Ordnungsamt-Fehler kommt Rentner teuer zu stehen

Bußgeldbescheid

Anfangs fand Dieter Schröder die Sache noch lustig. Antwortete auf die Anhörung zur Ordnungswidrigkeit mit einem Satz: "Sie haben einen Falschen erwischt." Da ahnte der 77-Jährige noch nicht, dass sich dieser Fall über ein Jahr hinziehen und vor dem Gericht enden würde.

HABINGHORST

von Von Gabi Regener

, 05.05.2013, 10:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gegen Dieter Schröder aus Henrichenburg wurde fälschlicherweise ein Bußgeld erhoben.

Gegen Dieter Schröder aus Henrichenburg wurde fälschlicherweise ein Bußgeld erhoben.

Damit war die Sache für ihn erledigt. Dachte Dieter Schröder. Doch es kam anders. Im zweiten Brief vom 26. Juni, einem Bußgeldbescheid über 93,50 Euro hieß es wörtlich: "Ihre Äußerung wurde zur Kenntnis genommen, konnte jedoch letztlich nicht vom Tatvorwurf entlasten, da ein Lichtbildvergleich sie als Fahrzeughalter zum Tatzeitpunkt identifizierte." Schröder telefonierte mit dem Sachbearbeiter, erfuhr, dass in der Straße, in der er lebt, eine Frau gleichen Familiennamens wohne, aber nicht auf den Bescheid reagiert habe. "Da das Beweisfoto einen Mann zeigt, hat man wohl recherchiert und das Lospech fiel auf mich", so Schröder.

Im Rahmen der Amtshilfe besorgte sich das Ordnungsamt beim Einwohnermeldeamt Castrop-Rauxel ein Foto von ihm. Mit diesem Konterfei war für den Sachbearbeiter wie für seine Kollegen, wie er in einem weiteren Schreiben unterstrich, die Angelegenheit besiegelt: Es ist ein und dieselbe Person. Diese Sicherheit verwundert, vergleicht man das Foto Dieter Schröders mit dem stark verschwommenen Halbprofil des Beweisbildes. Schröder hingegen verunsicherte die Hartnäckigkeit des Amtes, so dass er einen Anwalt einschaltete. Dieser korrespondierte in seinem Namen, begleitete ihn schließlich zum Gericht in Marl.

Obwohl die Richterin bei der ersten Anhörung befand: keine Ähnlichkeit zwischen Original und Foto, gab es den Freispruch erst am dritten Verhandlungstag. Erst da war die Frau gleichen Hausnamens anwesend, die angab, den Mann nicht zu kennen, der ihren PKW gefahren haben soll. Dieter Schröder hat den Fall noch immer nicht ad acta legen können. Er wartet noch auf die Erstattung seiner Anwaltskosten. "Was wäre eigentlich, wenn Raub oder Mord vorläge und übereifrige Beamte leichtfertig unschuldige Bürger verdächtigen", fragt er kopfschüttelnd.

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