Pastor statt Fußballprofi: Promi-Priester feierte in Frohlinde eine besondere Messe

mlzSchutzengelkirche

Ein einst angehender Fußballprofi hat am Mittwoch eine Heilige Messe in Castrop-Rauxel gefeiert. Nicht als Gast, sondern als Priester. Uns erzählte er, wie er zum Geistlichen wurde.

Frohlinde

, 08.12.2019, 11:41 Uhr / Lesedauer: 3 min

Geld, Sex und Macht - je mehr, desto besser. „Das alles lag wie auf einem Präsentierteller vor mir“, erinnert sich der 33-jährige Patrick Kaesberg aus Schloss Neuhaus. Als 19-jähriger stand er kurz davor, Fußballprofi zu werden. Er spielte für Arminia Bielefeld und den SC Paderborn. „Ja, das ist es“ - dachte er damals jedenfalls. Doch dann kam alles anders.

„Fußball, das war mein Leben“

„Ich stamme aus einer katholischen Familie“, erzählt er unserer Reporterin im Nachgang einer besonders stimmungsvollen Adventsmesse, die er am Mittwoch in der Schutzengelkirche in Frohlinde zelebrierte. „Ich habe mich aber nie richtig für die Kirche interessiert. Fußball, das war mein Leben.“

Bald merkte er aber, dass ihn dieses Leben auf Dauer nicht glücklich machte. Was fehlte, waren echte Freundschaften und innere Zufriedenheit.

„Ich fing an, Evangelien zu lesen. Ich fragte mich: Ist das wahr, was da in der Bibel steht? Wie kann es denn sein, dass elf Menschen aufgeregt erzählten, dass Jesus aus seinem Grab verschwunden ist, weil er von den Toten auferstanden ist?“

Das Faszinosum der Treue der Apostel

Das erzählten die Apostel immer wieder, obwohl sie dafür schwer gefoltert wurden. „Das ist doch so, als ob kleine Kinder standhaft eine Geschichte erzählen, dafür aber bestraft werden. Kann es sein, dass 2000 Jahre lang nur Irre erzählen, was damals geschehen ist?“

Die Wende in Kaesbergs Leben kam nicht durch ihn selbst. Die Berufung zum Priesteramt sei von ganz oben gekommen. Im „Vater unser“ gibt es einen Satz, der sein Leben nun leitet. „Herr, dein Wille geschehe!“

2011 war Schluss mit der gerade erst startenden Fußballkarriere

2011 hörte der Ostwestfale mit dem leistungsorientierten Fußball auf. „Das Theologie-Studium war wie Privatunterricht“, erinnert er sich. Mit vier weiteren Kommilitonen bereitete er sich im Priesterseminar Paderborn auf seine berufliche Zukunft vor.

Am 8. Juni 2019 erhielt Patrick Kaesberg seine Priesterweihe im Hohen Dom zu Paderborn. Aber ist er jetzt glücklich? „Ja“, lautet seine überzeugte Antwort. „Ich führe jetzt ein viel freieres Leben.“

Schwierige Fragen um Geld, Sex und Macht

Hat er weniger Geld? „Geld hat man viel zu viel als Priester. Es ist eine Schande, wer als Priester behauptet, er habe zu wenig Geld. Dazu fällt mir echt nichts ein.“

Und der Verzicht auf Sex? „Ja, das ist ein Opfer. Klar, aber so hat Jesus auch gelebt. Es ist ein hohes Ideal, aber man kann so auch glücklich werden. Man muss nur gut auf sich aufpassen. Man braucht gute Freunde. Allein schafft man das nicht. Ich habe auch außerhalb der Priesterschaft gute Freunde, die mich seelisch unterstützen.“

Pastor statt Fußballprofi: Promi-Priester feierte in Frohlinde eine besondere Messe

Die Schutzengelkirche in Frohlinde: In dieser Dorfkirche hielt der Priester seine Messe als Gast-Zelebrant. © Volker Engel

Und was ist mit Macht? „Es gibt unzählig viele Punkte, die mich jetzt viel intensiver leben lassen. Das wäre nicht so, wenn ich verheiratet wäre. Dann hätte ich nicht so viel Zeit, mich um die anderen Menschen zu kümmern. Mit Macht hat das nichts zu tun, aber ich habe die Freiheit, dass jeder Tag anders ist. Mein Beruf ist unglaublich vielfältig.“

So läuft Kaesbergs Alltag heute ab

Heute bei einer Familie, die einen geliebten Menschen verloren hat. Zwei Tage später ein Kind taufen. Zwischendurch Zeit, eine Stunde joggen zu gehen: Das ist sein Alltag. „Außerdem habe ich mich in einem Team in der Kreisliga A angemeldet. Das wird allerdings schwierig, weil ich ja sonntags nicht auf dem Fußballplatz sein kann, sondern in der Kirche bin“, sagt der Ostwestfale.

Am Mittwoch durften Frohlinder Gemeindemitglieder erleben, wie Patrick Kaesberg eine stimmungsvolle Atmosphäre in die Kirche der Schutzengelgemeinde zaubert.

Treffen in Jerusalem: So kam es zum Besuch in Frohlinde

Auf Einladung des Kirchenvorstandes Michael Wefringhaus kam der Vikar aus Netphen nach Frohlinde. Abgemacht hatten die beiden diesen Termin bereits im Januar 2017. In Jerusalem. Dort traf Wefringhaus als Ritter vom heiligen Grab auf Kaesberg.

Eine glückliche Fügung. In der nur von Kerzen erhellten Kirche war die adventliche Stimmung zum Greifen nahe. Nach dem Einzug in das Gotteshaus stimmte Kaesberg mit den Messdienern einen Gesang mit Gänsehaut-Gefühl an. In seiner Predigt erläuterte er den Spruch aus der Bibel: „Fürchtet euch nicht!“ Er ging auf weltliche Krisen wie Klimawandel und Kriege ein, besprach die Krise in der Kirche und bezog sich auf persönliche Situationen der Gemeindemitglieder.

Es wird noch zwei weitere solcher Roratemessen im Advent in Frohlinde geben, jeweils mittwochs um 19 Uhr. Dann mit anderen Gästen: Am Mittwoch, 11. Dezember, kommt Weihbischof Matthias König aus Paderborn zum Thema „Ich verkünde euch eine große Freude ...“. Am Mittwoch, 18. Dezember, lautet das Motto „Ehre sei Gott und Frieden auf Erden...“. Zelebrant ist dann Pastor Andre Assheuer aus Welver.

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