Projekt für Flüchtlingskinder in Castrop-Rauxel

Spielen mit Streetworkerinnen

Ein Stück Kindheit für kleine Flüchtlinge: Trotz Krieg, Ängsten und Flucht sollen Flüchtlingskinder in Castrop-Rauxel auch mal unbeschwert spielen können. Das ermöglicht ihnen die Caritas mit einem Brückenprojekt für Kinder im Kindergartenalter. Es gibt bisher eine Gruppe, die sich jede Woche in einem Container trifft.

CASTROP-RAUXEL

, 27.03.2016, 05:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Georgia Born (links) und Angelina Wolf kneten mit einer Gruppe von Flüchtlingskindern.

Georgia Born (links) und Angelina Wolf kneten mit einer Gruppe von Flüchtlingskindern.

Es gibt Spaghetti und Erbsen. Mit komisch anmutender brauner Farbe. „Die Phasen, als Knetgummi verschiedene Farben hatte, sind schon vorbei“, sagt Georgia Born. Die sieben Mädchen und Jungen, die mit Hingabe und großer Freude das Knetgummi bearbeiten, sind Flüchtlingskinder.

Wir sind zu Gast im Container hinter der ehemaligen Friedrich-Harkort-Grundschule in Merklinde. Seit November läuft hier neben der aufsuchenden Arbeit der städtischen Streetworkerinnen ein Brückenprojekt für Kinder im Kindergartenalter. „Aus Mitteln des Kinderbildungsgesetzes, um Kindern aus Flüchtlingsfamilien ein Angebot machen zu können“, erklärt Caritas-Geschäftsführerin Veronika Borghorst.

Bisher eine Gruppe mit zehn Kindern

Die Caritas ist Träger dieses befristeten Angebots, das Jugendamt hat es befürwortet. Zwölf Stunden – jeweils an drei Vormittagen – gibt es Eingewöhnung pur. Für zehn Kinder ist Platz in der Gruppe, drei sind heute verschnupft. Raman, der Jüngste, ist zweieinhalb, das älteste Kind fünf, also schon ein Vorschulkind. „Die meisten kommen aus Syrien, zwei aus Afghanistan, ein Junge aus dem Irak“, sagt Georgia Born. Die meisten seien über die Balkan-Route zu uns gekommen.

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Fares möchte ein Messer. Für seine Knete. „Messer“, sagt er. „Bitte, gib mir das Messer“, sagt Georgia Born. Die gelernte Logopädin (43) aus Castrop-Rauxel teilt sich die Arbeit mit der Kinderpflegerin Angelina Wolf (22) aus Herne. „Messer“ wiederholt Fares. Noch einmal bildet Georgia Born den ganzen Satz. „Bitte, gib mir Messer“, sagt Fares. Na bitte, ein hoffnungsvoller Ansatz. „Bei den Kindern, die von Anfang an dabei sind, merken wir schon Fortschritte“, sagt Born. Sie würden auch beim Dolmetschen helfen, wenn ihre Eltern sie bringen.

"Ein bisschen Balsam für die Seele"

Die Eltern wohnen an der Harkortstraße, in der Schule oder haben sonstwo in der Stadt eine Wohnung gefunden. Ob sie schon als Flüchtlinge anerkannt sind, diese Frage ist nicht wichtig. Was zählt ist, dass die Kleinen ein Stück Kindheit haben können. Ein bisschen Balsam auf die Seele, wenn sie gemeinsam singen können.

„Das tun sie am allerliebsten“, sagt Georgia Born. Und ergänzt: „Viel mit Bewegung.“ Fingerspiele seien auch beliebt. Und Bilderbücher angucken. Vorlesen klappe noch nicht so richtig. „Wir machen im Grunde alles, was wir sonst auch mit unseren Kindern unternehmen, wenn sie sprechen lernen“, so Georgia Born.

Anträge auf zwei weitere Gruppen gestellt

Der Kontakt zur Spielgruppe kommt über die Caritas zustande, über die städtische Sozialarbeit oder das Jugendamt. Gerne würden noch mehr Eltern ihre Kinder bringen. Deshalb hat die Caritas noch Anträge für zwei weitere Gruppen laufen. Die jetzige kleine Runde, in der die größeren Kinder auch schon kniffeligere Dinge bewältigen müssen als Kneten, wäre eigentlich schon wieder kurz vor dem Ende.

Bis zu den Sommerferien soll die Gruppe auf jeden Fall Bestand haben. „Wir sind zuversichtlich, dass es danach weitergehen kann“, erklärt Veronika Borghorst. Fares hat jetzt mit seiner Knete Pizza gemacht. Und bietet sie mir mit einem gastfreundlichen Lächeln an. „Danke, die Pizza schmeckt gut“, sage ich.

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