Nach Wacken-Stream-Konzert: So geht´s weiter für Eskimo Callboy

mlzEskimo Callboy

Das Online-Konzert beim Wacken World Wide war eine neue Erfahrung für die Castrop-Rauxeler Band Eskimo Callboy. Auf YouTube wird die Band aktuell ausgebremst.

Castrop-Rauxel

, 31.07.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am Mittwochabend flimmerten Eskimo Callboy über Fernseher, PC-Bildschirme und Tablets. Die Castrop-Rauxeler Metalcore-/Trancecore-Band war beim ersten Wacken World Wide dabei, der Streaming-Ersatzveranstaltung zum weltgrößten Metal-Festival Wacken Open Air. Für die sechs Musiker eine bislang einmalige Erfahrung. Ihren Auftritt hatten sie am Wochenende zuvor in der Europahalle - ohne Publikum - aufgezeichnet.

„Ich habe das ganz entspannt im Bett geschaut“, sagt Sänger Sascha Ratajczak auf Nachfrage der Redaktion, „das war auch mal ganz interessant“. Die Band tauschte sich während der Ausstrahlung per Whatsapp aus. „Wir hatten ja alles bereits aufgenommen, der ganze Hokuspokus war ja schon vorbei“, so Ratajczak, „aber als wir dann dran waren, hatte ich ein aufgeregtes Gefühl. Ich dachte: ,Jetzt geht’s gleich los.‘“

Wie viele Zuschauer Eskimo Callboy dabei hatten, ist (noch) nicht bekannt; der Veranstalter wartet offenbar noch auf die Abruf-Zahlen der Telekom.

„Straight from Castrop-Rauxel“

Erst seit einigen Wochen zählt Sänger Nico Sallach zur Band. Sein Bühnendebüt werden Fans mit besonderem Interesse verfolgt haben. Sallach forderte das Publikum zum Hüpfen auf. Ratajczak hatte die Band zuvor vorgestellt: „Hello Wacken. This is Eskimo Callboy; straight from Castrop-Rauxel.“

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„Wir haben allein für Wacken aufgezeichnet. Und so konnten wir das Wacken-Publikum auch direkt ansprechen“, erläutert Ratajczak, „das wussten die Leute zu schätzen.“ Nicht alle Bands haben das so gemacht.

Der finanzielle Erfolg des Auftritts hält sich in Grenzen. „Aufwand und Ertrag haben sich da fast die Waage gehalten“, so Ratajczak. Aber selbst aus Australien habe die Band positives Feedback über soziale Netzwerke erhalten. Das Echo sei insgesamt gewaltig gewesen.

„Wir waren sehr gespannt, wie die Leute auf uns als neue Formation mit Nico reagieren“, sagt Ratajczak. Der neue Sänger hat seine Feuertaufe aber offenbar bestanden, musste er sich doch einige ältere Songs erst zu eigen machen.

Die beiden Sänger Nico Sallach (vorn) und Kevin Ratajczak beim letzten Song zum Wacken World Wide.

Die beiden Sänger Nico Sallach (vorn) und Kevin Ratajczak beim letzten Song zum Wacken World Wide. "Hypa Hypa" lebt auch von der schrillen Verkleidung. Das Musikvideo der Band geht derzeit um den Globus und wird im Internet besprochen. © Eskimo Callboy

Nach der Ausstrahlung seiner Band hat sich Ratajczak noch die US-Metaller Trivium beim Wacken World Wide angesehen. Auch beim Wacken Open Air schaut er sich mit seiner Band immer wieder gerne andere Musiker an, wenn sie nicht gerade auf der Bühne steht, wie zuletzt 2018. „Wir bewegen uns dann auf dem Festivalgelände, um andere Bands zu sehen“, schildert Ratajczak, „mittlerweile hat unsere Popularität aber ein wenig zugenommen. So wird man dann schon mal in Gespräche verwickelt und es entsteht manchmal eine kleine Menschentraube.“

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Generell will Ratajczak will mit seiner Band möglichst bald auf die Bühne zurück – sobald es die Coronapandemie zulässt, gerne auch zum Wacken Open Air. Aus künstlerischen Gründen, aber auch aus finanziellen. Für Live-Shows gibt es schlicht mehr Gage.

Eskimo Callboy gemeinsam mit der Crew. Das rund einstündige Live-Video zum Wacken World Wide wurde wenige Tage vor der Ausstrahlung in der Castrop-Rauxeler Europahalle aufgezeichnet.

Eskimo Callboy gemeinsam mit der Crew. Das rund einstündige Live-Video zum Wacken World Wide wurde wenige Tage vor der Ausstrahlung in der Castrop-Rauxeler Europahalle aufgezeichnet. © Eskimo Callboy

Derzeit bleibt Eskimo Callboy – abgesehen von der Aufzeichnung in der Europahalle – erst mal nur die Arbeit im eigenen Proberaum inklusive Studio. Die läuft sehr erfolgreich. „Hypa Hypa“, das erste Musikvideo mit Nico Sallach, verzeichnet seit der Veröffentlichung am 19. Juni bereits mehr als vier Millionen Youtube-Aufrufe.

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Die Metalcore-/Trancecoreband Eskimo Callboy gründete sich 2010 in Castrop-Rauxel und probt seitdem in der Europastadt. Noch im selben Jahr entstand die erste EP. EP bedeutet Extended Play, von der Laufzeit her bewegt sich ein solcher Tonträger also zwischen Single und LP (Longplay). Ein Jahr später feierten Eskimo Callboy einen der ersten Auftritte auf der Habinghorster Waldbühne beim Steel-meets-Steel. 2012 folgte dann das erste Album „Bury Me in Vegas“. Die Nachfolger schafften es allesamt in die deutschen Albumcharts: „We Are the Mess“ (Platz 8), „Crystals“ (Platz 6), und „The Scene“ (Platz 6). Das letzte Album „Rehab“ erreichte 2019 Platz 16 der deutschen Album-Charts.

„Modisch“ angelehnt an den Auftritt der niederländischen TV-Comedystars „New Kids“ (2007-2012) mit Proll-Attitüde erregt Eskimo Callboys Gute-Laune-Clip weltweit Aufmerksamkeit. Die Youtube-Reaction-Videos überschlagen sich – vor allem international. Inzwischen werde der Song auch von Radiostationen in Australien gespielt, so Ratajczak. Selbst der bekannte US-amerikanische Musikproduzent und DJ Marshmello sei auf den Song aufmerksam geworden.

So war „Hypa Hypa“ auch Eskimo Callboys Finale beim Wacken World Wide. Per Videoschnitt fügte sich der Auftritt in grellen Trainingsanzügen nahtlos ins vorherige, düstere Bühnenbild der Europahalle.

Von Youtube ausgebremst

Auftakt war indes der zweite neue Song „Love/Hate“, der sich um eine toxische Beziehung dreht – und daher eher rau rüberkommt. Youtube stufte das Video nach wenigen Tagen als „eventuell für einige Nutzer unangemessen“ ein und verbannte es hinter die Anmeldeschranke. Bis dahin hatte das Video (Premiere am 24. Juli) bereits 500.000 Youtube-Clicks gesammelt. „Für uns ist das natürlich doof“, erklärt Ratajczak, „das taucht jetzt nicht mehr bei den Trending-Videos auf und wegen der Anmeldung klickt wohl jeder Zweite wieder weg.“

Maximilian Knabe bei der Schiffstour auf dem Rhein-Herne-Kanal zur Präsentation des letzten Eskimo Callboy-Albums Rehab. Besser bekannt ist der Berliner als Gaming-Youtuber HandofBlood.

Maximilian Knabe bei der Schiffstour auf dem Rhein-Herne-Kanal zur Präsentation des letzten Eskimo Callboy-Albums Rehab. Besser bekannt ist der Berliner als Gaming-Youtuber HandofBlood. 2017 verkörperte er die beliebte Kunstfigur MC Thunder auf dem Album The Scene. Hier ist er ohne Verkleidung zu sehen. Nun kehrt er als MC Thunder zurück, die Arbeiten der Castrop-Rauxeler Band zum neuen Video laufen bereits. © Christian Püls

Einen weiteren Coup könnten Eskimo Callboy jedoch mit dem dritten Video zur EP „MMXX“ (römische Zahlen für das Jahr 2020) landen, die am 11. September erscheinen soll. Dafür reaktivieren sie die Kunstfigur MC Thunder, die abermals von Maximilian Knabe – besser bekannt als Gaming-Youtuber HandofBlood – verkörpert wird. Der Nachfolger soll „MC Thunder II (Dancing like a Ninja)“ heißen. „Wir arbeiten am Video“, erklärt Ratajczak, „am geplanten Drehort gibt es aber wegen Corona derzeit keine Einreiseerlaubnis aus Deutschland.“

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