Prozess nach Ausbruch aus dem Knast

Gericht

ICKERN Als der Justizvollzugsbeamte an einem späten Sonntagabend im August vor zwei Jahren Feierabend machte und nach Hause ging, traute er seinen Augen kaum. Der Männertrupp, der ihm entgegen torkelte, kam ihm nur zu bekannt vor. Es waren Insassen des Meisenhofs. Am Dienstag musste sich einer von ihnen vor Gericht verantworten.

von Von Gabriele Regener

, 06.10.2009, 16:20 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Täter ließ seine Beute in der Nähe des Tatorts zurück.

Der Täter ließ seine Beute in der Nähe des Tatorts zurück.

Einer der "Freigänger" saß gestern auf der Anklagebank. Gefangenenmeuterei wurde dem 38-jährigen Energie-Elektroniker vorgeworfen, der gewaltsame Ausbruch aus dem Knast sowie die gewaltsame Hilfe zum Ausbruch. Denn einer fand an jenem Abend den Weg nicht zurück.Schlupfloch im System

Das Schlupfloch im System war nach jenem Ausflug schnell ausgemacht, schilderte ein Beamter im Zeugenstand. Das Tor des angegliederten Sportplatzes war offen. Gewaltsam war eine Bodenverankerung entfernt worden. Danach war der Schritt in die Freiheit ein leichter. "Wir haben das Tor am nächsten Tag umgehend repariert", bekräftigte der 47-jährige Beamte.Unangemeldete Ausflüge

Offen blieb aber, wann das Tor zur Freiheit zu einem solchen wurde. Die Aussage eines Mitgefangenen von damals schürte die Vermutung, dass dieser Zustand sogar länger bestand. Zumindest hatte sich die Gelegenheit zu unangemeldeten Ausflügen aus dem eh schon offenen Vollzug unter den Insassen herumgesprochen. "Ich glaube, das haben die Russen oder Polen gemacht. Die kamen doch schon morgens voll wie Haubitzen in die Anstalt zurück", schilderte der 24-jährige Koch. Und nach der Zählung - um 20 Uhr wird stets die Vollzähligkeit der Insassen überprüft - seien sie auch wieder abgehauen. Wie das halbe Dutzend Männer auch, zu denen der Zeuge und der Angeklagte gehörten.Drei Stunden in Freiheit

Rund drei Stunden hatte die Gruppe im August 2007 die Freiheit genossen. Und dazu etliche Bierchen, denn Ziel ihres Ausflugs war ein Kiosk. Der Schreck war, so der Zeuge, groß, als man bei der Rückkehr merkte, dass das Verschwinden schon aufgefallen war. Deshalb habe sich die Gruppe zerstreut und versucht, möglichst unerkannt wieder hinter Gitter zu gelangen. Der Vorwurf, gewaltsam ausgebrochen zu sein, war also nicht haltbar. Das bedeutete Freispruch für den Angeklagten.

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