Pfarrhaus-Bande: Richter signalisieren Aussichten auf ein vorzeitiges Urteil

mlzLandgericht Bochum

Im „Pfarrhaus-Prozess“ gegen drei mutmaßliche Serieneinbrecher haben die Richter die angeklagte Frau (48) jetzt direkt angesprochen – und ihr dabei eine Haftverschonung in Aussicht gestellt.

Castrop-Rauxel

, 17.07.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Prozess gegen die drei mutmaßlichen Mitglieder der „Pfarrhaus-Bande“ (zwei Männer, eine Frau) haben die Bochumer Richter am Dienstag durchblicken lassen, dass die angeklagte Frau (48) möglicherweise durch eine Änderung ihres Prozessverhaltens deutliche Vorzüge spüren könnte. „Wenn Sie sich hier von Anfang an anders verhalten hätten, wären Sie möglicherweise jetzt schon auf freiem Fuß“, sagte Richter Josef Große Feldhaus.

Erstes Urteil noch vor der Sommerpause möglich

Sollte sich die 48-Jährige statt weiter zu schweigen, zu einer Einlassung durchringen können, „könnte der Prozess für Sie in zwei Verhandlungstagen zu Ende gehen“, hieß es weiter. Das hieße also noch vor der „Sommerpause“ ab Mitte August. Andernfalls, so Richter Große Feldhaus, sichere sich die Angeklagte – ebenso wie ihre Mitangeklagten – in den kommenden Monaten weiter eine Art Dauerkarte im Schwurgerichtssaal.

Als mögliches Prozessende für den Fall des weiteren Schweigens der Angeklagten stellte das Gericht den Mai 2020 in den Raum. Bis dahin müssten jedenfalls noch abgehörte Telefongespräche abgespielt, übersetzt und so in den Prozess eingeführt werden, hieß es.

„Gutwilliges Angebot“

Ob und wie die angeklagte Frau auf das „gutwillige Angebot“ (O-Ton Richter Große Feldhaus) reagiert, ließen ihre Verteidiger am Dienstag noch offen. „Wir werden das gerne nochmal mit der Mandantin besprechen“, hieß es. Was dabei herauskomme, wisse man derzeit aber noch nicht.

Ende Mai hatten die Bochumer Richter bereits durchblicken lassen, dass das Trio selbst bei Geständnissen mit empfindlichen Gefängnisstrafen rechnen muss: Der Hauptangeklagte (44) könnte zu elfeinhalb Jahren, der Mitangeklagte (28) zu neun Jahren und die 48-jährige Frau zu insgesamt knapp fünf Jahren Haft verurteilt werden. Die Angeklagten hatten auf dieses Verständigungsangebot allerdings weiter geschwiegen, so dass die Beweisaufnahmen ungehindert fortgeführt wurde.

Sofortige Haftverschonung bei Urteil möglich

Weil bei der angeklagten Frau selbst bei einer zu erwartenden Haftstrafe von fünf Jahren eine sofortige Haftverschonung zeitgleich mit der Urteilsverkündung im Raum stehen könnte, sprachen die Richter sie am Dienstag noch einmal direkt an.

Dem angeklagten Trio aus Gelsenkirchen werden insgesamt 32 Einbrüche und Raubüberfälle zumeist in Pfarrhäusern in Nordrhein-Westfalen zur Last gelegt. In Castrop-Rauxel hatten die Täter im Pfarrhaus der St.-Lambertus-Gemeinde einen Tresor aus der Verankerung gehebelt. In Haltern wurde im Pfarrhaus von St. Sixtus der dort anwesende Pater James attackiert, gefesselt und eingesperrt. In Dortmund wurde ein Pfarrer im Pfarrhaus der Gemeinde St. Urbanus angegriffen.

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