Ein Blick ins Gewahrsam der Polizei in Castrop-Rauxel © Ronny von Wangenheim
Wir öffnen Türen

Polizeigewahrsam: Frisch renovierte Zellen bereit für den ersten Gast

Wer hier das Nachtlager aufschlägt, tut das nicht freiwillig. Auch wenn die Polizei renoviert hat. Das Gewahrsam in der Wache an der Erinstraße bietet vier frisch geflieste Zellen.

Ausnüchterungszelle heißt es im Volksmund. Gewahrsam ist der offizielle Sprachgebrauch bei der Polizei. Hier werden Menschen aus unterschiedlichen Gründen festgehalten. Und ja, Ausnüchterung, ist einer davon.

In der Wache an der Erinstraße in Castrop-Rauxel sind noch nicht alle Zellen bezugsfertig. Die Sanierung und Modernisierung wurde gerade erst abgeschlossen, noch dürfen nicht überall die grauen Fliesen betreten werden. Das gilt vor allem für den größten Raum, in dem sich mehrere Menschen gleichzeitig aufhalten können. Das komme allerdings fast gar nicht vor, sagt Polizeisprecher Andreas Lesch.

Ein Blick durch die Klappe in der dicken Zellentür zeigt das einzige Mobiliar: Toilette und Liege.
Ein Blick durch die Klappe in der dicken Zellentür zeigt das einzige Mobiliar: Toilette und Liege. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

Die Einrichtung ist wie überall spartanisch. Es gibt zwei gegossene Bänke mit Holzauflage, hinter einer stählernen Trennwand finden sich Toilette und Becken übereinander, ebenfalls aus Edelstahl.

Graue Fliesen am Boden, graue Fliesen an den Wänden, ein Fenster mit Milchglas und ohne Griff, es gibt keine Ecken und Kanten, alle Formen sind möglichst abgerundet: Hier soll sich niemand verletzen. Und niemand etwas kaputtmachen können. Das Licht machen die Beamten von außen an und aus. In jeder Zelle gibt es eine Klingel, mit der man auf sich aufmerksam machen kann.

Matratze und Decke für die Nacht

In den drei kleineren Zellen für einzelne „Besucher“ findet sich statt der Bank eine hölzerne Liege. Wird hier jemand in Gewahrsam genommen, bekommt er oder sie noch eine Matratze und eine Decke. Beides wird jedes Mal gereinigt. Auch hier gibt es Toilettenschüssel und Waschbecken, aber keine Abtrennung. Eine fünfte Zelle bietet Dusche, Toilette und Becken.

Ins Gewahrsam kommt man unauffällig über den Wachparkplatz. Durch einen unscheinbaren Eingang und eine Schleuse geht es hinein. Jede Zelle ist mit einer sehr dicken Tür versehen, jede hat eine Klappe.

„Da kann man schnell mal ein Getränk oder etwas zu essen durchreichen, ohne die schweren Türen öffnen zu müssen“, sagt Andreas Lesch. Rund 300 „Übernachtungsgäste“ gebe es in jedem Jahr. Vor allem am Wochenende. Und manchmal sei auch jede Zelle belegt, so der Polizeisprecher.

Und wer wird hier nun in Gewahrsam genommen? „Wer festgenommen wird, weil er bei einer Straftat aufgegriffen wurde“, sagt Andreas Lesch. Der Einbrecher zum Beispiel, der auf frischer Tat ertappt wird. Dann bleibe er in Gewahrsam, bis geprüft ist, ob er in Haft gehen soll. Dabei ist auch die Schwere der Tat mitentscheidend. Ein anderer Fall sei, wenn man die Identität nicht feststellen könne.

Alkoholisierte schlafen ihren Rausch aus

Neben diesen strafrechtlich relevanten Gründen gibt es den Bereich der „Gefahrenabwehr“. Wenn jemand Platzverweis bekommt, diesen aber nicht befolgt, kann das unter Umständen ein Grund sein. Oder wenn jemand eine Straftat ankündigt.

Dusche und Toilette im Polizeigewahrsam
Dusche und Toilette im Polizeigewahrsam © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

Dazu zählt auch, dass der Mensch keine Gefahr für sich selbst darstellt, weil er beispielsweise zu sehr alkoholisiert ist, um sicher nach Hause zu kommen. Da passt dann der Begriff Ausnüchterungszelle. Hier, wie auch bei Drogenkonsum oder Verletzungen, wird im Zweifelsfall ein Arzt hinzugezogen. Egal aus welchem Grund jemand im Gewahrsam landet, spätestens am nächsten Morgen, so Andreas Lesch, muss ein Richter entscheiden, wie lange er bleiben darf.

Wie reagieren die Menschen auf den Gewahrsam. „Die meisten legen sich hin und schlafen“, sagt Andreas Lesch. Andere versuchen, mit den Bewohnern der Nachbarzellen Kontakt aufzunehmen. Betrunkene würden auch mal singen. Lesch: „Es gibt welche, die singen die ganze Nacht durch.“

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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