Dachdeckerbetrieb in Habinghorst hat einen neuen Chef (30)

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Der Dachdeckerbetrieb Theo Milte Bedachungen hat einen neuen Geschäftsführer. Er ist 30 Jahre alt – und ein alter Hase in der Firma in Castrop-Rauxel.

Habinghorst

, 11.12.2019, 18:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vor mehr als vier Jahrzehnten war die Dachdecker-Ausbildung für Theo Milte senior eigentlich nur der erste Schritt auf dem Weg zum Traumberuf Bauingenieur. Inzwischen feiert sein Dachdeckerbetrieb an der Wartburgstraße in Habinghorst sein 40-jähriges Bestehen.

Nun übergibt Theo Milte senior seine Firma an seinen Sohn. Theo Milte junior will den Betrieb mit nachhaltigen Technologien, grünen Dächern und der Ausbildung von Fachkräften in eine erfolgreiche Zukunft führen.

Nur Begleiter statt Co-Chef

„Mein Vater hat früher immer scherzhaft auf die Frage geantwortet, warum er seinen Sohn Theo genannt hat: ‚Dann müssen wir später die ganzen Autos nicht umlackieren.‘ Jetzt spart es tatsächlich Geld.“
Theo Milte junior

Seit dem 1. Dezember ist Theo Milte junior nun Geschäftsführer der Theo Milte Bedachungs GmbH. „Ich bin offiziell noch zwei Jahre begleitend da“, sagt sein Vater und fügt noch „stillschweigend“ hinzu. Auch die Geschäftspartner seien schon informiert. „Ich werde hier helfen, aber es darf keine zwei Chefs geben“, sagt der 63-Jährige. Einer müsse entscheiden – und der heiße Theo Milte junior.

Der neue Chef ist ein alter Hase in der Firma. Vor 14 Jahren hat der Junior seine Ausbildung in der väterlichen Firma begonnen. Inzwischen ist er ebenfalls Meister und kennt den Betrieb gut. Es sei nicht von Anfang an vorbestimmt gewesen, dass er die Firma einmal übernehmen wird.

„Das hat sich in den letzten Jahren ein Stück weit auch zu meinem Baby entwickelt. Und wenn man dann so viel Energie, Schweiß und Tränen reinsteckt, dann will man das Boot auch nicht verlassen.“

„Wir wollen das Rad nicht neu erfinden“

Nun kann Theo Milte junior seine eigenen Vorstellungen noch stärker in den Betrieb einbringen. Umkrempeln will er ihn aber nicht. Schließlich gebe es nichts Schlechtes zu berichten. „Wir sind Handwerker, wir wollen das Rad nicht neu erfinden“, sagt Milte junior.

Sein Ziel sei jedoch, Prozesse zu optimieren, betriebliche Abläufe zu digitalisieren, Kommunikation zu beschleunigen. „Es gibt nichts, wo ich sagen würde, das ist ganz furchbar gelaufen, das müssen wir um 180 Grad umdrehen“, sagt der 30-Jährige. Seine Herausforderung werde sein, gute Mitarbeiter zu halten und auszubilden.

Zahl der Bewerber sinkt

Früher habe Milte 150 Initiativbewerbungen im Jahr bekommen. Heute seien es vielleicht noch zehn, sagt der neue Firmenchef. Derzeit hat der Bedachungsbetrieb sechs Auszubildende. Trotz Fachkräfte-Mangels bekämen sie es noch hin, die Azubistellen zu besetzen. Aber nur, weil er seit einigen Jahren aktiv Werbung für eine Ausbildung bei Milte mache, erzählt Theo Milte junior.

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Seit 40 Jahren am Standort Castrop-Rauxel

  • Theo Milte sen. hat 1979 seinen Meister gemacht und am 30. November seine Dachdeckerfirma gegründet. Einen Azubi stellte er ein, der heute immer noch im Betrieb arbeitet.
  • Die ersten Aufträge kamen von einer Wohnungsbau-Gesellschaft in Bergkamen. So kam Milte in Kontakt mit der Gesellschaft THS, heute Vivawest.
  • Nach der deutschen Wiedervereinigung 1989 gründete Milte ein Tochterunternehmen, um die Dächer mehrerer tausend Häuser zu sanieren. Im Jahr 2000 löste Milte die Tochterfirma wieder auf, als sie nicht mehr konkurrenzfähig war und konzentrierte sich auf den Castrop-Rauxeler Betrieb.
  • Heute hat Milte etwa 60 Angestellte an der Wartburgsstraße 241.
  • Theo Milte jun. ist 30 Jahre alt, Dachdecker- und Klempner-Meister und Betriebswirt und hat sich umfangreich weitergebildet. Seit 14 Jahren arbeitet er im Betrieb seines Vaters.

Er möchte speziell Realschüler und Studienabbrecher für das Unternehmen gewinnen, sagt der 30-Jährige. „Ich versuche darauf zu setzen, die Qualität hier im Haus zu halten, wenn möglich noch zu verbessern.“ Fachkräfte im eigenen Betrieb auszubilden, sei enorm wichtig. Sie sollen Milte als Familienbetrieb kennenlernen, in dem die Meinung jedes Einzelnen zähle.

Auch eine gute Bezahlung, Wertschätzung und Aufstiegschancen müsse ein Unternehmer bieten. „Nur wenn die Leute gerne ihrer Arbeit nachgehen, entwickelt sich auch ein Gemeinschaftsgefühl und nur das schafft auch Qualität und Nachhaltigkeit“, sagt Theo Milte.

Allerdings kämpfe er wie andere Handwerksbetriebe auch damit, dass das Handwerk nicht immer gut angesehen sei. Viele Jugendliche hätten heute keinen Bezug mehr zur Arbeit mit den Händen. Das Handwerk habe oft ein schmutziges Image.

Doch die aufwendige Suche nach Azubis und die Investition in die Ausbildung lohnt sich, sagt der Vater. Zwei Drittel der Mitarbeiter seien im eigenen Betrieb ausgebildet worden.

Größter Betrieb der Region

Theo Milte junior will den Familienbetrieb auch mit neuen Techniken in die Zukunft führen. Laut dem Unternehmer-Magazin Revier Manager ist Milte der größte Dachdecker-Betrieb in der Region. Schon sein Vater ist stolz darauf, mit drei Autokränen und metallverarbeitenden Maschinen Alleinstellungsmerkmale geschaffen zu haben. Diesen Weg will der Sohn weiter gehen.

Neben Metall-Dächern und -Fassaden setzt der neue Chef auch auf Gründächer. „Allein dieses Jahr werden wir wohl 30.000 Quadratmeter Gründächer machen“, sagt Milte. „Das hilft der Natur ein Stück weiter.“ Im skandinavischen Raum seien Gründächer schon fast Standard, erzählt Theo Milte junior. Auch mit Beton-Dachsteinen, die CO2 aus der Luft filtern, arbeite seine Firma.

Dachdeckerbetrieb in Habinghorst hat einen neuen Chef (30)

Der Dachdeckerbetrieb Theo Milte an der Wartburger Straße 241. © Jessica Hauck

Man müsse den Wettbewerbern immer einen Schritt voraus sein, da sind sich Vater und Sohn Milte einig. Mindestens einen Schritt. Dann gebe es den Dachdeckerbetrieb auch noch weitere 40 Jahre.

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