Rätsel um verschwundene Warmwassertherme bleibt für immer ungelöst

mlzDiebstahl

Eine Warmwassertheme im Wert von 2000 Euro ist verschwunden. Wer hat sie gestohlen? Das scheint für immer ungeklärt zu bleiben. Und der Bestohlene trägt es offenbar mit Fassung.

Castrop-Rauxel

, 26.06.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Was soll ich denn mit einer Warmwassertherme? Ich hätte sie doch gar nicht einbauen können, habe keine Ahnung von dem Beruf.“ Mit dieser Erklärung wies ein 49-jähriger Zeuge vor dem Castrop-Rauxeler Amtsgericht jetzt den Verdacht, ein über 2000 Euro teures Teil vom Gelände seines damaligen Arbeitgebers gestohlen zu haben, von sich.

Der Name des Zeugen war ins Spiel gekommen, nachdem der eigentliche Angeklagte, ein 46-jähriger Ex-Häftling, in der Hauptverhandlung vor dem Castrop-Rauxeler Amtsgericht zögerlich ausgesagt hatte. So zögerlich, dass der Richter schließlich sagte: „Ich glaube Ihnen kein Wort.“

Erst der ehemalige Chef und zugleich der Bestohlene, hatte eine Wendung gebracht. Schnell wurde klar, dass er dem Angeklagten nichts nachtrug, eher väterlich besorgt um dessen Wohlergehen war und immer noch ist.

Nachdem das Opfer den Angeklagten noch einmal gedrängt hatte, doch endlich den Verdacht auszusprechen, den der damals, im Januar 2019 schon hatte, knickte der Angeklagte ein und nannte den jetzt geladenen Zeugen als Verdächtigen

Gelegenheit für viele

„Ich sage, was ich weiß“, sagte dieser nun im Zeugenstand. Doch das war nicht gerade viel. „Ich finde es amüsant und zugleich traurig, dass er mir das in die Schuhe schieben will“, meinte er. „Er hat schon so viel über mich erzählt“, sagte er rückblickend auf eine fast 25-jährige Bekanntschaft.

Zugleich tat er kund, dass die Therme nahezu jeder hätte mitnehmen können. Denn der Schuppen, in dem das Gerät seinerzeit zwischengelagert war, war zugänglich für alle, die einen Schlüssel für das Firmengelände hatten. Und diesen Schlüssel hätten viele gehabt, sagte der Zeuge, erweiterte damit noch den Kreis der Verdächtigen.

„Ich weiß nur, dass ich es nicht war“, schloss er seine Aussage ab.

Mit Bauchschmerzen

Der Geschädigte selbst, der 67-jährige Firmenchef, war als Zuhörer im Gerichtssaal dabei, hatte die Anhörung gespannt verfolgt und natürlich auch das Urteil: Zunächst hatte der Staatsanwalt erklärt, dass es keine Beweise für die Anschuldigung gebe und auf Freispruch plädiert. Dem schloss sich – verständlich – der Verteidiger des 46-jährigen Angeklagten an.

Der Richter verkündete denn auch erwartungsgemäß diesen Freispruch. Einen Freispruch mit Bauchschmerzen, denn nicht alle Ungereimtheiten hätten geklärt werden können. „Vielleicht hätte man bei einem Bierchen mehr herausbekommen“, meinte der geschädigte Ex-Chef beim Hinausgehen. Den finanziellen Verlust hatte er gedanklich wohl schon längst abgeschrieben.

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