Hund ohne Leine im Stadtgarten Castrop-Rauxel: Fall landet vor Gericht

mlz Ordnungsamt schritt ein

Weil ein Hund im Stadtgarten nicht angeleint war, forderte das Ordnungsamt ein Verwarngeld. Doch damit war die Hundehalterin nicht einverstanden und widersprach. Jetzt traf man sich im Gericht.

Castrop-Rauxel

, 05.08.2020, 08:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Mein Hund war direkt bei Fuß, außerdem war weit und breit kein anderer Mensch zu sehen.“ So schilderte eine 65-jährige Frau einen Winterspaziergang im hiesigen Stadtgarten. Heimisches Terrain, denn sie wohnt seit Jahrzehnten nur wenige Hundert Meter entfernt. So müssten ihr die großen Tafeln bekannt sein, die eine Anleinpflicht für Hunde vorgeben.

So ganz allein war sie an jenem Morgen dann doch nicht. Sie sei plötzlich von einer dreiköpfigen Personengruppe umringt worden, gibt sie an. Ordnungsamt, so stellte sich das Trio vor und wies auf die missachtete Anleinpflicht hin. „Sie wissen, dass das 55 Euro kostet“, sei sie angesprochen worden.

Hundehalterin fühlt sich ungerecht behandelt

„Um das Geld ist es mir nie gegangen“, sagte die Hundehalterin nun vor dem Amtsgericht Castrop-Rauxel, wo die Angelegenheit nach einigen schriftlichen Einlassungen gelandet war. Es gehe ihr vielmehr und die Art und Weise, wie sie angesprochen und behandelt worden sei.

Doch die drei Mitarbeiter des Ordnungsamtes – zwei von ihnen festangestellt, ein Praktikant – hatten sich offenbar genau so verhalten, wie es die Dienstanweisung vorgibt. Erfragten Personalien, überprüften, ob der Hund gemeldet ist. Und stießen hier auf Ungereimtheiten.

Weil der Vierbeiner der selben Rasse seines Vorgängers entspricht, der bereits 2010 gestorben war, hatte die Familie der Stadt keine Änderungsmitteilung gegeben.

Ordnungsamt wollte Impfnachweis und Sachkunde-Nachweis

Außerdem habe man einen Impfnachweis gefordert sowie den Nachweis zur Sachkunde des Hundehalters, dass er zu Führung geeignet sei. Das ist bei Hunden mit einer Schulterhöhe ab 40 Zentimetern in Nordrhein-Westfalen Pflicht. Und der Hund der Beklagten war größer. Ganze sieben Zentimeter mehr bis zur Schulter, wie einer der Ordnungsamt-Mitarbeiter in Erinnerung hatte.

„Wenn ich einen Bescheid bekommen hätte, hätte ich gezahlt“, so die 65-Jährige. Stattdessen habe man viele Unterlagen angefordert. „Das ist üblich“, so eine Mitarbeiterin der Stadt. Nach dem Landeshundegesetz sei dieser Hund eben nicht gemeldet gewesen.

Widerspruch

Verärgert hatte die Hundehalterin Widerspruch eingelegt. „Widerspruch gegen ein Verwarngeld gibt es nicht“, so die Sachbearbeiterin der Stadt. Deshalb sei die Forderung in ein Bußgeld umgewandelt worden, was zugleich eine Erhöhung der Summe bedeutete.

Mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde legte die 65-Jährige nochmals nach. Wegen der Art und Weise, wie sie behandelt worden sei. Im Gericht lenkte die Hundehalterin ein und zog ihren Einspruch zurück. So blieb es bei 55 Euro Verwarngeld. Zuzüglich der Gerichtskosten. „Das hätte besser laufen können“, meinte einer der Ordnungsamts-Mitarbeiter. Man lasse immer mit sich reden.

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