„Gefährlicher Trend“: Bürgermeister Kravanja bezieht Stellung nach Razzia bei Neonazi Robin S.

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Nazi-Schmierereien, eine Razzia bei einem mutmaßlichen Combat-18-Mitglied: Castrop-Rauxel ist nicht frei von Menschen radikal rechter Gesinnung. Bürgermeister Kravanja treibt das Thema um.

Castrop-Rauxel

, 26.01.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Razzia an der Bahnhofstraße in der Wohnung von Robin S. nach dem Verbot von „Combat 18“, rechtsextreme Sprühereien an einigen Stellen in der Stadt im vergangenen Jahr – immer wieder verschiedene kleine Vorfälle: Wie wertet Bürgermeister Rajko Kravanja (SPD) das Geschehen? Gibt es einen Rechtsextremismus in Castrop-Rauxel, bei dem man sich Sorgen machen muss?

„Man darf doch wohl mal sagen, dass...“

In einem Interview mit unserer Redaktion bezog Kravanja, der selbst als Bürgermeisterkandidat wegen seines nicht-deutschen Nachnamens einmal Opfer rechtsextremer Drohungen war, Stellung: „Sorgen mache ich mir immer über Rechtsextremismus, egal in welcher Ausprägung, ob eine Schmiererei oder zehn“, sagt der 41-Jährige. „Das ist eine gesellschaftliche Frage, die mich sehr umtreibt.“

Was er merke, nicht nur auf Castrop-Rauxel bezogen, sei der gefährliche Trend, dass gewisse Dinge, die man sagt, wieder normal würden: Das „Man darf doch wohl mal sagen, dass…“ werde salonfähig.

„Gefährlicher Trend“: Bürgermeister Kravanja bezieht Stellung nach Razzia bei Neonazi Robin S.

Schmierereien am Bahnübergang Deininghauser Weg im vergangenen Jahr: Nazi Zone 88 und andere solcher Schriftzüge waren an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet über Nacht aufgesprüht worden. © Tobias Weckenbrock (Archiv)

„Oder sich auf bestimmte Veranstaltungen draufzusetzen, wo man weiß, dass Rechtspopulisten dahinter stecken“, so Kravanja. „Aber sie machen das doch für einen guten Zweck…“ sei dann oft die Begründung. „All diese Dinge führen dazu, dass es einen gefährlichen Trend gibt, etwas zu verharmlosen. Das fällt für mich unter das Motto ‚Wehret den Anfängen‘“.

„Dann wird das sofort überpinselt“

In Bezug auf Schmierereien fahre er deswegen bei aller Sorge um die Haushaltssituation bei städtischen Gebäuden eine klare Linie: „Wenn städtische Gebäude angesprüht werden, wird das sofort überpinselt – ohne Debatte über Haushaltsmittel“, so Kravanja am Freitag (24.1.).

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Und dann ist da noch der als gefährlich eingestufte Castrop-Rauxeler Neonazi Robin S. und das Netzwerk Combat 18. Durch die Nähe zur Neonazi-Szene in Dortmund sind nun möglicherweise zusätzliche Sorgen entstanden. Rajko Kravanja sagt im Interview: „Wir sind 75.000 Einwohner. Dass wir da Leute haben, die rechtsradikal sind, ist leider die Realität.“

Er glaube aber, „dass das Einzelfälle sind und dass wir in der Breite in Castrop-Rauxel nicht so stark betroffen sind wie andere Kommunen. Da bin ich sehr stolz drauf, denn es ist ein Zeichen dafür, wie die Gesellschaft aufsteht und im Zweifel zusammenhält.“

„Die breite Masse stärkt uns den Rücken“

Besonders erwähnt Kravanja in diesem Zusammenhang auch jetzt wieder das Bündnis für Demokratie: „Als bei der ersten Veranstaltung 250 Leute im Ratssaal saßen und sich spontan solidarisiert haben, da war das mein Rückhalt, aus dem ich und wir alle für die Kommunalpolitik Kraft ziehen. Wir können sagen: Ja, es gibt einige, die sind sehr laut, aber die breite Masse steht immer noch dahinter und stärkt uns den Rücken.“

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