Neues Theaterstück: Jede „Musikladen“-Aufführung bekommt ein eigenes Ende

Westfälisches Landestheater

Das WLT bringt den „Musikladen“ auf die Bühne. Der musikalische Leiter des WLT, Tankred Schleinschock, verrät im Interview, warum sich alle Vorstellungen voneinander unterscheiden.

Castrop-Rauxel

von Nora Varga

, 04.06.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Franziska Ferrari bei den Proben zu „Musikladen - Eine musikalische Wundertüte". Der musikalische Leiter des WLT, Tankred Schleinschock, spricht von einer Show, „die ganz in der Tradition unserer musikalischen Produktionen der letzten Jahre steht".

Franziska Ferrari bei den Proben zu „Musikladen - Eine musikalische Wundertüte". Der musikalische Leiter des WLT, Tankred Schleinschock, spricht von einer Show, „die ganz in der Tradition unserer musikalischen Produktionen der letzten Jahre steht". © Volker Beushausen

1972 startete Radio Bremen als Nachfolger für den legendären „Beat-Club“ ein neues Musikformat unter dem Titel „Musikladen“. In diesem Laden wurde eine wilde Mischung unterschiedlicher Musikstile angeboten und mit Kabarett abgerundet.

Am Freitag, 5. Juni, feiert das Stück „Musikladen – eine musikalische Wundertüte“ beim Westfälischen Landestheater seine Premiere. Es ist eine Hommage an die Sendung und direkter Nachfolger der Beat-Club-Show. Sabrina Dubray, Referentin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des WLT, sprach mit dem musikalischen Leiter Tankred Schleinschock über das Stück.

Premiere in Corona-Zeiten: Auf was müssen sich die Zuschauer einstellen?

Es ist natürlich keine leichte Geschichte so eine Inszenierung zu machen, wenn man eigentlich in einem der kontaktfreudigsten Bereiche – nämlich im Theater – den Kontakt quasi unterbinden soll. Aber einige meiner Kollegen sagten schon, dass dieses Stück wahrscheinlich mit Abstand das beste Stück sei, was man im Moment machen könnte.

Worauf können sich denn die Zuschauer freuen?

Die Zuschauer können sich auf eine Show freuen, die ganz in der Tradition unserer musikalischen Produktionen der letzten Jahre steht. Die Show „Beat-Club“ begann 1965 und hörte 1972 auf. Radio Bremen suchte dann ein Nachfolge-Projekt, das war der „Musikladen“. Das heißt, es ist voll mit der Musik der 70er-Jahre. Und das ist auch ein Jahrzehnt, das uns noch ein bisschen fehlte. Der Musikladen lief zwar auch bis in die 80er-Jahre hinein, aber der Schwerpunkt, den ich setzen werde, wird auf die frühe Musikladen-Zeit sein. Es gibt dann nur ein paar Ausläufer in die 80er-Jahre rein.

Du hast es schon angesprochen, der Musikladen war eine Show. Für alle, die den Musikladen nicht kennen: Was war das für eine Show und wie wird diese auf die Bühne gebracht?
Das Konzept Laden ist auch Programm: Ein Laden, in dem es eigentlich alles Mögliche gibt, wie im Supermarkt oder in einem großen Kaufhaus. So gab es im „Musikladen“ auch verschiedene Abteilungen, jede Art von Musik. Der Musikladen ist noch sehr viel stärker auf eine Breite von Stilistiken orientiert als der „Beat-Club“. Der „Musikladen“ geht verschiedene Stile durch: Deutsche Musik und Soul-Musik aus Amerika. Es gibt überhaupt einen viel stärkeren Akzent, der nach Amerika geht, ohne aber die Musik aus England zu vernachlässigen.

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Welche Songs sind deine Highlights aus der Zeit, die in der Show nicht fehlen dürfen?
Das Problem war nicht, welche Songs nicht fehlen dürfen. Es war eine Unmenge von guten Songs, weshalb eine Menge Arbeit investiert werden musste, um auszuwählen was man mitnimmt. Das hängt natürlich auch teilweise mit den Leute zusammen, die mitmachen. Welche Songs passen zu den Darstellern? Ich kann ein paar Sachen nennen: Motörhead mit „Ace of Spades“ war ein grandioser Auftritt. Van Morrison auch ein ganz toller Künstler. „Into the Mystic“ ist ein Song, der vorkommen wird. David Bowie wird bei uns vorkommen, mit „The Jean Genie“, einer seiner frühen, großen Hits.
Und es gibt etwas, was ich vorher noch nie in diesen Shows gemacht habe: Es gab im Musikladen eine feste Institution, „Die Oldie-Show“. Ganz am Anfang wurden immer einige Oldies vorgestellt. Das Publikum konnte per Telefonanruf wählen und am Ende der Sendung wurde dieser Oldie gespielt. Das will ich auch machen: Ich will den Leuten die Chance geben, in der Pause zu wählen und am Ende der Show wird dann der Sieger gespielt.

Also ist jede Show anders?

Ja, genau. So wie die Rolling Stones das bei ihrer Tournee auch gemacht haben, wo das Publikum immer seinen Lieblingshit aus drei, vier Vorschlägen im Internet auswählen konnte und dann spielten sie den jeweiligen Hit. Ich fand das damals schon toll. Das ist für uns auch immer eine kleine Überraschung.

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