Polizei ermittelt gegen vermeintlich Gelähmten

Nach Vorfall in Castrop-Rauxel

Eine Krankenschwester aus einem Castrop-Rauxeler Krankenhaus erzählte unserer Redaktion von einem dreisten Fall: Ein im Rollstuhl sitzender Mann bat sie um Hilfe beim Toilettengang - und rannte anschließend davon. Wir berichteten. Und jetzt wurde die Polizei aktiv: Sie leitete ein Ermittlungsverfahren gegen den Mann ein.

CASTROP-RAUXEL

, 31.12.2016, 11:09 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Polizei hat Ermittlungen im Fall des vermeintlich Gelähmten aufgenommen.

Die Polizei hat Ermittlungen im Fall des vermeintlich Gelähmten aufgenommen.

Die Castrop-Rauxeler Krankenschwester, die anonym bleiben will, berichtete unserer Redaktion am Dienstag von dem dreisten Fall: Ein Mann habe sie vor einiger Zeit in einem der beiden Castrop-Rauxeler Krankenhäuser – welches, das will sie nicht verraten – um Hilfe beim Toilettengang gebeten. Er habe im Rollstuhl gesessen und gesagt, dass er gelähmt sei – „weder gehen noch stehen“ könne.

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Doch kurz nachdem die Krankenschwester ihm geholfen hatte, habe sie ihn rennen und mit einem Fahrrad davon fahren gesehen. Die Frau informierte die Polizei, „aber man sagte mir, dass man nicht rauskommen könne. Dass dafür keine Kapazitäten da seien.“ Man habe ihr geraten, Anzeige zu erstatten – aber dazu konnte sie sich „irgendwie nicht durchringen“. Sie sagte auf Anfrage unserer Redaktion, dass sie sich blöd vorkam. Und „widerlich“.

Es handelt sich nicht um einen Einzelfall

Jetzt aber ist die Polizei über unsere Redaktion erneut mit der Krankenschwester in Kontakt getreten. Nach unserem Bericht leitete die Kreispolizeibehörde ein Ermittlungsverfahren ein. Nach unserem Bericht kam nämlich auch heraus: Es war kein Einzelfall. Im Gespräch mit Kollegen erfuhr die Krankenschwester, dass es ähnliche Vorfälle gegeben habe. Jetzt hofft die Frau auf Aufklärung.

Der Fall aus Castrop-Rauxel erinnert an eine Serie von sonderbaren Taten, die sich bis 2010 in der Eifel zugetragen hatten. Dort soll sich ein 46-jähriger Mann immer mit derselben Masche über fast 20 Jahre etwa 150 Mal Hilfeleistungen von Frauen beim Urinieren erschlichen haben. Dazu soll er an rund 1000 Haustüren geklingelt haben. Ein Staatsanwalt sagte damals, dass die Fälle, in denen der Mann keinen Zwang ausgeübt habe, nicht strafbar gewesen seien. Er wurde aber wegen anderer Sexualdelikte gerichtlich verfolgt. 

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