Neubau oder Sanierung? So geht es mit Hafthaus 9 des Ickerner Gefängnisses weiter

mlzJVA Meisenhof

Einsturzgefährdet: 34 Insassen des Ickerner Gefängnisses mussten umgesiedelt werden. Wie groß war die Gefahr wirklich? Und wie geht es jetzt weiter auf dem JVA-Gelände von Castrop-Rauxel?

Ickern

, 14.09.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vorsorglich geräumt aus Sicherheitsgründen: So lautete die offizielle Pressemeldung, die JVA-Leiter Julius Wandelt und Barbara Kneißler vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW am Donnerstagnachmittag herausgaben.

An einer Giebelwand des Hafthauses 9 seien mehrere Mauerwerks-Risse aufgetreten. Begutachtungen hätten ergeben, dass sich das Gebäude an einer Seite abgesenkt habe. „Ursache hierfür sind laut Gutachten neu aufgetretene Schäden in der Bodenbeschaffenheit“, so die Meldung.

Ist eine Torflinse der „Übeltäter“?

Was heißt das nun im Klartext? Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte der Leitende Regierungsdirektor Julius Wandelt, dass man schon im August eine sogenannte Torflinse vermutet habe: Sie habe sich möglicherweise in der langen Trockenperiode des Frühsommers gebildet und dazu geführt, dass sich der Boden unter dem Gebäude zusammengezogen hätte.

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So sei die eigentliche Stütze des Hafthauses 9 möglicherweise weggefallen. „Aber da spekulieren wir zurzeit“, so Wandelt. Das soll nun Gegenstand weiterer Prüfungen sein, die der Liegenschaftsbetrieb hier unternimmt. Denn: Es gibt Nachbarhäuser, die genauso gebaut und genauso alt sind und vielleicht ebenfalls gefährdet sein könnten.

Gebäude wurden in den 50er-Jahren errichtet

Das Gebäude-Ensemble stammt aus den 1950er-Jahren. Die JVA Meisenhof als Gefängnis mit offenem Strafvollzug feierte vergangenes Jahr 50-jähriges Bestehen. Die Häuser sind also 70 Jahre alt - und in einem entsprechenden baulichen Zustand.

Neubau oder Sanierung? So geht es mit Hafthaus 9 des Ickerner Gefängnisses weiter

Risse im Gebäude auf dem Meisenhof-Gelände: Die Gefangenen können in diesem Haus nicht bleiben. © JVA Meisenhof

Darum ist die Frage berechtigt, was nun an selber Stelle passiert: Neubau oder Sanierung? In Hafthaus 9 waren 35 Gefangene in Kurzhaftstrafen untergebracht. Sie wohnten dort zum Teil in Fünferzimmern.

Wandelt: „Wir wünschen uns einen Neubau“

„Wir wünschen uns einen Neubau, klar“, sagte JVA-Chef Julius Wandelt am Donnerstag: „Wir haben auch an anderen Häusern schon Risse festgestellt. Wenn die Sanierungskosten eine Höhe erreichen, dass man neu dafür bauen könnte, dann wäre uns das natürlich lieber.“

Das hätte Vorteile: Man bekäme kleinere Hafträume, die die meisten Gefangenen sich wünschen würden. Man könnte die WCs und Duschräume nach aktuellem Standard bauen. Doch das wird nun auch Gegenstand langwieriger Prüfungen sein.

„Müssen nun eine schnelle Lösung hinbekommen“

Dass nun 34 Häftlinge in Bielefeld-Senne und nicht mehr in Ickern seien, führe zu keinen veränderten Abläufen: „Wir waren voll ausgelastet mit unseren 567 Haftplätzen“, so Wandelt. „Dass die Gefangenen weg sind, tut uns eigentlich gut, weil wir nun etwas mehr Platz haben.“ Aber man müsse „nun eine schnelle Lösung hinbekommen“, sagt er.

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