Notruf-Missbrauch: Mehrfach-Täter vor Gericht

Langes Strafregister

"Ich habe meine Frau umgebracht." Das sagte der Castrop-Rauxeler, der am 12. Januar 2014 um 0.16 Uhr den Notruf wählte. Und damit Rettungswagen, Notarzt und Krankentransport sowie die Polizei in Bewegung setzte. Entwarnung um 0.30 Uhr: Der Frau ging es gut, sie war unverletzt. Für den Missbrauch der Notruf-Nummer musste der vorbestrafte Anrufer sich jetzt verantworten.

CASTROP-RAUXEL

, 10.02.2015, 15:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Dienstag saß der Anrufer auf der Anklagebank im Amtsgericht. Wo der 54-Jährige kein Unbekannter ist. Nicht nur der Missbrauch des Notruf-Telefons war angeklagt, womit der Angeklagte – nicht zum ersten Mal – einen Streit beilegen wollte, wie ein beteiligter Polizist aussagte. Auch wegen Bedrohung, Beleidigung und wegen des Fahrens eines Rollers ohne Fahrerlaubnis, dafür mit reichlich Alkohol im Blut, musste er sich verantworten.

Der Hintergrund der angezeigten Delikte liegt im familiären Bereich, der schwierigen Beziehung zur Lebensgefährtin und deren Mutter. Eine Liaison, die schon seit vier Jahren für jede Menge Zündstoff sorgt. Über Gründe sollte, so die Beteiligten, Stillschweigen herrschen, die Lebensgefährtin selbst war auch als Zeugin gar nicht geladen. Nur soviel wurde aus einem Protokoll verlesen: Sie wurde auch geschlagen.

Dafür saß ihre 62-jährige Mutter im Zeugenstand. Ließ an dem Angeklagten kein gutes Haar. Ständig betrunken, Telefonterror Tag und Nacht, immer wieder böse Beschimpfungen und Drohungen. „Drecksau“ und „Ich schlag dir die Fresse ein“, sind danach besonders häufig gefallen. Auch, als er die Schwiegermutter im Fitnesscenter aufsuchen wollte, was deren Freundin und ein Trainer glaubhaft bestätigten. Der Angeklagte schilderte die Situation vollkommen anders, gab an, von der 62-Jährigen ständig angerufen und beschimpft zu werden.

Führerschein schon lange entzogen

Die Rollerfahrt im betrunkenen Zustand hatte der Angeklagte dagegen zugegeben. Die Polizei hatte ihn im August vergangenen Jahres mit 1,21 Promille im Straßenverkehr erwischt. Einen Führerschein konnten die Ordnungshüter nicht einziehen. Den hat der 54-Jährige schon lange nicht mehr.

Am Prozess nahm auch ein Sachverständiger teil, ein Nervenarzt aus Dortmund, der keine krankhafte seelische Störung erkannte, auch keinen mittelschweren Rausch zum Zeitpunkt der angeklagten Delikte, was somit eine verminderte Schuldfähigkeit ausschloss.

Lang war die Liste der Vorstrafen, die verlesen wurde. Mehr als 30 Eintragungen, darunter immer wieder Beleidigung, Bedrohung, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Körperverletzung, mehrfach mit Freiheitsstrafen geahndet. Da kommen mit den gestrigen Urteil weitere zehn Monate hinzu. Der Richter verhängte die Haftstrafe ohne Bewährung. Dazu das Verbot, vor Ablauf von fünf Jahren einen neuen Führerschein zu erwerben. 

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