haben sich viele von ihnen in eine freiwillige Quarantäne begeben. Aus reiner Vorsicht. Das Deutsche Rote Kreuz im Auftrag des Kreises Recklinghausen in Zusammenarbeit mit einem Labor in Bad Salzuflen: das scheint eine langsame Kombi zu sein. Die an Verknüpfung zur App nicht denkt. Schade! Denn es verspielt Zutrauen der Menschen in einen erfolgsversprechenden Umgang gegen die Pandemie und die Lust daran, sich sauber zu verhalten. Ich öffne gerade noch mal meinen Briefkasten. Ein Testergebnis finde ich darin nicht.

Dienstag, 15.12., 11.15 Uhr: Ich habe heute früh zwei Zeitungen (von Montag und Dienstag) und einen Brief aus dem Briefkasten gefischt. Die Post wird bei uns erst am späten Nachmittag zugestellt. Eifriges Warten auf den Coronatest-Befund hab ich mir schon seit Tagen abgewöhnt. Ich weiß schon: Die Ratssitzung in der Europahalle mit rund 80 oder 90 Teilnehmern, die fast durchgehend Masken trugen, war kein Superspreader-Event. Es gibt meines Wissens keinen einzigen Positiv-Befund unter den Anwesenden. Ich sollte nun auch keinen mehr bekommen. Ich reiße den Brief vom Labor Krone in Bad Salzuflen auf und sehe: So ist es. Kein Corona.

Nicht nachgewiesen: Ich trage das Coronavirus Sars-CoV-2 aktuell nicht mit mir herum.
Nicht nachgewiesen: Ich trage das Coronavirus Sars-CoV-2 aktuell nicht mit mir herum. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

Aber doch ist es irgendwie unschön, um es vorsichtig auszudrücken, dass viele der Getesteten bis zum Wochenende oder sogar bis danach auf ihren Bescheid warten mussten. Das Deutsche Rote Kreuz hat uns erklärt, warum es nicht digital und damit schnell arbeitet: Man müsste mehr Technik aufbauen und bräuchte überall, wo man Abstriche nimmt, eine Internetverbindung. Ich sage mal so: 4G (LTE) sollte es so gut wie überall geben. Ein Notebook, ein Scanner, ein Drucker für die erstellten QR-Codes: Das ist nun nicht so ungehörig viel Technik, dass es unzumutbar wäre. Zumal man für das Scannen der Krankenversicherungskarte auch Technik und eine Mitarbeiterin vor Ort hat, die sicher auch den Rest regeln könnte. Beim Scannen der KV-Karte geht es darum, dass das DRK die Abstriche mit den Krankenkassen abrechnen kann, sprich: bezahlt bekommt. Der Anreiz, das zu regeln, ist offensichtlich größer.

Ich habe in den vergangenen Tagen über das Warten auf das Testergebnis, die Fragen, die Dinge, die mich beschäftigen, berichtet. Hier endet mein Protokoll. Danke für Ihre Interesse.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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