Nach Anwohner-Ärger: Diese Verabredungen trifft die Stadt fürs geplante Dingener Baugebiet

mlzEhemaliges Zechengelände

Das geplante Baugebiet in Dingen auf Schacht 3/4 von Zeche Graf Schwerin erregt früh die Gemüter. Bei einem Treffen jetzt wurde Ärger laut – aber auch eine gemeinsame Linie festgelegt.

Castrop-Rauxel

, 29.10.2019, 21:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es soll eine der letzten unbearbeiteten Bergbaubrachen im Stadtgebiet sein: Das ehemalige Zechengelände des Schachts 3/4 der Zeche Graf Schwerin liegt idyllisch im Dorf Dingen am Stadtrand zwischen Castrop-Rauxel und Dortmund. Dass hier Wohnraum für Familien entstehen soll, erregt seit Wochen die Gemüter.

Jetzt gab es ein Treffen, bei dem der Ärger laut wurde. Die Stadtverwaltung ordnete zusammen mit der Politik aber auch Fakten ein, wies Gerüchte zurück und schloss am Ende sogar fünf Übereinkünfte:

(1) Keine Viergeschosser:

Der vorläufige und als Skizze zu verstehende Entwurf des Investors Ferraro Group* sah vor, direkt hinter die Bebauung an der Schieferbergstraße zwei viergeschossige Mehrfamilienhäuser zu bauen. Dagegen erregten sich die Anwohner um André Schuster.

Die Technische Beigeordnete Bettina Lenort sicherte am Montagabend (28.10.) zu: „Viergeschosser wollen wir alle nicht haben – egal wo auf dem Gelände.“ Und: „Der Investor kann vor Ihren Garten keinen Viergeschosser setzen.“

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(2) Größere Abstände:

Abstandsplanungen von nur wenigen Metern zur bestehenden Bebauung, vor allem der ein paar Meter tieferliegenden Stadtvillen-Siedlung, sollen geweitet werden. Wie weit die Bebauung abrücken muss, ist nicht letztgültig geklärt, aber man müsse schon weiter abrücken als die eingezeichneten zehn Meter.

Auch auf das Thema Verschattung wolle man hier achten. Lenort: „Es sollte aufgelockerte Bebauung geben. Aber ich fände auch gut, wenn gemischt wird aus Ein- und Mehrfamilienhäusern.“

(3) Dörflichen Charakter erhalten:

Den Dorfbewohnern ist offenbar wichtig, dass Dingen seinen dörflichen Charme erhalten kann. Bei knapp 1000 Einwohnern, die sich auf die grob drei Straßen verteilen, würde ein solches Baugebiet mit 50 oder mehr Wohneinheiten schon deutlich zu Buche schlagen.

Dabei machte sich Siedlergemeinschafts-Vorsitzende Nadine Matschulla Sorgen darüber, ob man diesen Zuwachs strukturell aufnehmen könne – verkehrstechnisch.

Eine andere Bewohnerin fragte sich, ob die Kanalisations-Kapazitäten ausreichen. Lenort: „Zu diesen Fachfragen gibt es eine Reihe von Fachgutachten, die vorher erstellt werden müssen.“

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(4) Grünen Charakter erhalten:

8000 Quadratmeter Wald müssten gerodet werden, so die Kritik von Anwohnern. Das führte auch dazu, dass in Holger Steiner und Wolfgang Schlabach zwei Aktivisten für den Erhalt der Alten Eiche aus Habinghorst zur Bürgerversammlung kamen und Steiner die Frage stellte, wann der richtige Moment wäre, um ein Bürgerbegehren einzureichen. Es gebe hier zahlreiche Fledermäuse.

Lenort: „Zum Artenschutz und Lärmschutz und anderen Detailfragen werden Gutachten in Auftrag gegeben.“ Einen Baum wie die 250 Jahre alte Stieleiche im Gebiet „Wohnen an der Emscher“ gibt es hier allerdings nicht. Klaus Breuer vom Grünflächenamt meinte, es gebe hier maximal ein paar schnell wachsende Pappeln.

(5) Straßenzustand verbessern:

Die Dingener Straße, über die das Gebiet auch angebunden werden soll, ist eine der desaströsesten der Stadt. Die vier oder fünf Anwohner-Parteien befürchteten, dass sie an einer Sanierung später übers KAG möglicherweise beteiligt werden könnten. Lenort: „Der Investor wird die Straße, über die Baufahrzeuge fahren, am Ende auf eigene Kosten herrichten müssen.“

Nach Anwohner-Ärger: Diese Verabredungen trifft die Stadt fürs geplante Dingener Baugebiet

Isabel Rojo Pulido erklärt den Dingenern im Vereinsheim der Hundeschule am ehemaligen Sportplatz, wie das Verfahren rund um das Neubaugebiet auf dem Gelände von Schacht 3/4 der Zeche Graf Schwerin laufen wird. © Tobias Weckenbrock

Die Stadtverwaltung, auch vertreten durch Isabel Rojo Pulido vom Bereich Stadtplanung/Bauordnung, machte vor allem deutlich: Wir sind hier noch ganz am Anfang. „Das Gebiet ist im Flächennutzungsplan als Bauland vorgesehen und in Privatbesitz“, so Bettina Lenort. Der Inhaber wolle hier Bauland entwickeln.

B-Plan ist von 1969

Es gibt einen gültigen Bebauungsplan von 1969. „Den wollen wir gern aktualisieren, denn seit dieser Zeit hat sich vieles verändert“, so Lenort. Als Stadt Castrop-Rauxel habe man Planungshoheit. Lenort: „Ohne neuen Bebauungsplan baut hier niemand!“ Und außerdem: „Der Investor hat ja schon der Presse gesagt, dass er auf einen neuen Bebauungsplan warten will.“

Am Ende unterstrich die neue Technische Beigeordnete Bettina Lenort: „Ich sehe uns als Vermittler zum Investor. Dem zu spiegeln, was im Sinne der Anwohner ist. Wir haben alle nichts davon, wenn etwas durchgedrückt und durchgeprügelt wird.“ Mindestens anderthalb, eher zwei Jahre dauere es mindestens noch bis zum Baustart.

*An dieser Stelle hieß es ursprünglich, die Firma Vivawest sei Eigentümerin der Fläche. Sie verkaufte das Areal aber an die Ferraro Group.

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