Mit Zäunen hoch hinaus: BPS Stahl und Camas wollen in Castrop eine Erfolgsgeschichte weiter schreiben. Neben einem Neubau im Erinpark steht auch das Xscape-Gelände im Fokus. Es geht um Rost am Bau.

Castrop

, 13.06.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer das Werkstor durchschreiten und einen Blick werfen darf ins Innere von Camas im Erinpark, dem offenbaren sich Unternehmen, die sich große Ziele gesetzt haben. Und stetig weiter wachsen wollen, um ihre Erfolgsgeschichte voran zu treiben. Unsere Redaktion war vor Ort an jenem Straßenarm mit der Adresse „Am Förderturm 10 bis 12“. Zu Gast bei Benjamin Schmudde, der BPS-Stahl mit seinem Bruder Philipp leitet.

Ja, es ist tatsächlich so etwas wie ein Wink mit dem Zaunpfahl. Denn es handelt sich um Zaunsysteme, mit denen BPS und Camas inzwischen so groß geworden sind, dass es Erweiterungspläne im Herzen des Erinparks gibt. Der Bauantrag für eine neue Halle sei inzwischen bei der Stadt gestellt worden, bestätigt Benjamin Schmudde.

Mehr Kunden in der Corona-Krise

„Wir wollen wachsen“, sagt der 33-Jährige. Und fügt hinzu: „Gerade durch Corona hat unser Familienunternehmen noch mehr Kunden gewinnen können.“ Der Umsatz habe sich verdoppelt, alle Welt komme nach Castrop-Rauxel, um sich hier mit Zäunen zu versorgen. Zwischen 60 und 70 Mitarbeiter habe man jetzt ohnehin, zwischenzeitlich seien es sogar noch 30 mehr gewesen, um dem Boom gerecht werden zu können. „Das Ganze hat sich mittlerweile eingependelt, wir sehen es positiv und haben alles im Griff“, sagt der gelernte Bürokaufmann.

Angefangen hat es in der Herzkammer an der Behringhauser Straße. Im Jahr 1996. Mit Reinigungsmitteln zunächst. „Wir sind in Castrop-Rauxel groß geworden und arbeiten hier jetzt schon in der neunten Generation“, erklärt Schmudde. Der Name Camas stehe übrigens für seinen Vater und dessen Bruder, Markus und Christoph.

BPS-Geschäftsführer Benjamin Schmudde mit seinem Vater Markus, Geschäftsführer von Camas (r.), und Werkleiter Oliver Schefer (l.).

BPS-Geschäftsführer Benjamin Schmudde mit seinem Vater Markus, Geschäftsführer von Camas (r.), und Werkleiter Oliver Schefer (l.). © Camas

Die großen Maschinen von BPS sollen in den Neubau

Und warum Zäune? „Wir brauchten selber welche und haben die Marktlücke erkannt“, sagt der 33-Jährige. Jetzt brauche man mehr Platz – über die Fläche von 40.000 Quadratmetern zwischen Am Förderturm, Behringhauser Straße und Herner Straße hinaus. Vor 20 Jahren machte Camas sich zunächst an der Behringhauser Straße 27 auf den Weg, Metallwaren zu verarbeiten. Daher die Kaufentscheidung für die geplante Erweiterung an der Erinstraße, deren Fläche schon vor einigen Wochen planiert worden ist.

Werkleiter Oliver Schefer an der Zaunpfostenfertigungsanlage, eine eigene Konstruktion, ausgetüftelt von Benjamin Schmudde und seinem Bruder.

Werkleiter Oliver Schefer an der Zaunpfostenfertigungsanlage, eine eigene Konstruktion, ausgetüftelt von Benjamin Schmudde und seinem Bruder.

Camas und BPS sind zwei eigenständige GmbHs, laut Schmudde mit zum Teil unterschiedlichen Kunden. Vor allem die großen Maschinen von BPS sollen im Neubau untergebracht werden. Maschinen, auf die Schmudde stolz ist. Wie die Zaunpfostenfertigungsanlage, an der er gemeinsam mit seinem Bruder drei Jahre getüftelt habe, wie er erzählt. Möglichst alles selber machen, von A bis Z, das sei das Credo. Das Grundprodukt Drahtspulen stamme von großen Stahlwerken.

An der neuen Halle soll es keinen Kundenverkehr geben

Natürlich habe er das Grummeln anderer Anrainer im Erinpark registriert, sagt Schmudde. „An der neuen Halle wird es aber keinen Kundenverkehr geben“, stellt er klar. Insofern seien Befürchtungen fehl am Platze. Dazu muss man wissen, dass sich die Stadt die Nachnutzung des alten Zechengeländes von Erin vor deutlich mehr als zwei Jahrzehnten mit der Maxime „Arbeiten im Park“ mit hohen städtebaulichen und architektonischen Standards auf die Fahnen geschrieben hatte.

Der Partner für den Bau der neuen Halle im Erinpark ist schon gefunden. Bei Sicon handelt es sich um eine Unternehmensgruppe aus Gescher, die sich auf den schlüsselfertigen Bau von Industriehallen, Gewerbebetrieben, Bürogebäuden und Wohnhäusern konzentriert.

Der Partner für den Bau der neuen Halle im Erinpark ist schon gefunden. Bei Sicon handelt es sich um eine Unternehmensgruppe aus Gescher, die sich auf den schlüsselfertigen Bau von Industriehallen, Gewerbebetrieben, Bürogebäuden und Wohnhäusern konzentriert. © Schlehenkamp

„Das ist für uns auch Leitschnur“, bekräftigt Schmudde. Der Neubau im Schatten des denkmalgeschützten Erinturms solle eine besondere Rost-Optik bekommen. Damit könne man auch beim Kunst- und Gestaltungsbeirat punkten. Das Gremium wird nach Auskunft der Stadt in die Pläne einbezogen.

Architekturbüro Leder soll Pläne für Xscape-Gelände machen

Und Schmudde wirft noch einen Blick weiter über die in Rede stehende Schaffung von 40 weiteren Arbeitsplätzen über die Erinstraße hinaus. Er hat Architekt Jörn Leder gebeten, erste Pläne zu schmieden fürs Xscape-Gelände zwischen B 235 und A 42. Jenem Terrain, das seit vielen Jahren brach liegt und als Filetfläche gilt.

Die Arbeitsgänge beim Zäunehersteller im Erinpark sind spannend. Das Portfolio ist breitgefächert.

Die Arbeitsgänge beim Zäunehersteller im Erinpark sind spannend. Das Portfolio ist breitgefächert. © Camas

Es ist 20 Jahre her, dass dort ein riesiger Freizeit- und Erlebnispark geschaffen werden sollte – mit Skihalle, Einkauf- und Vergnügungs-Eldorado. Der Traum von über 1000 Arbeitsplätzen platzte wie eine Seifenblase. Auch die danach lange bei der Stadt gehegte Hoffnung, Ikea könne dort seine Anker werfen, ist längst Geschichte.

„Wir könnten da ein neues Kapitel schreiben, das unsere Stadt weiter nach vorne bringt“, sagt Schmudde selbstbewusst. Er würde mit seinen Plänen ungern in eine andere Stadt gehen, fügt er hinzu. Aber wenn das die einzige Option zur Realisierung sei, dann sei das eben so. „Was wir in Castrop-Rauxel tun, machen wir auf jeden Fall mit Herzblut“, sagt er.

Fläche bei Rütgers keine wirkliche Alternative

Und was ist mit dem großen Flächenreservoir bei Rütgers in Rauxel? Schmudde winkt ab: „Keine zielführende Idee“, erklärt er. Die Bahnhofstraße könne weitere Brummis nur schwerlich verkraften. Die B235 aber auch - zumal da auch die Nachnutzung der ehemaligen Knepper-Kraftwerks-Fläche mit Logistik ein Thema mit Feuer ist.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt