Profis manipulierten SB-Tankstelle in Habinghorst

Kontodaten abgefischt

Fast eine Million Euro erbeuteten die EC-Karten-Betrüger, die zwei Zapfsäulen der Automatentankstelle an der Siemensstraße in Habinghorst manipuliert haben. Die Polizei spricht von bislang unbekannten Betrugs-Dimensionen.

CASTROP-RAUXEL

von Von Susanne Linnenkamp

, 10.03.2011, 23:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die manipulierte Tankstelle in Castrop-Rauxel.

Die manipulierte Tankstelle in Castrop-Rauxel.

Nach neuen Erkenntnissen der Polizei hat eine internationale Bande Anfang Februar zwei der Tanksäulen-Automaten in Castrop-Rauxel manipuliert. „Sie haben das Kartenlesegerät in den Säulen mit einem Zusatzgerät versehen, das die Daten der EC-Karte gespeichert hat. Zudem haben sie mit einer versteckten Mini-Kamera die PIN-Eingabe gefilmt“, so Wilmig-Weber. Vier Wochen lang hat die Bande die Daten wohl abgefischt, bis sie jetzt Anfang März zuschlug. „Sie haben die Daten an Komplizen nach Süd- und Nordamerika geschickt. Dort wurden damit gefälschte EC-Karten hergestellt, mit denen samt der PIN-Nummer dann das Geld abgehoben wurde“, weiß der Polizeisprecher. Die Summen liegen im Durchschnitt bei 1500 Euro, „in einem Fall wurden auch 4500 Euro gestohlen“. Die Abbuchungen erfolgten meist aus Bogota (Kolumbien) und New York. Das wundert Tanja Beller vom Bundesverband deutscher Banken nicht: „Geldautomaten in Deutschland und im europäischen Ausland erkennen wegen besonderer Sicherheitsstandards gefälschte EC-Karten. In Übersee ist das aber nicht der Fall. Dort kann man mit solchen Karten Geld abheben.“

Jetzt ist das Geld erst mal weg – und die Gauner sind es auch. Am Tatort fand die Polizei nur noch kleine Bohrlöcher, Klebereste und Lackspuren. „Die haben wohl ihre Gerätschaften noch in der Farbe der Tanksäulen eingesprüht, damit sie nicht auffallen“, erklärt Wilming-Weber die Spuren. Die Polizei geht davon aus, dass die Bande ihr „Equipment“ in Castrop-Rauxel Anfang März wieder ausgebaut und den Komplizen in Übersee grünes Licht für die Kontoplünderungen gegeben hat. „Hätten sie schon vorher Geld gestohlen, wäre der Betrug ja eher aufgefallen.“ So meldeten sich erst am Sonntag die ersten Opfer bei der Polizei. Ihr Geld bekommen sie nach Auskunft von Tanja Beller wohl von ihrer Bank wieder: „Wie bei normalen Skimming-Fällen.“ Zur Aufklärung des Falls setzt die Polizei auch auf die Auswertung von Video-Kameras an der Tankstelle. Die ist übrigens noch auf unbestimmte Zeit geschlossen. Die Betreibergesellschaft ConocoPhillips will dort zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen vornehmen.

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