Pläne für Castrop-Rauxels Schrottimmobilien, Gammel- und Horror-Häuser

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Schrottimmobilien, Problem-, Geister- und Gammelhäuser sind aktuell ein Thema in der Castrop-Rauxeler Politik. Die Probleme muss man unterschiedlich angehen. Was tut man?

Castrop-Rauxel

, 02.07.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die CDU will die Castrop-Rauxeler Stadtverwaltung beim Thema Schrottimmobilien in die Pflicht nehmen: „Die Verwaltung wird beauftragt, ein Handlungskonzept zu entwickeln, das bei Problemhäusern und Schrottimmobilien selbstverpflichtend zur Anwendung kommt und alle rechtlich zur Verfügung stehenden Mittel berücksichtigt, die zur Beseitigung von Gefahren und städtebaulichen Fehlentwicklungen möglich und geeignet sind“, hieß es in einem Antrag an den Rat.

Die Definition, was Problemhäuser und Schrottimmobilien sind, ob sie das gleiche bedeuten wie die vom Volksmund genutzten Begriffe Horror-, Geister- und Gammelhäuser, und was man tun kann, übernahm Bettina Lenort. Die Stadtbaurätin kümmert sich allerdings nicht um den ganzen Werkzeugkasten, der hier von der Stadtverwaltung zur Anwendung kommt (oder kommen kann). Denn der Bereich Soziales sei dabei ebenso wichtig.

„Wir brauchen kein neues Konzept“

Bürgermeister Rajko Kravanja erdete die Diskussion als Vorsitzender des Stadtrates zunächst: „Beim Umgang mit Problemimmobilien bietet das Heimatministerium des Landes NRW ein Handlungskonzept an. Wir wenden dieses Konzept schon an, wir brauchen kein neues.“ Man sei ja „vollumfänglich dabei“, so Kravanja.

Bettina Lenort ging in die Tiefe: Sie teilte das Thema in zwei Bereiche auf. Es gebe Themen, die über den Sozialbereich über eine Zusammenarbeit mit den Sozialleistungsträgern laufen müsse, und einen anderen Bereich, den der Bauordnung und städtebaulichen Entwicklung, für den sie selbst sprechen kann.

In der Bauordnung arbeite man mit Ordnungsverfügungen, wenngleich „nicht so oft, wie wir uns das wünschen würden“, so Lenort. Verstöße gegen das Wohnungs- und Immobiliengesetz ahnde man, sofern die Wohnungen nicht mehr bewohnbar sind. Beispiele dafür seien in Castrop-Rauxel aber nicht vorzufinden.

Es gebe hingegen Häuser, die durch übermäßige oder falsche Nutzung „nicht mehr ins städtebauliche Gefüge passen“, so Lenort. Sie nannte die einzelnen Wohngebäude nicht explizit, aber in diese Kategorie passen wohl die „Problemhäuser“ an der Wittener und an der Langen Straße 107, die teilweise auch als Horror-Häuser bezeichnet werden.

Dieses Gammelhaus zerfällt in der Bergstraße schon seit vielen Jahren. Aber es steht immer noch.

Dieses Gammelhaus zerfällt in der Bergstraße schon seit vielen Jahren. Aber es steht immer noch. © Thomas Rekendt

Man könne ein städtebauliches Verfahren aber nicht so einfach in Gang setzen. Dafür müsse man den großen Ansatz mit einem Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) bemühen. „Es muss sich dabei aber um Gebäude handeln, die nicht nur dem Wohnzweck dienen“, so Lenort.

An der Wittener Straße wird nur gewohnt, doch an der Langen Straße gibt es im Erdgeschoss Lokale. Die Kommune müsse einen finanziellen Eigenanteil beisteuern, man müsse zusammen mit Eigentümern und Bewohnern ein Sozialkonzept entwickeln und die Mieter anderweitig adäquat unterbringen. „Das sind alles sinnvolle Dinge“, so Lenort, „aber wir müssen schauen, worauf wir uns konzentrieren.“

Beim Thema Schrott- und Problemimmobilien verfolge man eher den Ansatz, den Bereich Soziales einzubeziehen. Sozialdezernentin Regina Kleff knüpfte da an: „Der Bereich Migration und Obdachlosenhilfe ist hier an der Schnittstelle zum Jobcenter eng dran. Wir achten auf Mietzahlungen, sind mit Sprachmittlern vor Ort und in Sachen Bildung aktiv in Zusammenarbeit mit Schulen und Kitas.

Bildung und Beratung sind wesentliche Elemente von Integration. Wir leben davon, dass die Menschen sich daran anlehnen, dass wir sie in die Pflicht nehmen aber ihnen auch helfen.“ Kleff meint: „Das läuft gut.“ Sie zählte im Stadtrat gemeinsame Sportangebote und spezielle Sprachkurse auf, um ein Aufeinanderzugehen zu bedingen.

Daniel Molloisch (SPD) sagte: „Wir kümmern uns als Stadt, aber es entbindet die Leute, die Eigentum haben, nicht davon, sich selbst auch zu kümmern. Eigentümer müssen Sorge dafür tragen, dass ihr Eigentum den Bürgern in Castrop-Rauxel zuzumuten ist. Das hat auch mit Solidarität zu tun.“

„An einer Hand abzählen“

  • Nils Bettinger (FDP) meinte im Stadtrat, man könne die Schrottimmobilien in Castrop-Rauxel „doch an einer Hand abzählen. Die CDU will nun ein Handlungskonzept entwickeln lassen. Dabei ist die Stadt doch tätig. Sieht die Verwaltung ein so großes Problem für den größeren Aufwand? Wir sehen eine solche Lage nicht“, so der Ratsherr und FDP-Bürgermeisterkandidat.
  • Bettina Lenort nahm noch Stellung zu einem „Gammelhaus“ in Dorf Rauxel an der Bergstraße: Das dem Abriss geweihte verfallene Gebäude habe einen „sehr willigen Eigentümer“: „Wir sind in Kontakt, aber wegen Corona hat sich der Abriss etwas verzögert.“ Die nächste Eskalationsstufe für die Stadt sei hier eine Abbruchverfügung. Lenort: „Das Mittel würden wir durchaus auch anwenden.“
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