Mit Video überführt: Altenpfleger bestiehlt Senioren

Gerichtsprozess

Ein älteres Ehepaar aus Castrop-Rauxel vermisste Schmuck und Geld. Im Verdacht: ein Mitarbeiter des Pflegedienstes. Gut, dass der Schwiegersohn Leiter der Firma ist. Gemeinsam wurde ein Plan geschmiedet und eine Video-Kamera versteckt. Und der Dieb tappte in die Falle.

CASTROP-RAUXEL

, 18.12.2016, 17:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einer langwierigen Verhandlung stand für den Strafrichter fest, dass der angeklagte Altenpfleger des Diebstahls überführt ist, das ihm entgegen gebrachte Vertrauen schändlich missbraucht hat.

Dem 30-Jährigen wurde vorgeworfen, während seiner Tätigkeit bei einem betagten Ehepaar Schmuck und Geld gestohlen zu haben. Rund vier Monate war er im Auftrag des ambulanten Pflegedienstes fast täglich im Haushalt des Ehepaars.

Wertvolle Armreifen gestohlen

„Er war nett und freundlich“, sagt die 82-jährige ehemalige Auftraggeberin. Aber dieser positive Eindruck bekam erste Risse, als Anfang Dezember zwei wertvolle Armreifen aus einem Schrank verschwunden waren, der in jenem Zimmer steht, in dem der Altenpfleger nach jedem Einsatz das Pflegeprotokoll notiert hatte.

Anlass, mit dem Schwiegersohn, der zugleich Betreiber des Pflegedienstes und somit Chef des Angeklagten war, einen Plan zu schmieden, um den Langfinger zu entlarven. Darauf mussten die Beteiligten fast drei Monate warten. Erst da zeichnete die Kamera, die in einem Regal verborgen die Schranktür im Visier hatte, hinter der der Schmuck gelegen hatte, etwas Verdächtiges auf.

Video zeigt hektischen Angeklagten

Davon konnten sich alle im Gerichtssaal überzeugen: Das Video zeigte eindeutig den Angeklagten, der sich zweimal am Schrank zu schaffen machte, prüfende Blicke zur Seite warf, hektisch wirkte. Ob und was er einsteckte, war nicht zu erkennen. Seine Erklärung, für die Patientin etwas aus dem Schrank geholt zu haben, überzeugte nicht.

Vielmehr war der Richter überzeugt, dass der Angeklagte bei der zum Anlocken ausgelegten Beute – etwas Schmuck und 150 Euro – zugegriffen hatte. 50 Euro fehlten danach.

Fristlos gekündigt

Einen Tag später nahm der Familienrat, wozu auch der Chef des Angeklagten zählt, den 30-Jährigen ins Verhör – der gab alles zu. Begründete das jedoch mit seiner starken Anspannung, weil er an jenem Tag unbedingt schnell zu seiner schwangeren Frau musste.

Das glaubte ihm niemand. Beim Pflegedienst wurde er fristlos gekündigt und am Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt. Außerdem muss er 1000 Euro in Raten an die geschädigte Seniorin zahlen. Der ideelle Wert der Armreifen, die wohl bei einem An- und Verkauf gelandet sind, ist aber nicht zu ersetzen. 

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