In Rauxel lebt es sich gut. Viel besser jedenfalls, als sein Ruf es vermuten lässt. Die größte Stärke des Stadtteils ist aber auch seine größte Schwäche. Eine Analyse.

Rauxel

, 26.03.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 4 min

In der dritten Generation schon lebt die Familie Sternemann im Stadtteil Rauxel. Und zwar fast alle unter einem Dach in ihrem Haus an der Maslingstraße. Warum sie gerne hier leben und auch nicht wegziehen wollen, hat für Sandra (49), Peter (48), Doris (75) und Karl Bernd (76) Sternemann viele Gründe. Viele Freunde leben in der Umgebung, die Verkehrsanbindung sei top, genauso wie die Nahversorgung. „Auch das Grün um uns herum ist gut“, sagt Peter Sternemann.

Aufgeführt in der Liste der guten Spielplätze in der Stadt: der Spielplatz nebst Bolzplatz in der Nähe des Wildgeheges im Grutholz.

Aufgeführt in der Liste der guten Spielplätze in der Stadt: der Spielplatz nebst Bolzplatz in der Nähe des Wildgeheges im Grutholz. © Weckenbrock

Das Grutholz mit Spielplatz und Tiergehege ist genauso zu Fuß zu erreichen wie das Castroper Holz. Heute eher für Spaziergänge mit Familienhund Timmy, früher war der Waldspielplatz im Grutholz beliebtes Ausflugsziel für die beiden Töchter von Sandra und Peter Sternemann. Die beiden sind mittlerweile erwachsen, eine Tochter lebt noch zu Hause, kann aus beruflichen Gründen aber nicht an unserem Treffen mit der Rauxeler Familie teilnehmen.

Schöner Garten mit lauter Kulisse

„Wir haben einen wunderschönen alten Garten“, erzählt Sandra Sternemann. Nur Entspannung, die sucht man hier vergeblich. Direkt hinter der Grundstücksgrenze verläuft die B235. Die gute Verkehrsanbindung, für die die Rauxeler 9 von 10 möglichen Punkten im Stadtteilcheck vergeben, bringt eine hohe Verkehrsbelastung mit sich (6 Punkte).

Die B 235 ist eine der größten Verkehrsachsen der Stadt. Viele Anwohner stören sich an der großen Lärmbelastung und fordern eine Schutzwand.

Die B 235 ist eine der größten Verkehrsachsen der Stadt. Viele Anwohner stören sich an der großen Lärmbelastung und fordern eine Schutzwand. © Peter Sondermann, Viskom/City-Lu

„Wir würden hier eher 4 oder 5 Punkte vergeben“, sagt Peter Sternemann. In den vergangenen Jahren sei es an der B 235 deutlich lauter geworden. Krankenwagen, die mit Martinshorn zum Evangelischen Krankenhaus fahren, „hören wir aber kaum noch“, sagt Karl Peter Sternemann.

„Es ist gut, dass sich am Hauptbahnhof etwas tut“

Spricht man über Verkehr in Rauxel, wendet sich der Blick unweigerlich zum Berliner Platz und dem Hauptbahnhof als Einfallstor in die Stadt für Bahnreisende. „Es ist gut, dass sich am Hauptbahnhof etwas tut, der war ja lange fast tot“, spricht Sandra Sternemann aus, was viele im Stadtteil denken.

Das spiegelten auch Gespräche bei den Sonntagsveranstaltungen „Rauxel klönt“ wieder, die auf dem Berliner Platz stattfinden, sagt Friedhelm Markus, Pressesprecher des Stadtteilvereins Unser Rauxel. Gemeint sind die Arbeiten an den Bahnsteigen, damit zukünftig auch der RRX am Hauptbahnhof halten kann. Und die der Wewole im Bahnhofsgebäude. Neue Geschäfte sollen mehr Leben ins Gebäude bringen. Und hoffentlich auch öffentliche Toiletten.

Bei „Rauxel klönt“ vom Stadtteilverein Unser Rauxel treffen sich die Menschen zum Quatschen auf dem Berliner Platz am Hauptbahnhof.

Bei „Rauxel klönt“ vom Stadtteilverein Unser Rauxel treffen sich die Menschen zum Quatschen auf dem Berliner Platz am Hauptbahnhof. © Volker Engel

Grundsätzlich werde auch der Berliner Platz positiv gesehen, brauche aber mehr Leben. Wie beim Erdbeer- und Spargelfest, das eine feste Institution auf dem Berliner Platz ist. Es sei „hoch anerkennenswert, dass Achim Gaertner mit Familie und starkem Team auf jahrelange Erfahrung bei Organisation und Durchführung von Festen auf dem Platz zurückgreifen kann“, sagt Markus.

Zum Supermarkt in wenigen Minuten

Viel kritisiert wird in Rauxel die Nahversorgung. „Heute schließen immer mehr Geschäfte, Supermärkte sind für ‚alte Leute‘ zu Fuß schlecht zu erreichen. Ebenso ist die Schließung der Sparkasse für ältere Menschen eine Herausforderung“, schreibt eine Teilnehmerin am Stadtteilcheck. Für Nahversorgung erzielte Rauxel dennoch immerhin 8 Punkte und liegt damit im Stadtdurchschnitt.

Die Sparkasse, ein Metzger und auch ein Bekleidungsgeschäft: Das alles gab es früher in Rauxel. Heute nicht mehr. Bei der Nahversorgung erzielt Rauxel im Stadtteilcheck dennoch 8 Punkte.

Die Sparkasse, ein Metzger und auch ein Bekleidungsgeschäft: Das alles gab es früher in Rauxel. Heute nicht mehr. Bei der Nahversorgung erzielt Rauxel im Stadtteilcheck dennoch 8 Punkte. © Lukas

Die Sternemanns sind mit den Einkaufsmöglichkeiten zufrieden, denn die Supermärkte an der Wartburgstraße erreichen sie in wenigen Minuten. Einzelhandelsgeschäfte wie ein Bekleidungsgeschäft oder ein Metzger im Stadtteil fehlten aber, merkt Doris Sternemann an. „Immerhin: Die Eisdiele bleibt.“

Für Familien ist Rauxel ein schöner Wohnort mit guter Versorgung. Schulen aller Art sind gut erreichbar. In den Wohngebieten gibt es „noch große Grundstücke mit großen Gärten: herrlich für junge Familien mit Kindern“, schreibt eine Leserin. „Die Wohnstruktur im Viertel wird durch junge Familien belebt“, pflichtet Sandra Sternemann ihr bei.

Im Vorgarten der Sternemanns steht eine Bank, auf der Peter Sternemann gerne sitzt und ein paar ruhige Momente bei einem alkoholfreien Bier genießt. Zufrieden blickt er hier auf seine Nachbarschaft, seinen Stadtteil. Woanders Leben möchten er und seine Familie nicht. Wenn sie sich etwas wünschen dürften? „Eine Lärmschutzwand zur B 235 wäre toll“, sagt Sandra Sternemann.

Das wurde positiv bewertet

Verkehrsanbindung: Rauxel erzielt hier 9 Punkte, während es stadtweit 8 Punkte sind. Die A42, die großen Verkehrsachsen B 235 sowie Bahnhofsstraße laufen durch den Stadtteil. Und der Hauptbahnhof liegt in der Mitte.

Seelsorge: Hier kommt Rauxel auf 8 Punkte, während es im Durchschnitt der Stadt 7 sind. Das Angebot der zwei Kirchengemeinden im Stadtteil kommt also offenbar gut an.

Hier gibt es zwei Meinungen

Sicherheit: Rauxel schneidet mit 6 Punkten schlechter ab als der städtische Durchschnitt (7 Punkte). Familie Sternemann fühlt sich in Rauxel grundsätzlich relativ sicher.

In der Umfrage wird aber mehrfach die noch frische Ansiedlung des Freeway Rider‘s Motorradclub (MC) an der Bahnhofstraße kritisiert. „Nicht hinnehmbar“, schreibt etwa ein Teilnehmer dazu. Negativ aufgefallen sei der Motorradclub allerdings bisher nicht, sind sich Familie Sternemann und Friedhelm Markus einig. Die Entwicklung an diesem Ort bleibe abzuwarten, bis stabiles Wetter die Motorradsaison wirklich einläutet, so Markus. Vielleicht werde man ja sogar noch positiv überrascht von guter Arbeit des Clubs an dieser Stelle.

Auch Probleme mit Flüchtlingen sind Friedhelm Markus entgegen der Meinung einiger Teilnehmer an der Umfrage nicht bekannt.

Gesundheit: Mit 7 Punkten liegt Rauxel auch hier leicht unter dem Durchschnitt (8). Familie Sternemann hat da aber einen anderen Blick auf die Situation vor Ort. „Zu meinem Hausarzt laufe ich nur etwa 500 Meter“, sagt Doris Sternemann. Fachärzte könnten schon mal weiter entfernt sein, aber das sei anderswo auch so. Und das Evangelische Krankenhaus mit diversen Fachabteilungen liege schließlich in der Nachbarschaft.

Rauxel: Gute Anbindung, aber viel Lärm und der Patient Hauptbahnhof

© Verena Hasken

Das wurde negativ bewertet

Gastronomie: Beim Angebot der Gastronomie (5 Punkte, stadtweit 6) gibt es in Rauxel Verbesserungsbedarf. „Es fehlen inzwischen einige nette Kneipen und Restaurants sowie Angebote für junge Leute“, fasst eine Leserin das als etwas mager empfundene Angebot in Rauxel zusammen.

Jugendliche: Rauxel gilt zwar als familienfreundlich, Schulen und Wohnraum für junge Familien werden mehrfach im Stadtteilcheck gelobt. Bei Angeboten für Jugendliche kommt der Stadtteil aber nur 4 Punkte. Es fehlen Angebote. Allerdings: Im stadtweiten Mittel vergeben die Castrop-Rauxeler auch nur einen Punkt mehr. Es ist eine Schwachstelle für die ganze Stadt.

Verkehrsbelastung: Gute Verkehrsanbindung führt in Rauxel zu höherer Verkehrsbelastung. 6 Punkte gibt es dafür in der Umfrage (Stadtmittel 7).

Hier können Sie die Stadtkarte mit allen Infos und Werten zu den anderen Stadtteilen sehen.

Historische Daten

Cesarius von Rukessele war der erste Bewohner Rauxels

Die Straßenbahn der Linie 2 fuhr einst nach Dortmund-Brackel. Am Bahnübergang in Rauxel sorgte oft eine Zechenbahn der Klöcknerwerke für einen längeren Aufenthalt.

Die Straßenbahn der Linie 2 fuhr einst nach Dortmund-Brackel. Am Bahnübergang in Rauxel sorgte oft eine Zechenbahn der Klöcknerwerke für einen längeren Aufenthalt. © Helmut Orwat

  • Im Jahr 1266 wurde Rauxel urkundlich erstmalig genannt. Der erste Bewohner hieß Cesarius von Rukessele.
  • Durch den Bergbau und den Bau der Köln-Mindener Eisenbahn Mitte des 19. Jahrhrunderts verlagerte sich das Zentrum Rauxels vom „Dorf Rauxel“ hierher.
  • Rauxel gehörte seit dem 13. Jahrhundert zum Amtsbezirk Castrop.
  • Im Jahr 1926 wurde Rauxel in die Stadt Castrop-Rauxel eingemeindet.
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