Bürgermeister Rajko Kravanja tritt wieder für die SPD an. Er kam 2015 ins Amt und warb bei der Podiumsdiskussion um die Stimmen der Castrop-Rauxeler Wähler bei der Wahl am 13. September 2020. © Volker Engel
Hass und Gewalt

Rajko Kravanja: Morddrohung gegen Bürgermeister überschreitet Grenzen

Immer mehr Bürgermeister werden bedroht, mit Hass-Mails überzogen oder sogar körperlich attackiert. Castrop-Rauxels Bürgermeister Rajko Kravanja macht Beispiele dafür jetzt öffentlich.

Der Bürgermeister von Leidersbach im Landkreis Miltenberg in Bayern bekommt immer wieder Hassbotschaften und wird bedroht. In Kerpen (NRW) hat der dortige Bürgermeister Dieter Spürck (CDU) die Konsequenzen aus Bedrohungen gezogen und ist nicht mehr zur Wahl im September angetreten, um seine Familie zu schützen.

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) erhielt eine Morddrohung, wurde 2015 schon einmal mit dem Messer attackiert. Der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) erhielt Morddrohungen, nachdem er sich offen gegen die Demonstranten von Pegida gestellt hatte.

Umfrage: Viele Bürgermeister werden bedroht

64 Prozent und damit fast zwei Drittel der Bürgermeister in Deutschland sind nach eigenen Angaben bereits beleidigt, beschimpft, bedroht oder tätlich angegriffen worden. Bespuckt oder geschlagen wurden 9 Prozent der Bürgermeister, wie eine repräsentative Umfrage der Zeitschrift „Kommunal“ im Auftrag des ARD-Politmagazins „Report München“ im Frühjahr 2020 ergab. In Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern berichteten demnach sogar 32 Prozent von tätlichen Angriffen.

An der Befragung nahmen rund 2500 Bürgermeister teil. Andreas Zick, Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld, sagte „Report München“: „Wir sehen ein dramatisches Element. Die Gewalt verlässt das Internet.“

Corona bringt neue Beschimpfungen

In Corona-Zeiten sehen sich viele Bürgermeister jetzt mit Vorwürfen zu ihrem Vorgehen in der Pandemie konfrontiert. Gerade aus dem Kreis der Corona-Leugner setzt es böse Vorwürfe. Dazu hat sich jetzt auch Castrop-Rauxels Bürgermeister Rajko Kravanja bei Facebook zu Wort gemeldet.

Konkreter Anlass sind die jüngsten Erlebnisse seines Amtskollegen Erik Lierenfeld aus Dormagen. Wegen eines Videos, in dem er auf die Ankündigung der Initiative „Querdenken 711“ reagierte, die am 9. November deutschlandweit an 1000 Schulen Aktionen gegen die Pflicht zum Tragen der Mund-Nase-Bedeckung durchführen wollte, erhielt Lierenfeld unter anderem Morddrohungen.

Kravanja erhält selber viele Hass-Mails

Kravanja rief nun bei Facebook dazu auf, Lierenfeld offensiv durch Likes zu unterstützen. Zugleich veröffentlichte Castrop-Rauxels Bürgermeister einige Zuschriften, die ihn selbst bereits erreicht haben. Hier eine kleine Auswahl, alles laut Kravanja 1:1 im Original:

Über Facebook:

Ihr Name: Hat sie Betrüger nicht zu intrusieren

Ihre Frage: sie sind das letzte gehören nicht in Ruhrgebiet gehen sie nach Hause samt Famielie

Über Facebook:

Ihr Name:

Ihre Frage: das letze sind Sie .Was machen Sie.gür Schulen? Was nache Sue für Bürger die ihre nicht Kinger sein können Sie bringen Menschen in Krankenhäuser und Pflegeheime um Sie Mörderin Mörrrrrrter

Per Mail:

„Warum fährt man eine Stadt so gegen die Wand?

Glaubt ihr wirklich noch an das Märchen des tötlichsten Virus ?

Ein ganzes Jahr hat man den Kindern bereits geraubt und die Menschen entwürdigt, gequält und denunziert. Früher oder später braucht man euch auch nicht mehr und dann wirst du dir wünschen eine andere Entscheidung getroffen zu haben.“

Kravanja: „Hier ist jegliche Grenze überschritten“

Kravanja ordnet das im Vergleich zu dem ein, was Lierenfeld und anderen Kollegen wederfahren ist: „Man bekommt in der letzten Zeit eine Menge Blödsinn und Unsinn geschickt. Damit kann man umgehen. Wenn aber Menschen bedroht werden, ist jegliche Grenze überschritten und man muss ein Zeichen setzen.“ Deshalb seine Hinweise auf die Anfeindungen gegen seinen Kollegen aus Dormagen: „Liked bitte seine Seite Erik Lierenfeld, um zu zeigen, dass WIR MEHR SIND!“

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter

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