Nur Spaß? Zweites Emblem auf Ordnungsdienst-Uniform zeigte Sparta-Krieger

mlzTotenkopf-Affäre

War das bloß ein misslungener Spaß? Neben dem „Punisher“-Totenkopf auf der Uniform eines Ordnungsamts-Mitarbeiters trug auch ein Kollege ein sonderbares Emblem. Es gibt nun aber Klarheit.

Castrop-Rauxel

, 02.11.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Totenkopf-Affäre hat Erregung in Castrop-Rauxel ausgelöst: Ein Mitarbeiter des kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) hat mit einem „Patch“ auf seiner Uniform für reichlich Entrüstung gesorgt. Bei genauerem Betrachten eines Fotos unserer Redaktion, das vor drei Wochen bei einer Routinekontrolle in der Altstadt entstanden ist, taucht nun noch ein zweites Emblem auf.

Die Reaktionen kamen erst Ende vergangener Woche auf, als wir das Foto ein zweites Mal online veröffentlichten. Kritiker erkannten im Totenkopf das Emblem einer gewaltverherrlichenden, fiktiven Netflix-Serie, in der ein rachdurstiger Soldat einen ähnlichen Totenkopf auf seiner Kleidung trägt. Ein anderer Leser brachte das Symbol aber sogar in Verbindung mit dem Dritten Reich.

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Fakt ist: Der Totenkopf, den der Mitarbeiter bei mindestens einem Streifengang über dem Stadtwappen und unter dem Schriftzug Ordnungsamt auf seiner Dienstjacke trug, ähnelt sehr dem aus der Serie „Punisher“. Und Fakt ist auch: Sein Kollege trug bei demselben Streifengang ebenfalls ein Abzeichen auf der Weste.

Zweites Emblem mit kriegerischem Spruch

Der Patch des Kollegen zeigte das Konterfei eines Kriegers, offenbar eines Spartaners. Darauf deutete auch der Spruch auf dem Aufnäher hin: „With your shield or on it“ stand darauf.

Auf Deutsch in etwa: „Entweder mit dem Schild oder auf ihm“, was so viel bedeutet wie: Entweder du kehrst als siegreicher Krieger aus dem Kampf zurück – oder du wirst als gefallener Soldat auf deinem Schild getragen.

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Sind sie ironisch gemeint, also ein Spaß? Oder steckt dahinter eine problematische Gesinnung? Was haben diese martialischen Abzeichen auf der Kleidung von Uniformierten zu suchen, die im Dienste der Stadt Kontrollgänge machen und Bürger unterweisen und im Zweifel mit einem Bußgeld belegen?

Nichts. Das stellte die Stadt auch klar: Schon bevor der Wirbel Ende vergangener Woche aufkam, habe man mit den Trägern der Abzeichen gesprochen, hieß es am Freitag, und sie aufgefordert, das zu unterlassen. Das bestätigten sowohl Bürgermeister Rajko Kravanja als auch Stadtsprecherin Uta Stevens.

Stadt erarbeitet Dienstanweisung

Am Montag hieß es konkret von Stadt-Sprecherin Julia Schulze: „Die Stadt erarbeitet gerade eine Dienstanweisung für die städtische Dienstkleidung, deren Bestandteil auch ein explizites Verbot der Anbringung jeglicher privater Abzeichen auf der Dienstkleidung sein wird. Die Mitarbeitenden des Kommunalen Ordnungsdienstes werden darüber hinaus noch einmal von Bürgermeister Rajko Kravanja persönlich zu dieser Thematik sensibilisiert.“

Das Stadtwappen und der Totenkopf: Klar, dass das blau-gelbe Logo auf einer Ordnungsamts-Uniform besser aufgehoben ist als das weiße. Inzwischen werden keine privaten Abzeichen mehr geduldet.

Das Stadtwappen und der Totenkopf: Klar, dass das blau-gelbe Logo auf einer Ordnungsamts-Uniform besser aufgehoben ist als das weiße. Inzwischen werden keine privaten Abzeichen mehr geduldet. © Matthias Langrock (Ausschnitt)

Ein „ermahnendes Gespräch mit den betreffenden Personen“ habe stattgefunden, die Zeichen seien „umgehend entfernt“ worden. In dem Gespräch hätten sich die Vorgesetzten versichert, dass bei den Personen ein „harmloser Hintergrund“ zur Anbringung der Zeichen als „Glücksbringer“ vorlag, so Schulze weiter. Eine Abmahnung oder andere dienstrechtliche Folgen soll die „Totenkopf-Affäre“ nicht zur Folge gehabt haben.

Fährte führt zu Fitness-Halle in Habinghorst

Der „harmlose Hintergrund“ ließ sich durch Recherchen unserer Redaktion erhärten: Zwar werden Totenköpfe und spartanische Krieger als Symbole auch in rechtsextremen Kreisen gern verwendet, aber hier handelte es sich offenbar um zwei Symbole, die die Kickbox-Schule Sparta-X-Gym an der Langen Straße in Habinghorst ebenfalls nutzt: Der Totenkopf ist Teil des Logos auf der Website, der Spartaner Teil des Namens. Die Träger der beiden Abzeichen sind laut der Homepage Geschäftsführer und Kickbox-Trainer im Sparta-X-Gym, in dem es auch Fitness- und Zumbakurse gibt.

Am Wochenende war einer der beiden Männer im Einsatz. Das Emblem auf der Weste trug er nicht mehr und erklärte, er bedauere den Wirbel darum sehr.

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