Moers wirbt an Bushaltestellen in Castrop-Rauxel um Besucher

mlzStadtmarketing

Können triste Bushaltestellen ein Sehnsuchtsort sein? Die Stadt Moers scheint das zu glauben. „Moers bietet mehr“: So werben Plakate in Castrop-Rauxel. Aber was tut eigentlich Castrop-Rauxel?

Castrop-Rauxel

, 10.07.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

55 Kilometer und im besten Fall eine Dreiviertelstunde trennen Castrop-Rauxel von Moers. Mit der Bahn braucht man etwa eine Stunde. Warum also nicht Besucher aus dem Ruhrgebiet an den Niederrhein holen? Das könnten sich die Tourismusförderer in Moers gedacht haben. Wie anders ist es zu erklären, dass an etlichen Bushaltestellen im Stadtgebiet von Castrop-Rauxel mit dem Spruch „Moers bietet mehr“ geworben wird?

Sammeln sich an diesen Orten Neugierige, Reiselustige, an Fernweh Leidende? Ganz so ist es nicht. Aber das eher unbekannte Moers ist damit präsent. Tut die Stadt Castrop-Rauxel eigentlich ähnliches, um den Moerser Bürger in die „Europastadt im Grünen“ zu locken. Wie wichtig ist hier Tourismus? Wir haben nachgefragt.

So schön die Vorstellung ist, Moers wolle gezielt Touristen aus dem Ruhrgebiet werben: Es handelt sich um schnöden Zufall. Das sagt der Moerser Stadt-Pressesprecher Thorsten Schröder. Man habe die Deutsche Plakat-Werbung (DPW) mit Außenwerbung beauftragt. Die hat wiederum vereinbart, immer dann Moers-Plakate aufzuhängen, wenn kein anderer Interessent die Fläche gebucht hat.

Altstadt, Schloss und riesige Grubenlampe sind Moerser Attraktionen

„Wenn sich für uns ein Effekt abzeichnet, ist uns das natürlich recht“, sagt Schröder. Drei verschiedene Motive hat Stadt Moers entwickelt. Eines wirbt für die „Altstadt mit Flaniermeile“. Das sei tatsächlich einer der Hauptanziehungspunkte, sagt der Pressesprecher. „Wir haben tatsächlich noch eine funktionierende Altstadt mit Geschäften.“

So macht die Stadt Moers Werbung für sich.

So macht die Stadt Moers Werbung für sich. © frogosa

Dazu komme, dass sich daran gleich der Schlosspark mit dem Schloss anschließe. Eine der weiteren Attraktionen, zugleich auch eines der Motive der Plakatwerbung, ist die Halde „Rheinpreussen“ mit dem strahlenden roten „Geleucht“, einem einer Grubenlampe nachempfundene Kunstwerk von Otto Piene.

Jetzt lesen

„Aber Halden haben Sie in Castrop-Rauxel ja auch“, sagt Thorsten Schröder und lacht. Gezielt um Touristen geworben, auch das erzählt er noch, werde im Ruhrgebiet eher nicht. Dafür aber am Niederrhein und in den angrenzenden Niederlanden.

Die Stadt Castrop-Rauxel listet auf ihrer Homepage unter dem Punkt Sehenswertes etliche Orte der Industriekultur auf. Ganz oben auf der Liste steht allerdings der Forumskomplex am Europaplatz. Groß geworben wird aber nicht für die Europastadt. Die städtische Homepage informiert zu Übernachtungsmöglichkeiten. Dem Tourismus ist keine eigene Kategorie gewidmet.

Werbung für Castrop-Rauxel: „Wir würden uns mehr wünschen“

„Bannerwerbung in anderen Orten machen wir nicht“, sagt Pressesprecherin Nicole Fulgenzi auf Anfrage. Geworben wurde bislang lediglich bei Messen, dann aber unter dem Dach des Kreises Recklinghausen. Die haben in der Coronakrise aber nicht stattgefunden. Ein Imagefilm entstand 2009 anlässlich der 1175-Jahr-Feier der Stadt. Zurzeit entstehen eher kleinere Filme mit Drohnen für die Homepage.

Jetzt lesen

„Wir sind nicht offensiv“, sagt Nicole Fulgenzi selbstkritisch. „Der Tourismus soll aber belebt werden. Wir würden uns mehr wünschen.“ Das solle eine der Aufgaben der neuen Entwicklungsgesellschaft ECAS werden. Bislang richten sich die Informationsangebote im Internet eher an (Neu)bürger der Stadt. Es gibt also Broschüren und Radkarten. Eine Wanderbroschüre sei überarbeitungswürdig, so die Pressesprecherin. Macht aber nichts, sie sei sowieso vergriffen.

Jetzt lesen

Auf ECAS wird auch gehofft, wenn es um Merchandising geht. In Zeiten schwieriger Haushaltslagen, so Nicole Fulgenzi, könne die Stadt nicht Geld in solche „Fan“-Artikel, die zu den freiwilligen Leistungen gehören, stecken. So bleibt es bei Kugelschreibern, Aufklebern und Broschüren. Andere Castrop-Rauxel-Artikel gebe es im Handel, zum Beispiel in Ickern bei Fanladen Citiy.

Moers-Shop bietet Tee, Brotdosen und Fisternölleken

Anders Moers, um noch einmal den Blick nach Westen zu richten: Auf der städtischen Homepage findet sich auch ein Shop. Moerser Tee nach dem Motto „Er weiß, wozu et gut is“, Moers-Rotwein, Fisternölleken (unter dem Namen verbirgt sch Doppelkorn, mit Rosinen und Zucker veredelt), Moers-Gin, Brotdosen für Kniften, Glaslichter oder Grubentücher gehören unter anderem zum Angebot.

Zahlen im Vergleich: Moers und Castrop-Rauxel

  • Moers mit seinen rund 104.000 Einwohner zählte im vergangenen Jahr 73.217 Ankünfte mit 122.774 Übernachtungen, zehn Prozent mehr als 2018. Castrop-Rauxel mit seinen rund 73.300 Einwohnern kommt auf 34.875 Ankünfte und 62.974 Übernachtungen und ein Plus von 5,7 Prozent.
  • Immerhin rund ein Viertel der Gäste kommen in Moers aus dem Ausland, in Castrop-Rauxel sind es 12 Prozent.
  • Moers zählt 15 Beherbungsbetriebe ab zehn Betten, Castrop-Rauxel 7.
  • Die Auslastung betrug 2019 in Moers 41,9 Prozent, in Castrop-Rauxel 36,3 Prozent.
Lesen Sie jetzt