Hans Bressan hat seit 61 Jahren einen Kleingarten am Schellenberg. Ins Hochbeet stellt er im Winter Grablichter, dann gibt es trotz Kälte Salat. © Ronny von Wangenheim
Gartenserie „Querbeet“

Mit Grablichtern sichert Hans Bressan die Salaternte im Winter

Hans und Anne Bressan waren vor 61 Jahren eine der ersten in der Kleingartenanlage Am Schellenberg. Über die Jahre haben sie den Anbau von Obst und Gemüse perfekt im Griff und manchen Trick parat.

Jeden Tag ist Hans Bressan in seinem Garten. „Jeden Tag“, bekräftigt er. Drei Stunden morgens, drei Stunden am Nachmittag – das ist keine Seltenheit. Wer sich umschaut, sieht, dass er seinen Garten im Griff hat. Und dass er und seine Frau Anne mit Sicherheit nie Obst und Gemüse einkaufen.

Immerhin 86 Jahre alt ist Hans Bressan, niemand hat länger als er eine Parzelle in der Kleingartenanlage Am Schellenberg. Seit 1959 ist er Kleingärtner aus Leidenschaft. Damals war alles nur Grabeland. Lauben, Strom und fließend Wasser: Fehlanzeige. Viel hat sich seit dem geändert. Konstante blieben die Bressans.

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Hans Bressan erntet auch im Winter Salat

„Das Arbeiten in freier Natur macht immer noch Spaß“, sagt Bressan, der in seinem Berufsleben Bergmann auf Schwerin war. Das ganze Jahr pflanzt und erntet das Ehepaar. „Es fängt mit Stielmus an und hört mit den Kartoffeln auf“, erzählt er. Lange Jahre war Hans Bressan im Kleingartenverein aktiv, hat als Fachberater über 20 Jahre sein Wissen zu Baum und Strauchschnitt weitergegeben. Auch heute noch ist sein Rat gefragt.

An der Laube ist der Arbeitsplatz, zu dem auch viele Vögel kommen

Vor der Führung durch den Garten bittet Hans Bressan erstmal zu seiner Laube. Davor sieht es mächtig nach Arbeit aus. Auf dem Boden stehen sieben Gießkannen nebeneinander, am Rande steht ein Wasserbehälter, der ein Meter tief in die Erde reicht und 1,8 Kubikmeter Wasser fasst.

Auf einem Tisch sind viele kleine Töpfe bereit, mit Sämereien gefüllt zu werden. Unter dem Dach hängen Zwiebeln und auf dem Tisch steht eine Schale mit roten Stachelbeeren, die sehr süß und lecker schmecken.

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Im Kleingarten von Hans Bressan

Hans Bressan warnt. Auch Vögel kommen zu ihm. Für sie steht allerlei Futter bereit. Der Castrop-Rauxeler zeigt auf einen Sack. „Da sollten eigentlich Pflanzen wachsen. Aber als meine Frau gießen wollte, schaute plötzlich ein Zaunkönig heraus“. Mächtig erschrocken haben sie sich damals und dann mit Spannung verfolgt, wie der Nachwuchs aus den Eiern schlüpfte.

Auch jetzt flattern Vögel ein und aus, ohne auf die Menschen zu achten, und picken Körner aus den Netzen. Ist Hans Bressan alleine, setzen sich die Meisen sogar auf seine Schultern. Die Buchfinken dagegen picken vom Boden, was die Meisen fallen lassen.

Gemüse und Obst wird eingekocht, eingefroren oder zu Marmelade verarbeitet

„Wir ernähren uns nur vom Garten“, sagt Hans Bressan. Und dann zählt er auf: Kohlrabi, Blumenkohl, rote Beete in mehreren Sorten, gelbe, grüne und schwarze Bohnen, Erbsen, Tomaten, Lauch, Mangold, Gurken, Zucchini, Kürbis. Und das ist längst nicht alles Gemüse. Prächtig sehen auch die Rotkohlköpfe aus. „Noch ein, zwei Wochen, dann können sie ins Glas“, kommentiert Bressan.

Hans Bressan zeigt seine Bohnen. Auch hier wird es reiche Ernte geben.
Hans Bressan zeigt seine Bohnen. Auch hier wird es reiche Ernte geben. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

Das ist Sache seiner Frau Anne, die ursprünglich vom Land kommt und einkocht, einfriert, Marmeladen und Gelee produziert. Hat er eigentlich ein Lieblingsgemüse? Die Antwort kommt prompt: „Bei mir kann alles auf den Tisch kommen.“ Und es gibt mehr als genug. Wie gut, dass sich die Familien der beiden Söhne auch über die Produkte des Gartens freuen.

An den Sträuchern hängen oder hingen allerlei Beeren, denn viel wurde schon geerntet. Die Stachelbeeren sind gerade reif. Die Brombeeren, die über die Terrasse wuchern, und die Blaubeeren brauchen noch eine Weile. Drei Birnbäume und zwei Apfelbäume werden reiche Ernte bringen.

Der Rotkohl kann bald geerntet werden.
Der Rotkohl kann bald geerntet werden. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

Die Äpfel der alten Sorte Ontario lagert er in seiner Laube auf Zeitungspapier. „Bis zum März haben wir was davon“, erzählt er nicht ohne Stolz. Auch ein Kirsch- und ein Pflaumenbaum stehen im Garten. Der Apfelbaum übrigens sei 70 Jahre und damit der älteste in der ganzen Anlage.

Pfirsichbaum ohne Früchte hat keine Zukunft in Hans Bressans Garten

Gerade hat er Erdbeeren frisch ausgepflanzt. Sie sehen nicht so schön aus wie die Exemplare daneben. Kein Wunder: „Die habe ich schon für das nächste Jahr gepflanzt“, sagt er. Andere Streifen sind nicht bepflanzt.

„Demnächst säe ich hier Grünkohl aus“, so Bressan. Es gibt kaum einen Fleck, der nicht genutzt wird. Ein Pfirsichbaum, so erzählt er, habe wunderbar und üppig weiß geblüht. Aber keine einzige Frucht gebracht. „Der fliegt wieder raus. Da kommt dann eine Feige hin.“

In zwei Gewächshäusern gedeihen Cocktailtomaten und Gurken. Ein Hochbeet hat ebenfalls einen Schutz, der heruntergeklappt werden kann. Hier wachsen vor allem verschiedene Salate, aber auch Fenchel und Kohlrabi. Die erntet Hans Bressan auch im Winter. Wie das gelingt? „Ich stelle diese roten Grablichter hinein und mache Tontöpfe drüber. Die werden warm und die Wärme bleibt“, erklärt der 86-Jährige den Trick.

Der Blick zeigt: Es geht vor allem um Gemüse und Obst.
Der Blick zeigt: Es geht vor allem um Gemüse und Obst. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

Der Blick von oben auf den schräg abfallenden Garten zeigt: Die Nutzpflanzen haben Priorität. In einem Jahr pflanzt Hans Bressan von oben nach unten, im nächsten Jahr von unten nach oben. So bleibt der Boden gut, so sagt er.

Aber auch Blumen gibt es natürlich. Direkt hinter dem Gartentor blühen Hortensien, Rosen und selbst gezogene Dahlien, an den Gartenrändern leuchtet eine Trompetenblume, und Hummeln haben den Lavendelstrauch erobert.

Auch andere Insekten haben den Garten entdeckt. Kein Wunder. Denn Hans Bressan hat neben seinem Garten noch ein zweites Hobby: Er baut Insektenhotels.

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