Prozess gegen "unberechenbaren" Gewalttäter aus Castrop

CASTROP-RAUXEL Dirk P. ist in Castrop-Rauxel aufgewachsen. In „desolaten Verhältnissen“ , wie einst ein Gutachter bestätigte. Jetzt steht er in Essen wegen Geiselnahme vor Gericht: Nach zahlreichen brutalen Verbrechen wird er vermutlich sein Leben lang in eine psychiatrische Anstalt gesperrt.

von von Klaus Wilker

, 11.03.2009, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dort bedrohte er am Abend des 1. Juli 2008 die Erzieherin Birgit S. (53). Zehn schreckliche Stunden war sie in der Gewalt des Mannes, über dessen Vorgeschichte sie Bescheid wusste. Er bedrohte sie mit einem Messer, sperrte sie in eine Abstellkammer ein. Gestern begann in Essen der Prozess gegen den Geiselnehmer, der zunächst weiter in der geschlossenen Abteilung des Zentrums für Psychiatrie in Lippstadt-Eickelborn lebt – und dort vermutlich auch sein ganzes Leben lang bleiben wird. Davon ist selbst sein Verteidiger, Siegmund Benecken, überzeugt: „Mein Mandant wird die nächsten 20 Jahre lang bestimmt nicht mehr allein durch Eickelborn spazieren gehen.“

Weil Dirk P. die Tat im Haus Lea im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen hat, kann er nicht wegen schwerer räuberischer Geiselnahme angeklagt werden. Weil er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle, beantragt Staatsanwalt Hans-Christian Gutjahr die erneute Unterbringung P.‘s in einem psychiatrischen Krankenhaus. Verteidiger Benecken hält dies für „nicht verhältnismäßig“. Für ihn ist der ganze Prozess überflüssig. Schließlich sei sein Mandant schon 1993 vom Landgericht Dortmund wegen der Vergewaltigung in die Psychiatrie eingewiesen worden. Die Kammer unter Vorsitz von Richter Martin Hahnemann folgt nach längerer Beratung der Rechtsauffassung des Marler Strafverteidigers.

Für Dirk P. ändert sich dadurch aber nichts. Er bleibt weiter unter Verschluss. Drei Gutachter sind sich einig: Der Beschuldigte ist schizophren, seit Jahren alkoholkrank und weiterhin „unberechenbar gefährlich“, sobald er mit Situationen konfrontiert wird, die ihn belasten oder überfordern.

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