Missbrauch eines Mädchens bringt Mann lange hinter Gitter

mlzLandgericht Bochum

Ein elfjähriges Mädchen aus Castrop-Rauxel bringt durch Zufall eine unfassbare Missbrauchsserie ans Tageslicht. Jetzt ist der Täter verurteilt worden.

Castrop-Rauxel; Bochum

, 03.04.2020, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war eine elfjährige Schülerin aus Habinghorst, die alles ans Tageslicht brachte. Jahrelang hat ein Briefzusteller aus Datteln Mädchen betäubt, missbraucht und gefilmt. Am Freitag ist der 55-Jährige verurteilt worden – als gefährlicher Hangtäter.

Die Richter am Bochumer Landgericht haben elfeinhalb Jahre Haft verhängt und außerdem die anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet – zum Schutz der Allgemeinheit.

Viele der Opfer wissen bis heute nicht, was überhaupt mit ihnen geschehen ist. Sie waren mit dem Sohn des Angeklagten befreundet, hatten dort auch übernachtet. Genau wie die damals Elfjährige aus Habinghorst.

Arzneimittel in Cola oder Milchshakes gemischt

Dabei soll der Angeklagte immer großen Wert darauf gelegt haben, dass die Mädchen nicht im Zimmer seines Sohnes schlafen. Was auf den ersten Blick nach moralischen Bedenken aussah, war jedoch eiskaltes Kalkül. Nur so konnte er sich ungestört an ihnen vergehen – bis hin zur Vergewaltigung.

Die Vorgehensweise war laut Urteil immer gleich. Den späteren Opfern - sieben Mädchen und zwei Frauen - wurden Schlafmittel oder Antidepressiva in Cola oder Milchshakes gemischt. Drohten sie während der Missbrauchs-Taten wach zu werden, wurde nachdosiert. Mit einer Spritze, direkt in den Mund.

„Das war lebensgefährlich“, sagte Richter Stefan Culemann. Aufgrund des fehlenden Schluckreflexes hätte die Flüssigkeit leicht in die Atemwege gelangen können. „Dann hätten die Opfer ersticken können.“

Elfjährige war am Tag danach noch benommen

All das, was der Angeklagte getan hat, ist auf Videos zu sehen, die er selbst angefertigt hat.

Aufgefallen ist die Missbrauchserie, nachdem die Elfjährige aus Habinghorst nach einem Übernachtungsbesuch am nächsten Tag völlig benommen war und Ausfallerscheinungen zeigte. Weil die Eltern sich das alles nicht erklären konnten, waren sie mit ihrer Tochter sofort ins Krankenhaus gefahren. Dort dann der Schock: Im Körper des Mädchens wurden große Mengen von Arzneimitteln festgestellt.

Der Angeklagte selbst hatte im Prozess weit gehend gestanden, aber bis zuletzt gehofft, dass keine Sicherungsverwahrung angeordnet wird. Vergeblich. „Dass Sie ein gefährlicher Hangtäter sind, liegt auf der Hand“, so Richter Culemann. „Dafür muss man nicht Psychologie studieren.“

Auch elfeinhalb Jahre Haft könnten an der Gefährlichkeit möglicherweise nichts ändern. Deshalb habe zum Schutz der Allgemeinheit auch die Sicherungsverwahrung angeordnet werden müssen. „Auch mit Mitte 60 denkt man nicht nur ans Himmelreich“, so Culemann. „Die Phantasien sterben zuletzt.“

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