Polizist vor Gericht: Sparclubgelder veruntreut?

CASTROP-RAUXEL Überfall oder Täuschung? Der Kassierer eines Sparclubs, hauptberuflich Polizist, muss sich vor Gericht wegen Veruntreuung verantworten.

von Gabriele Regener

, 31.03.2009, 16:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
Polizist vor Gericht: Sparclubgelder veruntreut?

Täuschend echt: Den falschen Seelsorger hielten viele für einen echten Geistlichen.

Am 1. Dezember 2007 rollten in der Rauxeler Kneipe dicke Tränen. Rund 30 Mitglieder des ansässigen Sparclubs warteten auf ihren Kassierer. An diesem Abend sollte es Bares geben. Geld, das die Leute ein Jahr lang angespart hatten. Stattdessen kam ein Anruf: Überfall, das Geld war futsch. Insgesamt 16.608,50 Euro, von etlichen in Gedanken schon für Weihnachtsgeschenke verplant.

Gestern saß der Kassierer, ein 54-jähriger Polizeibeamter, auf der Anklagebank. Der Vorwurf: Unterschlagung und Vortäuschung falscher Tatsachen wider besseren Wissens. Denn den eigenen Kollegen schienen die Zeugenaussagen wohl nicht ganz glaubwürdig.Finanzielle Schwierigkeiten Zwei Männer hätten ihn überfallen, als er mit dem Geld, das er zuvor für jedes Mitglied eingetütet und dann in einer Jutetasche verstaut hatte, das Haus verlassen habe, sagte der Angeklagte aus. Schon eine Viertelstunde, nachdem die Kunde von diesem Überfall in der Kneipe die Runde gemacht hatte, kamen laut Aussage des Wirts erste Zweifel auf. In zwei anonymen Anzeigen wurde der Verdacht ebenfalls ausgesprochen.

Zündstoff für diese Vermutungen waren finanzielle Schwierigkeiten des Angeklagten. Auch Kollegen hatte er schon anzupumpen versucht. Und die Tatsache, dass das Sparclub-Geld nicht auf ein Bankkonto eingezahlt, sondern im Waffenfach seiner Dienststelle aufbewahrt wurde, wirkt zumindest unprofessionell. Die Zinsen, die eine Bank für das Ersparte gezahlt hätte, will der 54-Jährige aus eigener Tasche draufgelegt haben.

Rosenkrieg mit Ehefrau Beim Verhör der Ehefrau, von der der Mann getrennt lebt, tat sich ein Rosenkrieg auf. Beide suchten die Schuld für die Schulden beim Partner, selbst die beiden Söhne wurden nicht geschont und mussten in den Zeugenstand.

Das wollte der Vater so, besser dessen Anwalt. Denn der Nachwuchs sollte bestätigten, dass die Mutter dem Vater, der seit zwei Jahren mit einer 34-jährigen Frau liiert ist, Rache geschworen hatte. Gespräche mit Freundinnen und dem Kneipenwirt hätten dies zum Inhalt gehabt.

Hauptverhandlung unterbrochen Nach dreieinhalb Stunden Verhandlung und zahlreichen Zeugen wurde die Hauptverhandlung unterbrochen. Am 21. April sollen weitere Zeugen verhört werden, darunter auch Kollegen des inzwischen suspendierten Angeklagten. Den wird bis dahin das abschließend verlesene Gutachten des Krankenhaus-Arztes beschäftigen. Die am 1. Dezember 2007 erlittenen Verletzungen, eine Schädelprellung und Schürfwunden, müssten nicht unbedingt auf Fremdeinwirkung beruhen, hieß es darin.

Lesen Sie jetzt