Noah, der Prepper, am WLT: Aktuelles Thema, oberflächlich umgesetzt

mlzTheater-Premiere

Pandemie, Atomkrieg oder Zombie-Attacke: „Prepper“ sind gerüstet. Am WLT spielt zeigt „Noah, der Prepper“, ein Leben mit der Untergangs-Paranoia. Unserem Autor hat es nur bedingt gefallen.

Castrop-Rauxel

, 29.06.2020, 15:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass die Schauspieler Gesichtsschutz aus Plexiglas tragen, ist sicher Corona geschuldet, passt aber auch wunderbar zum Stück. Im Alltag von Leuten, die ständig mit dem Weltuntergang rechnen, wäre es nur logisch, wenn die Familie solchermaßen vorbildlich gegen eine Seuche gewappnet wäre.

„Noah, der Prepper“ heißt das Jugendstück (ab 13 Jahren) von Flo Staffelmayr, das Sonntag auf der Studiobühne des Westfälischen Landestheaters in Castrop-Rauxel Premiere feierte. Noah (Andreas Kunz) ist der Familienvater, der heimlich im Keller seine Arche gebaut hat, mit der er seine Lieben durch künftige Katastrophen schippern will. Nur seine Frau (Anne Noack) weiß, dass der Papa einen Bunker hergerichtet hat, dessen Vorräte das Überleben sichern, käme es knüppeldick.

Noah hat alle Szenarien durchgespielt

Und es wird knüppeldick kommen, davon ist Noah überzeugt. Sintflut, tödliche Strahlung, marodierende Plünderer – unser Prepper (von Englisch „to prepare“=vorbereiten) hat alle Szenarien durchgespielt. Der Mann lebt im Ausnahmezustand, allzeit bereit. Seine Frau spottet über Noahs „Hobby“, toleriert aber seine Besessenheit, wenn er nicht gerade mit Alarmübungen nervt.

Auf das Codewort „Die Gurken sind reif“ hat sie dann in den Keller zu eilen, Noah verrammelt die Tür und stoppt die Zeit: „1 Minute und 47. Das geht schneller!“

Noahs Kinder Isabel (Luisa Cichosch) und Felix (Chris Carsten Rohmann) wissen nichts vom Bunker, bis sie zufällig in den Keller stolpern, wo der Vater eben die Nachbarstochter (Thyra Uhde) gefesselt hat, sicher ist sicher. Das hätte ein Drama werden können, Flo Staffelmayr belässt es aber bei einer milden Farce oder Groteske.

Figuren sind mehr oder minder karikiert

Die Figuren sind mehr oder minder karikiert, am stärksten der paranoide Scharfmacher Noah, der den ganzen Kanon an Verschwörungstheorien herunterbetet. Als der Strom ausfällt und der Bunker sich automatisch verriegelt, scheint der Ernstfall gekommen, Noah ist gefordert.

Peter Adrian E. Krahl inszeniert alles mit einem Händchen für Komik und Absurdes, das Ensemble spielt wacker, das Stück hat trotzdem ein Problem: Staffelmayr schreibt dicht am Zeitgeist, aber die Figuren atmen nicht, sie wirken wie Chiffren oder Gesinnungsträger.

Die Kinder kommen als Öko-Apostel daher. Alles, was sie zu Plastikmüll, Tierwohl, Erderwärmung schlaumeiern, klingt nach Sprechblase und Phrasendrescherei.

Standpunkt des Autors bleibt vage

Darin könnte ein satirisch-ironischer Blick auf den Dialog der Generationen liegen, den das Stück aber nicht ausformuliert. Parolen paradieren vorbei, der Standpunkt des Autors bleibt vage. Großer Erkenntnisgewinn stellt sich nicht ein in dieser Revue der Weltrettungs-Slogans.

Ein Lob geht an Laurentiu Tuturuga (Ausstattung): Das Bühnenbild mit Dreh-Element bietet eine clevere Lösung für Wohnung und Bunker.

Weitere Aufführung

Dienstag, 22. 9., Stadthalle Castrop-Rauxel; Karten: Tel. (023 05) 97 80 20. www.westfaelisches-landestheater.de
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In „Noah, der Prepper“ geht es um den Familienvater Noah, der sich auf den Weltuntergang vorbereitet und im Keller alles Überlebensnotwendige gebunkert hat. Das WLT zeigt die Premiere am Sonntag.

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