Ratten, Schimmel, Brandschutzmängel – Vermieter Altro Mondo ist Thema in Berlin

mlzAltro Mondo

Beim Wohnungsgipfel in Berlin kamen die Probleme mit der Vermietergesellschaft Altro Mondo auf den Tisch. Zugleich präsentiert das Land NRW Ergebnisse von Kontrollen. Die Mängelliste ist lang.

Castrop-Rauxel, Berlin

, 25.09.2019, 18:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Von der heimischen Wohnung am Schophof in Castrop-Rauxel nach Berlin: Auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Frank Schwabe ist es für Altro-Mondo-Mieterin Birgit Hellmann am Mittwoch zu einer Wohnbau-Konferenz der SPD-Bundestagsfraktion in der Hauptstadt gegangen.

Außer über die Frage, was die Politik gegen steigende Mieten und für den Neubau von bezahlbarem Wohnraum machen kann, wurde auch über den Umgang mit „schwarzen Schafen“ in der Wohnungswirtschaft gesprochen.

Monatelang hatte Birgit Hellmann, unterstützt vom Mieterschutzbund Dortmund, mit der Altro Mondo gerungen, bis Schimmel- und Wasserschäden in ihrer Wohnung am Schophof beseitigt wurden.

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Treffen mit Bundesjustizministerin

Am Rande der Konferenz traf Hellmann auf Bundesjustizministerin Christine Lambrecht. „Den entscheidenden Satz hat sie gleich zu Beginn der Veranstaltung gesagt“, sagte Hellmann am Mittwoch. „Nämlich dass es nicht nur um bezahlbaren Wohnraum geht, sondern um viel, viel mehr. Es geht um das Zuhause der Menschen.“

Ratten, Schimmel, Brandschutzmängel – Vermieter Altro Mondo ist Thema in Berlin

In Berlin traf Birgit Hellmann (m) am Rande der Wohnbaukonferenz auf Bundesjustizministerin Christine Lambrecht und den Castrop-Rauxeler Bundestagsabgeordneten Frank Schwabe. © SPD Bundestagsbüro

Wohnungsgesellschaften dürften ihre Bestände nicht zu „Schrottimmobilien“ verkommen lassen.

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Ergebnisse nach landesweiten Kontrollen

Landesweite Ergebnisse gab es nach der groß angelegten Kontrollaktion in Häusern der Degag/Altro Mondo vergangene Woche an diesem Mittwoch (24.9.) auch vom NRW-Bauministerium. In Castrop-Rauxel, Dorsten, Dortmund, Herne und weiteren Städten wurden insgesamt 136 Gebäude überprüft.

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Die Liste der Mängel reiche von Brandschutzmängeln, defekten Haustüren und Beleuchtung, durchfeuchtetem Mauerwerk mit Schimmelbildung über defekte Aufzugs- und Heizungsanlagen bis hin zu Schäden an Fassaden und Rattenbefall sowie Vermüllung im Außenbereich, teilte das Ministerium mit. Unmittelbar nach der Aktion seien viele ordnungsrechtliche Verfahren zur Beseitigung der Missstände eingeleitet worden.

Landesministerin spricht von eindeutigem Zeichen

„Die Aktion hat ein eindeutiges Zeichen gegenüber Degag/Altro Mondo gesetzt. Missstände in den verwalteten Häusern wurden aufgedeckt und es wurde durchgegriffen“, sagt Landesbauministerin Ina Scharrenbach dazu.

Man habe erstmals überhaupt die Städte, in denen das Unternehmen vermietet, an einen Tisch geholt.

Keine Gespräche zwischen Land und Altro Mondo

Altro Mondo hatte die Kontrollen in einer Stellungnahme vergangene Woche „nicht nur überflüssig, sondern rein politisch motiviert“ genannt. Die Landesregierung habe nie den Kontakt zu Altro Mondo gesucht, obwohl man zu Gesprächen bereit sei.

Ministeriums-Sprecher Fabian Götz bestätigt auf Nachfrage: „Ein Gespräch zwischen Altro Mondo und dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung gab es bis dato noch nicht, jedoch ist das Ministerium grundsätzlich für ein Gespräch mit dem Eigentümer offen.“

Kommentar

Bitte keine Symbolpolitik

Brandschutzmängel, Rattenbefall, Schimmel,… Die Probleme, die Mieter mit Altro Mondo haben, sind schwerwiegend – und seit Jahren bekannt. Auf Hilfe von oben warteten die Betroffenen bisher vergeblich. Jetzt plötzlich bewegt sich was. Das NRW-Bauministerium lässt 136 Gebäude in zehn Städten durchsuchen und das Thema schafft es bis zum Wohngipfel nach Berlin. Dass ein Land wegen Mängeln an Mietobjekten öffentlichkeitswirksam eine Razzia veranstaltet, ist schon sehr ungewöhnlich. Dass zuvor nicht mal versucht wurde, mit Altro Mondo ein Gespräch zu führen, zumindest fragwürdig. Bleibt zu hoffen, dass die großangelegte Aktion nun auch Erfolge vorweist und nicht in Symbolpolitik verpufft.
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