Reform könnte längere Wege bedeuten

Notfallbezirke

CASTROP-RAUXEL Die Reform der Notfallbezirke könnte auch Folgen für die seit über zehn Jahren bewährten Notfallpraxis am Rochus-Hospital haben. Droht der der patientennahen Notversorgung das Aus?

von Michael Fritsch

, 14.11.2009, 07:20 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Notfallpraxis am Rochus-Hospital.

Die Notfallpraxis am Rochus-Hospital.

Ein Szenario, das der Castrop-Rauxeler Notdienstbeauftragte und Ärztesprecher Michael Greef derzeit nicht ausschließen kann: "Mehr Klarheit über diese Frage wird eine Versammlung von Ärztekammer und Kassenärztlicher Vereinigung am nächsten Mittwoch bringen", kündigte Greef am Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung an.Reduzierung der 320 Notfallbezirke

Dort steht im neuen Restaurant Riad in Henrichenburg eine umfassende Information über die Reform der Nofallbezirke in Westfalen-Lippe auf der Agenda. Eine tief greifende Neuordnung, die die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe bereits am 11. November im Grundsatz abgesegnet hat. Kernstück ist eine erhebliche Reduzierung der 320 Notfallbezirke und -praxen auf nur noch 29 Bezirke und 52 Notfallpraxen. "Das führt zu einer Unterversorgung in Teilen Westfalen-Lippes", fürchtet der Gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Stefan Romberg, und fügt hinzu: "Gerade ältere und immobile Menschen können die Fahrtwege von bis zu 60 Kilometern bis zur nächsten Notdienstpraxis und Notdienstapotheke oft nicht bewältigen."

Dass es hier vor Ort so schlimm kommen wird, steht wegen der städtischen Strukturen im Ruhrgebiet zwar nicht zur Diskussion. Gleichwohl will Greef eine Verschlechterung für Notfallpatienten wie eine Fahrt nach Herne, nicht ausschließen. Falls denn die derzeit diskutierten Änderungen 2011 für die rund acht Millionen Menschen in Westfalen-Lipppe tatsächlich in Kraft treten sollten. Nach der Kassenärztlichen Vereinigung muss allerdings auch noch die Ärztekammer zustimmen.Bewährtes darf nicht zerschlagen werden

Zwar kann auch Greef der Argumentation folgen, dass eine Reform unausweichlich ist, weil im ländlichen Raum Ärzte teilweise an jedem zweiten Wochenende Dienst hätten. Das dürfe jedoch nicht dazu führen, dass bewährte Strukturen wie in Castrop zerschlagen würden, argumentiert er. Die Notfallpraxis am Rochus-Hospital wird von knapp 100 Ärzten getragen, die dafür jährlich einen Beitrag von rund 150 000 Euro leisteten, betonte der Ärztesprecher.

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