Der Markt für Hygieneartikel boomt durch das Coronavirus. Die Hersteller machen guten Umsatz. Die Firma Reinex in Castrop-Rauxel geht aber nicht nur als großer Gewinner aus der Krise.

Castrop-Rauxel

, 05.04.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Reinigungsartikel, Cremeseifen und Desinfektionsmittel – die Nachfrage nach diesen Produkten ist höher denn je. Man sollte meinen, dass Unternehmen, die diese Dinge herstellen, gerade enorm profitieren.

Bei der Firma Reinex aus Castrop-Rauxel sieht das aber anders aus, wie Geschäftsführer Guido Reimann erklärt.

Desinfektionsmittel gibt es jetzt auch von Reinex

Das Familienunternehmen produziert seit 1964 Körper- und Haushaltspflegemittel. Desinfektionsmittel gehörte bis vor kurzem nicht zum Sortiment. „Das hat sich durch die Krise schnell geändert“, erklärt Guido Reimann.

Um Desinfektionsmittel herzustellen, benötige es allerdings verschiedene Genehmigungen und klinische Tests. Nachdem die Weltgesundheitsorganisation WHO eine Sondergenehmigung ausgesprochen hatte, begann das Unternehmen Reinex sofort mit der Produktion.

„Man hat uns hier förmlich die Bude eingerannt. Ärzte, Sparkasse die vier Tonnen Desinfektionsmittel gingen sofort weg.“, so Reimann. So habe er alleine einem Krankenhaus in Hagen knapp 2000 Liter verkauft.

Das alles aber ohne Preiserhöhung, wie der Geschäftsführer erklärt. „So horrende Preise machen wir nicht mit. Da sollte auch der Gesetzgeber einschreiten. Den moralischen Aspekt mal ganz außen vor gelassen.“

Fehlende Rohstoffe und verschobene Zahlungsziele

Doch dadurch steht das Unternehmen nun vor einigen Hürden. Für die Produktion von Desinfektionsmittel werden große Mengen Alkohol benötigt. Noch vor einigen Wochen lag der Preis pro Liter bei 97 Cent, mittlerweile liegt er bei 4,60 Euro.

„Werden die Rohstoffe teurer, dann müssen auch wir die Preise etwas erhöhen. Aber nicht zu Unsummen. Wenn uns das Produkt 1 Euro in der Produktion kostet, verkaufen wir es für maximal 1,50 Euro weiter“, erklärt Reimann. Die Firma habe sich daher mit einem Schreiben offiziell an das Bundesgesundheitsministerium gewandt.

„Es sollte ja vorrangig um die Gesundheit der Menschen gehen und nicht darum, aus den derzeit benötigten Rohstoffen noch so viel Gewinn wie möglich zu erzeugen.“

Eine konkrete Antwort haben wir aber nicht erhalten, lediglich eine eher allgemeine Aussage zur Qualitätssicherung von Desinfektionsmitteln“ erklärt Stefan Neumann, Einkaufsleiter der Firma Reinex.

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Da Reinex nur an Großkunden verkauft, ist der Familienbetrieb auf die einzelnen Geschäfte angewiesen. Neben Drogerie- und Supermärkten zum Beispiel auch auf Möbelgeschäfte. „Durch Corona haben einige unserer Kunden ihre Läden schließen müssen, das heißt dort fallen uns Aufträge weg. Auch Zahlungsziele wurden von 60 auf 90 Tage verschoben. Zwar produzieren wir und machen Umsatz, aber das Geld kommt nicht direkt rein oder erst verspätet“, erklärt der Geschäftsleiter.

Die Nachfrage habe sich mehr als verdoppelt, jedoch sei es ihm gar nicht möglich, die benötigten Mengen zu produzieren. Derzeit nehme er auch keine neuen Kunden auf, sondern versuche, die Bestandskunden ausreichend zu beliefern.

Guido Reimann: „Bei uns ist es jammern auf hohem Niveau“

Einen kleinen Werksverkauf bietet er an Montagvormittagen und Dienstagnachmittagen auf dem Firmengelände, Am Westring 216, an. Seifen und Reinigungsmittel können dort auch Endverbraucher kaufen, Desinfektionsmittel nicht.

In der Woche vor Ostern stehen bei dem Unternehmen Gespräche mit den Banken an. „Wir bekommen keine finanzielle Unterstützung, der Betrieb läuft ja und Aufträge kommen mehr als genug. Aber wenn Kunden erst später zahlen können, dann wird das schwierig. Den Umsatz von 1,5 Millionen Euro, der dann auf dem Papier steht, den kann ich nicht in Vorkasse gehen“, so Reimann.

Im Großen und Ganzen beklage er sich aber nicht. Der Umsatz sei gestiegen und wenn er an genug Rohstoffe zum Produzieren komme, dann sei momentan auch gut zu händeln. „Bei uns ist es Jammern auf hohem Niveau.“

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