Mit dem E-Scooter auf Castrop-Rauxels Straßen: Unsere Leser machten den Test

mlzElektro-Tretroller

Wir haben den Praxistest gemacht: Wie gut sind E-Roller für den Gebrauch in Castrop-Rauxel geeignet? Wir hatten drei Testfahrer. Sie berichten, was gut ist - und was man nicht erwarten darf.

von Dieter Duewel

Castrop-Rauxel

, 13.09.2019, 18:37 Uhr / Lesedauer: 4 min

Seit Mitte Juni dieses Jahres sind Elektro-Tretroller in deutschen Städten auf dem Vormarsch. E-Scooter gelten als geeignetes Transportmittel, mit dem der Verkehrskollaps bekämpft werden kann. Klein, schnell, wendig und vor allem kombinierbar mit Bus und Bahn - das sind die Vorteile, mit denen die Roller im Alltagsverkehr punkten wollen.

Aber wie sieht es in der Praxis aus? Welche Möglichkeiten sehen Castrop-Rauxeler in der Nutzung in ihrer Stadt? Vor einigen Wochen riefen wir Leser auf, für einige Tage einen Roller im Alltagsverkehr zu testen, den uns Zweirad Schmitz zur Verfügung stellte.

Das Interesse war groß, am Ende erhielten Nadine Geef (40, Lehrerin), Martin Zill (50, Bankkaufmann) und Holger Stein (49, Immobilientechniker) die Möglichkeit, das Gerät zu testen.

Wie waren ihre Erfahrungen? Haben sich die Scooter im Alltagsverkehr bewährt? Sind sie eine Alternative zu Auto und Fahrrad? Hier sind die Erfahrungen der drei Tester.

(1) Wie war die anfängliche Handhabung des Elektro-Rollers?

Nach einer kurzen Eingewöhnung war die Handhabung intuitiv und ziemlich einfach, war das einhellige Urteil der drei Testpersonen nach der ersten Begegnung mit dem Test-Scooter. Martin Zill gibt allerdings zu Bedenken, dass man den Roller beherrschen muss, wenn man sich in den Straßenverkehr begibt: „Mal eben ausleihen, draufsteigen und losfahren ist recht gefährlich.“

Die Gewöhnung an die Geschwindigkeit war kein Problem. 20 km/h sind gesetzlich erlaubt. „Das ist ein Tempo, das auf ebener Strecke sehr angenehm ist, bergab kommt es einem eher langsam vor“, findet Nadine Geef.

Martin Zill und Holger Stein schließen sich an: „Die 20 km/h reichen völlig aus, auch wenn man sich auf freier Strecke manchmal etwas mehr Dampf wünschen würde.“

Als problematisch erwies sich das Anzeigen des Richtungswechsels, da man zu diesem Zweck eine Hand vom Lenker nehmen muss. Holger Stein: „Wenn man beim Abbiegen eine Hand vom Lenker loslässt, wird die ganze Angelegenheit recht unstabil.“ Hier wünschen sich die Tester eine am Lenker installierte Blinkanlage.

Teilweise wusste man sich zu helfen, indem man statt des Arms das Bein herausstreckte, um die Richtungsänderung anzuzeigen. Holger Stein: „Aber auch das kann nicht die Lösung sein.“

Mit dem E-Scooter auf Castrop-Rauxels Straßen: Unsere Leser machten den Test

RN Leser Holger Stein bei der Testfahrt auf der Bahnhofstraße. © Dieter Düwel

(2) Zu welchem Zweck wurde der E-Scooter hauptsächlich genutzt?

Alle drei Testpersonen nutzten den Roller vor allem für den Arbeitsweg. Martin Zill legte dabei drei Kilometer auf einem Weg zurück, machte aber auch eine längere Fahrt nach Recklinghausen.

Holger Stein fuhr von der Lakestraße in Ickern zum Engelsburgplatz. Normalerweise nimmt er die Route über die Klöcknerstraße und die B235. „Einmal bin ich auch durch das Grutholz gefahren. Der Weg gefiel mir viel besser.“

Nadine Geef machte den Test auf ihrem Weg von Obercastrop zum Ernst-Barlach-Gymnasium. Die Schüler fanden das recht cool.

Auch der morgendliche Weg zum Bäcker wurde von den Dreien mit dem Scooter bestritten. Einhelliges Urteil: „Allzu groß darf die Brötchentüte nicht sein, sonst braucht man einen Rucksack.“ Transportflächen gibt es auf dem Roller nicht.

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(3) Wie war das Verhalten im Straßenverkehr? Wie reagierten die anderen Verkehrsteilnehmer?

Auf Fahrradwegen, die von der Straße getrennt sind, fühlten sich unsere Tester mit ihrem Roller wohl. Brenzliger wurde es, wenn sie sich in den normalen Straßenverkehr einreihen mussten.

Richtig gefährliche Situationen gab es zum Glück nicht. Nadine Geef erinnert sich allerdings an enge Überholmanöver von Autofahrern, wenn die Straße eng war: „Auch das Anfahren nach einem Stopp-Schild ist nicht ungefährlich. Da man anfangs sehr langsam vorwärts kommt, fühlt man sich schon mal unsicher, wenn man sich in den Verkehr einordnen muss.“

Auffällige Reaktionen anderer Verkehrsteilnehmer konnten unsere Tester nicht beobachten. Holger Stein erntete den einen oder anderen verwunderten Blick.

Martin Zill machte die Erfahrung, dass die anderen motorisierten Verkehrsteilnehmer eher skeptisch reagierten: „Sie hielten lieber Abstand, da ihnen das neue Verkehrsmittel nicht sehr vertraut war.“

Mit dem E-Scooter auf Castrop-Rauxels Straßen: Unsere Leser machten den Test

RN-Leserin Nadine Geef bei ihrer Testfahrt auf dem Parkplatz an der WBG-Sporthalle. © Dieter Düwel

(4) Sind die benutzten Verkehrswege geeignet für das Fahren mit E-Scootern?

Die drei Tester machten übereinstimmend die Erfahrung, dass das Fahren auf von der Straße getrennten Radwegen angenehm war.

Martin Zill befuhr genau die Wege, die er auch mit dem Fahrrad benutzen würde, abgesehen davon, dass er an Nicht-Markttagen durch die Fußgängerzone in der Altstadt radelt: „Ich kam mit den Wegen gut zurecht. Um zu meinem Arbeitsplatz am Markt zu kommen, musste ich allerdings einen Umweg fahren, da ich nicht durch die Fußgängerzone rollern durfte.“

Holger Stein genoss die Scooter-Fahrt durch das Grutholz, bedauert aber, dass einige Mehrzweckstreifen, zum Beispiel am Rathaus, zugeparkt sind und dort das Fahren mit dem Roller kein Vergnügen ist. Unsere Leser waren sich einig, dass das Fahren auf nicht geschützten Wegen kein großes Vergnügen bereitet.

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(5) Ist der E-Scooter eine Alternative zu Auto, E-Bike oder ÖPNV?

Hier gingen die Einschätzungen unserer Tester auseinander. Martin Zill sieht in den Elektro-Rollern durchaus eine Alternative: „Die kleinen E-Scooter sind deutlich günstiger als ein E-Bike. Ich bin auf kurzen Strecken deutlich flexibler als mit dem ÖPNV, den ich nur für längere, nicht E-Scooter-geeignete Wege nutze.“

Zill weist aber auch darauf hin, dass man kein großes Gepäck mit den Rollern transportieren kann: „Man muss dann schon zum Rucksack greifen.“

Dagegen ist der E-Scooter für Holger Stein keine wirkliche Alternative. Neben dem Transportproblem bemängelt er vor allem die relativ geringe Akkuleistung des Geräts: „Vor allem bei eingeschalteter Beleuchtung ist die Reichweite für meine Zwecke sehr gering. Ich finde es recht lästig, den Akku jeden Tag zu laden.“ Für ihn ist das Fahrrad vielseitiger und für längere Strecken besser geeignet.

Auch Nadine Geef sieht in erster Linie die Nachteile des Rollers: „Es gibt keine Transportmöglichkeiten, das lange Stehen empfinde ich als recht unangenehm, Federungen sind kaum vorhanden, so dass man kleinste Schlaglöcher sofort spürt, und die Geschwindigkeit ist gegenüber dem Fahrrad langsam.“

Ein weiteres Problem sieht sie bei der Gerätesicherheit: „Die Möglichkeiten des Abschließens sind sehr eingeschränkt. Das Fahrradschloss muss transportiert werden. Zudem ist es sehr schwierig, es an den kleinen Rädern zu befestigen.“

Mit dem E-Scooter auf Castrop-Rauxels Straßen: Unsere Leser machten den Test

Unser Reporter Dieter Düwel testete den E-Scooter auf dem Europaplatz. © Dieter Düwel

(6) Für wen ist ein E-Scooter das richtige?

Unseren Leser Martin Zill hat der Scooter offensichtlich überzeugt: „Ich werde mir einen kleinen, gut klappbaren E-Scooter zulegen und hoffe, dass er lange hält. Für Menschen, die eine überschaubare Strecke zum Bus oder zur Bahn haben und am Zielort die letzten Kilometer mit dem Roller weiterfahren wollen, ist das Gerät ideal.“

Dagegen sieht er die Nutzung von E-Scootern durch Touristen in Großstädten kritisch: „Sie sollten sich die Sehenswürdigkeiten lieber zu Fuß anschauen. Dann stehen die Roller auch nicht im Weg rum oder werden einfach achtlos liegengelassen.“

Holger Stein sieht in der Nutzung von E-Scootern durchaus Sinn, wenn die Verkehrswege in gutem Zustand sind und die Strecke zur Arbeit nur wenige Kilometer beträgt. Außerdem steht für ihn der Spaßfaktor im Vordergrund. Er schränkt aber ein: „Wie sieht es bei schlechtem Wetter aus? Man steht kerzengerade auf dem Gerät, also voll im Regen. Das ist nicht unbedingt etwas für jeden!“

Nadine Geef schließt sich an: „E-Scooter sind etwas für Leute, die beim Fahren Spaß haben wollen oder die Gegend kennenlernen möchten.“

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