Prozess um gefilmten Missbrauch einer Elfjährigen aus Habinghorst: Ein Ende ist in Sicht

mlzLandgericht Bochum

Im Prozess um den gefilmten Missbrauch eines elfjährigen Mädchens aus Habinghorst und weitere Opfer ist ein Ende in Sicht. Stand jetzt soll nun am 21. April das Urteil fallen.

Habinghorst, Bochum

, 10.03.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Prozess um den gefilmten sexuellen Missbrauch zahlreicher betäubter Frauen und Mädchen durch einen Briefzusteller (55) aus Datteln scheint auf die Zielgerade eingebogen zu sein. Die Bochumer Richter haben die letzte noch offene Forderung der Verteidiger nach einem zweiten Sachverständigengutachten abgelehnt.

Die Richter der 8. Strafkammer bezeichneten das bisherige psychiatrisch-psychologische Gutachten ausdrücklich als „überzeugend“. Die Sachkunde der Sachverständigen stuften die Richter anders als die Verteidiger als „nicht zweifelhaft“ ein. Dass die zwei Gutachter im Zuge ihrer Expertise zur Schuldfähigkeit des Angeklagten „keine Erkundigungen zur Krankengeschichte eingeholt haben“, so die Richter, lasse aber keineswegs „Zweifel an der Sachkunde“ erkennen.

„Verhalten der Sachverständigen war nicht pflichtwidrig“

„Das Verhalten der Sachverständigen war nicht pflichtwidrig“, hieß es in einem verlesenen Beschluss wörtlich. Die Pflichtverteidiger Jens Tuschhoff und Matthias Tillmann hatten die zwei Gutachter zuletzt scharf kritisiert und ihnen Parteilichkeit und Voreingenommenheit vorgeworfen, weil zur Einschätzung der Schuldfähigkeits-Frage auch die Betrachtung der kompletten Krankengeschichte des Angeklagten gehöre.

Nachdem die Bochumer Richter inzwischen doch noch zwei Ärzte des Briefzustellers (zur jahrelangen Verordnung von Antidepressiva) als Zeugen befragt haben, sahen die Sachverständigen aber nach wie vor keinen Anlass zur Änderung ihrer Einschätzung in der Schuldfrage. Das Gutachter-Duo geht weiterhin von einer vollen Schuldfähigkeit aus und empfiehlt den Bochumer Richtern eine Unterbringung des Sex-Täters in der Sicherungsverwahrung.

Schülerin aus Habinghorst verhielt sich nach Besuch auffällig

Der Briefzusteller hat bereits zugegeben, in Serie Frauen und Kinder in seiner Dattelner Wohnung betäubt, missbraucht und gefilmt zu haben. Während der sexuellen Handlungen soll der 55-Jährige häufig auch mit Messern oder Nadeln hantiert und Verstümmelungen im Brust- und im Intimbereich angedeutet haben.

Die betroffene Schülerin aus Habinghorst hatte sich nach einem Übernachtungsbesuch Ende 2018 auffällig verhalten, so dass die Eltern mit ihr umgehend in Kinderklinik nach Datteln gefahren waren. Dort waren im Blut der Elfjährigen massiv erhöhte Werte eines starken Beruhigungsmittels entdeckt worden.

Weil die Verteidiger nun offenbar keine weiteren Beweisanträge stellen wollen, könnte das seit Mitte 2019 laufende Verfahren mit der jetzigen Zeitplanung zu Ende gehen. Danach soll am 21. April das Urteil verkündet werden.

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