„Wer seinen Kopf in den Sand steckt, bringt seinen Hintern in eine gefährliche Position“

mlzProtest bei Real

Die Monate der Unsicherheit der Mitarbeiter von Real in Habinghorst gehen weiter. In der Adventszeit wird es wieder Aktionen geben. Eine Mitarbeiterin spricht über Stimmen und Stimmungen.

Castrop-Rauxel

, 03.12.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Verkaufspoker, so nennt es Desirée Simon, schwelt weiter. Die Ungewissheit um die Zukunft der Mitarbeiter von Real in Habinghorst auch. Simon ist Mitglied des Betriebsrats und kündigt nun neue Aktionen an.

„Die Stimmung wird immer schlechter“

„Das zerrt an unseren Nerven“, sagt Desirée Simon, die seit einiger Zeit auch stellvertretende Vorsitzende im DGB-Ortsverband Castrop-Rauxel ist. „Seit über einem Jahr protestieren wir schon – und die Stimmung wird immer schlechter. Was hätten Sie denn für Laune, wenn Sie nicht wüssten, ob Sie morgen noch arbeiten gehen können?“

„Wer seinen Kopf in den Sand steckt, bringt seinen Hintern in eine gefährliche Position“

Beate Curtis (v.l.), Desiree Simon und Vorsitzender Dennis Walter von Real-Betriebsrat zeigen sich kämpferisch. © Carsten Sander,

Die Mitarbeiterinnen im Einzelhandel wollen nun mit weiteren Aktionen auf ihre Angst um die Zukunft aufmerksam machen. „In den kommenden Wochen“, so Simon, „wollen wir aktiv für unsere Forderungen eintreten: eine nachhaltige Sicherung unserer Arbeitsplätze gestützt durch Verdi-Tarifverträge.“

„Wer seinen Kopf in den Sand steckt, bringt seinen Hintern in eine gefährliche Position“

Mit diesem Logo macht Verdi Dampf bei Real. © verdi

Flugblatt-Aktionen bei Real geplant

Es soll Flugblattaktionen bei den Kunden am Standort Siemensstraße geben. Man werbe um Solidarität und Verständnis für die eigene Situation, man wolle auf die Lage der Real-Beschäftigten aufmerksam machen.

Aber macht man das nicht schon seit Monaten? Und hat es an der Situation etwas verbessert? „Vielleicht müssen wir noch ein bisschen mehr ins Detail gehen“, sagt sie. Als „Restposten“ wolle sie sich jedenfalls nicht mehr verstanden wissen - und Notfalls werde es auch in der Vorweihnachtszeit noch Streiks geben. Konkrete Termine sind dafür aber noch nicht geplant.

„Wer seinen Kopf in den Sand steckt, bringt seinen Hintern in eine gefährliche Position“

Warnstreiks im Sommer bei Real: Die Mitarbeiterinnen bleiben in Sorge. © Desirée Simon

Wer übernimmt welche Geschäfte?

Wo der Real in Habinghorst in den Plänen der Manager steht, ist weiter offen. Desirée Simon sagt, dass Edeka inzwischen beim Bundeskartellamt das Interesse angemeldet habe, 84 der 277 Real-Märkte zu übernehmen. Das Bundeskartellamt hat eine umfassende Prüfung eingeleitet. Zudem wolle Tegut, ein Einzelhändler mit Standorten in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg, sieben Märkte weiterführen. Auch hier muss das Bundeskartellamt erst zustimmen. Und Real hatte ihrem Kenntnisstand nach angekündigt, rund 50 Märkte selbst weiter betreiben zu wollen. Blieben aber noch immer rund die Hälfte der Geschäfte auf der Kippe.

„Wer seinen Kopf in den Sand steckt, bringt seinen Hintern in eine gefährliche Position“

Beate Curtis, Desiree Simon und Vorsitzender Dennis Walter von Real-Betriebsrat zeigen sich kämpferisch. © Carsten Sander,

„Wer seinen Kopf in den Sand steckt, bringt seinen Hintern in eine gefährliche Position.“
Desirée Simon

So ist die Stimmung bei den Kunden an der Kasse

Desirée Simon sitzt meistens an der Kasse, wenn sie arbeitet. Dort habe man den direktesten Draht zum Kunden. Die Stimmung dort: „Ich erfahre viel Solidarität“, sagt sie. „Einige ärgern sich aber auch mal, wenn ein Artikel gerade nicht verfügbar ist, und sagen dann, dass es ja kein Wunder wäre, wenn Real dicht macht“, so Simon. Aber unterm Strich drückten ihnen viel mehr Leute die Daumen.

„Seit vier Jahren bekommen wir eine Beruhigungspille nach der anderen“, sagt Desirée Simon. „Ich finde: Wer seinen Kopf in den Sand steckt, bringt seinen Hintern in eine gefährliche Position.“

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