Parteien reagieren auf CDU-Vorstoß in der Kirmes-Frage: „Ziemlich unverschämt“

mlzKirmes

Die CDU hat sich mit ihrer erneuten Forderung für ein Kirmes-Aus in Castrop-Rauxel aus dem Fenster gelehnt. Die SPD findet gerade die Wortwahl im Parteiprogramm dazu „ziemlich unverschämt“.

Castrop-Rauxel

, 06.03.2020, 08:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die CDU Castrop-Rauxel hat in ihrem Kommunalwahlprogramm 2020 neben vielen anderen Forderungen ein Aus für die Frühjahrskirmes in Castrop und die Dorfkirmes in Henrichenburg formuliert.

„Was für die einen Unterhaltung bedeutet, führt bei Anwohnern zu deutlichen Beeinträchtigungen durch Lärm, Müll und Menschen mit sozial unangepasstem Verhalten, bis hin zu kriminellen Handlungen“, schreiben die Christdemokraten dazu im Kommunalwahlprogramm.

Argumente: Sauberkeit, Ordnung und Sicherheit

Und auch die Kaufleute in der Altstadt litten laut CDU in der Zeit der Kirmesveranstaltungen zudem unter ausbleibender Kundschaft. „Unter Berücksichtigung der Aspekte Sauberkeit, Ordnung und Sicherheit bekräftigen wir daher unsere Forderung, die Frühjahrskirmes abzuschaffen und sich zukünftig als Kompromiss für alle Beteiligten auf eine erfolgreiche Kirmes im Jahr zu konzentrieren.“

Wir haben die anderen Parteien um ihren Standpunkt in dieser Frage gebeten. Bis auf die FDP haben alle geantwortet:

Lisa Kapteinat (SPD): Ziemlich unverschämt

„Grundsätzlich begrüßen wir es immer, wenn unser Stadtleben durch Kirmes und ähnliche Veranstaltungen bereichert wird. Mit der Kirmes wird ein breites Spektrum unserer Bürgerschaft angesprochen, noch mehr als bei anderen Veranstaltungen. Das Parteiprogramm der CDU liest sich so, als würden diejenigen, die sich an der Kirmes erfreuen, als „Asoziale“ abgestempelt werden. Das finden wir vor allem eins: ziemlich unverschämt. Wo ist der Unterschied zu Veranstaltungen wie Castrop kocht über? Ist der Lärm- und Stresspegel für die Anwohnenden dort wirklich geringer? Oder gehören die Kirmesfans vielleicht einfach nicht zum Wählerklientel der CDU?“

Holger Schelte (Grüne): Nachhaltiger machen

„Sollten die verschiedenen Kirmes-Veranstaltungen unserer Stadt Thema unseres Wahlprogrammes werden, was Stand jetzt nicht feststeht, werden wir es sicher nicht unter gleichen Gesichtspunkten wie die CDU betrachten. Fragen wie „...Müll und Menschen mit sozial unangepasstem Verhalten, bis hin zu kriminellen Handlungen“ sowie „...Aspekte Sauberkeit, Ordnung und Sicherheit“ spielen für uns eine eher untergeordnete Rolle gegenüber der Frage, ob Veranstaltungen mit einem traditionell großen Energieaufwand heute noch zeitgemäß sind. Uns interessiert mehr, ob und wie Veranstaltungen mit langer Geschichte und Tradition in unserer Stadt sich den aktuellen Bedürfnissen anpassen und weiterentwickeln können, indem sie klimafreundlicher und nachhaltiger werden.“

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Margita Gudjons (Linke): Beliebter Treffpunkt

„Die Kirmes ist ein beliebter Treffpunkt unserer Castroper Jugendlichen. Gerne besuchen auch Großeltern mit ihren Enkeln die Veranstaltung. Nach unseren Informationen können sich die Anwohner darauf verlassen, dass an diesen Wochenenden ab 10 Uhr abends Ruhe einkehrt. Beeinträchtigungen wird es immer geben, ob durch Markt, Kirmes oder andere Veranstaltungen. Eine Abschaffung ist nicht die Lösung.“

Annette Korte (FWI): Geräuschkulisse gehört dazu

„Zu den aufgeführten Beeinträchtigungen gerade in der Altstadt durch Lärm, Müll und Vandalismus könnte man auch mit Ordnungskräften vorgehen. Eine Veranstaltung, deren Kern es ja auch ist, Menschen in die Altstadt zu locken, geht nunmal mit einer gewissen Geräuschkulisse einher. Wir sind der Meinung, dass jemand, der zentral in der Stadt wohnt, an einem Platz der sich geradezu für Kirmes, Volleyballfest, Adventszelt und Castrop kocht über anbietet, auch mit diesen Festivitäten rechnen muss und zwangsläufig nicht die Ruhe eines Naherholungsgebietes erwarten kann. Die Menschen in unserer Stadt sollten entscheiden, was sie als Veranstaltungen in Castrop-Rauxel haben wollen.“

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