Ulrich Borgerding an einem der letzten Verkaufstage im Dezember. Dann beendete der Lockdown seine Geschäfte vorzeitig. © Uwe von Schirp
Geschäftswelt

Nach Borgerding-Ausverkauf: Nachmieter für Ladenlokal gesucht

Jahrzehntelang hat der Name Borgerding die Castroper Altstadt geprägt. Das Ladenlokal ist ausgeräumt, ein Nachmieter noch nicht gefunden. Für Ulrich Borgerding selbst ist nun immer Samstagabend.

Er habe „ein lachendes und ein weinendes Auge“ gehabt, als er jetzt die letzten Dinge aus dem Ladenlokal ausräumte, in dem er viele Jahre lang die Castrop-Rauxeler Herrenwelt mit Mode ausstattete, gibt Ulrich Borgerding zu. Nach 115 Jahren Borgerding ist jetzt endgültig Schluss mit der Firmengeschichte.

Am Mittwoch (13.1.) war der mittlerweile 69-Jährige zum wahrscheinlich letzten Mal in dem Laden, der sein Leben und das seiner Ehefrau geprägt hat. „Das war natürlich ein komisches Gefühl, da jetzt abzuschließen“, erzählte der Neu-Ruheständler jetzt unserer Redaktion.

Es war Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen

„Aber der Zeitpunkt passt einfach, es war Zeit, diesen Abschnitt unseres Lebens hinter uns zu lassen, einen Schlussstrich zu ziehen“, glaubt Borgerding, der sich mit seiner Frau künftig mehr aufs Privatleben und speziell seine Enkelkinder konzentrieren möchte.

Das Leben in und mit dem Modeladen sei ein facettenreiches, prägendes Leben gewesen, „das mir und uns viel Freude bereitet hat und das uns unglaublich viele Stammkunden und unter denen auch echte Freunde beschert hat“, bilanziert Borgerding die Vergangenheit.

Die Zeit im Geschäft endete dabei wegen des Corona-Lockdowns sogar noch ein paar Tage eher als eigentlich geplant. „Aber wir haben darauf rechtzeitig reagiert, noch einmal alle Restbestände reduziert und konnten mit dem Räumungsverkauf sehr zufrieden sein“, so Borgerding.

Neben dem wirtschaftlichen Erfolg habe ihn besonders gefreut, dass viele treue Weggefährten gerade unter den Kunden noch einmal den Weg zu Borgerdings in der Castroper Fußgängerzone gefunden hätten. „Wir konnten uns so von ganz vielen Menschen verabschieden, in unserer Stammkunden-Kartei hatten wir immerhin 2500 Kunden“, erzählt der Mann mit dem inzwischen silberfarbenen Haar.

Wo ewige Zeiten Herrenmode verkauft wurde, sind jetzt letzte Aufräumarbeiten gelaufen. Der Besitzer des Ladenlokals sucht nun einen Nachmieter.
Wo ewige Zeiten Herrenmode verkauft wurde, sind jetzt letzte Aufräumarbeiten gelaufen. Der Eigentümer des Ladenlokals sucht nun einen Nachmieter. © Thomas Schroeter © Thomas Schroeter

Corona habe das Ende etwas beschleunigt, „aber Corona hat uns nicht erledigt“, versichert der Ex-Geschäftsmann. „Wir haben uns als traditionelles Geschäft immer wieder neu erfunden, gegen den Internet-Handel positionieren können. Das waren wir gewohnt, das hätten wir auch in Corona-Zeiten durchgestanden.“

Aber man sei jetzt in einem Alter, in dem auch mal etwas Ruhe einkehren dürfe. „Ich war ja sechs Tage in der Woche im Laden, hatte nicht mal Zeit zum Rasenmähen, musste am Samstag zum Himmel schielen und hoffen, dass ich nach Ladenschluss noch in den Garten komme“, erzählt der zweifache Vater.

Viele Fundstücke beim Aufräumen

Darum sei es jetzt schon ein wirklich befreiendes Gefühl, wirklich mal Zeit zu haben. „Für mich ist ja jetzt jeden Abend quasi Samstagabend, und das ist ein tolles Gefühl.“

In dieser Woche habe er nun noch einmal im schon leeren Ladenlokal Hand angelegt, denn im Büro im ersten Obergeschoss und speziell im Keller habe es noch reichlich zu tun gegeben. „Sie ahnen gar nicht, was mir da so alles wieder in die Hände gefallen ist, von dem ich gar nicht ahnte, es noch zu haben“, so ein deutlich amüsierter Ulrich Borgerding.

Da habe er noch Sachen von seinem Vater und sogar von seinem Großvater gefunden, die den Namen Borgerding schon vor ihm in Castrop-Rauxel in Sachen Herrenmode eingeführt hatten. Davon werde das meiste natürlich aufbewahrt, wandere in den privaten Keller.

Neuer Mieter für das Ladenlokal wird gesucht

„Ich habe aber auch reichlich Zeitungsausschnitte gefunden, gerade aus meiner Zeit als Vorsitzender der Werbegemeinschaft WCA“, erzählt der Mann, der die Altstadt aktiv geprägt hat. Das Ladenlokal, wo er zu Hause war, sucht derweil einen neuen Mieter. Damit hat Ulrich Bordering aber nichts mehr zu tun. „Ich bin im Ruhestand“, so seine Worte zum Abschied.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter

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